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Startseite»Nachrichten»Kontroverse Karriere: Lars von Trier: Immer für einen Skandal zu haben
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Kontroverse Karriere: Lars von Trier: Immer für einen Skandal zu haben

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerApril 30, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Kontroverse KarriereLars von Trier: Immer für einen Skandal zu haben

Scheut kein Tabu: Filmemacher Lars von Trier. (Foto: picture alliance / dpa)

Genial – oder genial daneben? Bei Filmemacher Lars von Trier liegt das oft zitierte Genie tatsächlich dicht neben dem Wahnsinn. Nun feiert der kontroverse Däne seinen 70. Geburtstag.

Bei einer öffentlichen Konferenz vor der internationalen Fachpresse von Cannes sein Verständnis für Adolf Hitler auszudrücken – das ist nicht die beste aller Ideen. Das weiß – hoffentlich- inzwischen auch der dänische Filmemacher Lars von Trier. Während bei besagtem Pressetermin im Jahr 2012 seine „Melancholia“-Hauptdarstellerin Kirsten Dunst gute Miene zu katastrophalem Spiel machte und dabei zusah, wie sich ihr Regisseur um Kopf, Kragen und die Cannes-Teilnahme schwätzte, drängten sich unweigerlich Fragen auf: Hat von Trier einfach nur einen verheerenden Sinn für Humor? War es ein Moment der geistigen Umnachtung? Oder meinte er es etwa ernst?

Am heutigen 30. April feiert der umstrittene Regisseur, der im Jahr 2022 eine Parkinson-Erkrankung öffentlich machte, seinen 70. Geburtstag. Was sich bis heute nicht an seinem Leben und seinem Wirken geändert hat: Lars von Trier wirft lieber unbequeme Fragen auf, als schnöde Antworten zu geben. Und jeder Kinogänger, der wütend aus einem seiner Filme stürmt, ist für ihn bis heute ein kleiner Triumph.

Schon von Triers Herkunft müsste einer antisemitischen Gesinnung eigentlich einen Riegel vorschieben. Sein Vater Ulf war dänischer Jude und lernte seine Frau, Lars von Triers Mutter, während der deutschen Besetzung im dänischen Widerstand kennen. Erst mit 33 Jahren erfuhr von Trier das wohlbehütete Geheimnis, dass Ulf gar nicht sein leiblicher Vater und er somit auch nicht jüdischer Abstammung ist.

Wo er letztendlich seine Faszination für das Film-Medium entdeckte, ist unklar. Vielleicht war es sein Onkel Borge Host, ein Filmemacher, der die Leidenschaft in ihm entfachte. Jedenfalls schnappte sich von Trier bereits als Grundschüler eine Kamera und begann auf Super 8 erste Kurzfilme zu produzieren. Doch so früh er seine Passion aufspürte, so rasch holten ihn seine Dämonen ein. Er litt unter zahlreichen Phobien und unter Depressionen, wurde als Kind psychologisch betreut. Eine Düsternis beherrschte früh sein Leben, die sich später auf seine Werke ausweiten sollte.

So verwundert es nicht, dass die Schwermut ein ständiger Begleiter in quasi all seinen Filmen ist. Seinen ersten internationalen Filmpreis gewann von Trier 1980 beim Festival der Filmhochschulen in München mit seinem Kurzfilm „Nocturne“ – unzählige weitere Auszeichnungen sollten folgen. 1984 dann sein erster Feature-Film, „The Element of Crime“. Der Neo-Noir-Krimi stellte nicht nur von Triers internationalen Durchbruch dar, er machte ihn auch zu einem gern gesehenen Gast und Gewinner in Cannes.

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In Lars von Triers Film „Dancer in the Dark“ aus dem Jahr 2000 zeigte Sängerin Björk ihr Schauspieltalent. (Foto: picture alliance/United Archives)

„Trilogie der Depression“

Waren seine Filme stets schwere Kost unter dem Schutz der Kunstfreiheit, war es sein 1998 erschienener Film „Die Idioten“, der mit seinen pornografischen Szenen selbst einem hartgesottenen Publikum sauer aufstieß. Filmkritiker Marc Kermode war von dem Streifen gar so aufgebracht, dass er aus der Vorführung in Cannes geschmissen wurde.

Danach folgte mit „Dogville“, „Antichrist“ und „Melancholia“ seine sogenannte USA-Trilogie. Ersterer gleicht einem Theaterstück, sämtliche Häuser sind nur mit weißen Zeichnungen auf dem Boden dargestellt, Hauptdarstellerin ist Nicole Kidman. Noch düsterer der zweite Teil des filmischen Triptychons: In „Antichrist“ stellt von Trier die Natur als abgrundtief verdorben und böse dar. Der Film beginnt mit einer Sexszene in Super-Slowmotion. Wie in „Melancholia“ mit Kirsten Dunst leidet die Hauptfigur an einer schweren Depression – von Triers liebstes Leitmotiv, das auch in seinem zweigeteilten Film „Nymphomaniac“ deutlich zu sehen war. Nicht umsonst wird er gemeinsam mit „Melancholia“ und „Antichrist“ gerne als „Trilogie der Depression“ bezeichnet.

Als sich von Trier 2018 mit „The House That Jack Built“ einer Geschichte über einen Serienmörder annahm, war Kennern seiner Kunst im Vorfeld klar: es wird brutal bis unerträglich. Und in der Tat stellte Matt Dillon als hochintelligenter Psychopath (auch gegenüber Kindern) so grauenvolle Dinge an, dass der kalkulierte Aufruhr auf dem Fuße folgte. Und dennoch: Wieder einmal konnte man sie nicht absprechen, diese morbide Faszination, für die die Filme von Lars von Trier seit jeher stehen. Zumal in „The House That Jack Built“ der 2019 verstorbene Charakterdarsteller Bruno Ganz einen seiner letzten und wahrlich sehenswerten Kinoauftritte hatte.

Vom Film-Liebling zum Geächteten

Hinter der Kamera oft genial, davor häufig genial daneben: Während seine Werken mit wenigen Ausnahmen stets eh schon kontrovers sind, sorgte der Filmemacher zudem noch auf andere Weise für die größten Skandale. Mit den eingangs erwähnten Aussagen über Hitler etwa, die ihn vom Liebling in Cannes zum Geächteten machten. Erst 2018 mit besagtem „The House That Jack Built“ feierte er dort sein – wie könnte es anders sein – umstrittenes Comeback.

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In Cannes nicht immer gern gesehen: Lars von Trier. (Foto: picture alliance/AP Photo)

Oder etwa, als von Trier im Interview mit der dänischen Tageszeitung „Politiken“ keinen Hehl daraus machte, dass er sich nur unter Drogeneinfluss kreativ genug wähnt, um Filme machen zu können. Dann war da noch der Moment, als von Trier die zu diesem Zeitpunkt erneut schwangere Mutter seines ersten Kindes für deren Erzieherin verließ. So sehr er sich auch bemüht, sein nun 70-jähriges Leben schreibt bis dato dann doch die skandalösesten Drehbücher.

Quelle: ntv.de, csp/spot

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