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In Bayern-Bettwäsche geträumt: Als Schalke 04 beim Abgang von Olaf Thon das Stadion abreißen wollte

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 1, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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In Bayern-Bettwäsche geträumtAls Schalke 04 beim Abgang von Olaf Thon das Stadion abreißen wollte

01.05.2026, 07:29 Uhr Von Ben Redelings
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Der junge Olaf Thon, personifizierte Sehnsucht der Schalker Fans.

Als ein 18-Jähriger beim legendären 6:6 im Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern für Schalke drei Tore schießt, beginnen die königsblauen Fans zu träumen. Doch dann erzählt der Junge vor einem Millionenpublikum, in Bayern-Bettwäsche geschlafen zu haben. Heute feiert Olaf Thon seinen 60. Geburtstag. 

„Viele junge Spieler sind faule Säcke. Und ein paar sind dazu noch sträflich dumm. Olaf Thon ist ein Paradebeispiel.“ Das Urteil von Nationaltorhüter Toni Schumacher in seinem Buch „Anpfiff“ über seinen DFB-Kollegen war ein Skandal im Frühjahr 1987 – und dann wechselte der damalige Kölner Keeper nach seinem Rauswurf beim FC auch noch ausgerechnet zu Thons Mannschaft, dem FC Schalke 04. Eine echte Demütigung für die große deutsche Nachwuchshoffnung. Und tatsächlich endete dieses kuriose Kapitel des deutschen Fußballs anschließend auch noch mit dem Abstieg des S04 aus der Bundesliga.

Thon war damals auf Schalke bereits ein kleiner, großer Held. Denn spätestens nach seinen drei Treffern beim legendären 6:6 im DFB-Pokal-Halbfinale gegen die Bayern im Mai 1984, als er als gerade einmal 18-jähriges Talent die Show des Abends bot und auf den Schultern der königsblauen Fans durch das mit 71.000 Zuschauern gefüllte Parkstadion getragen wurde, stand Thon als symbolische Hoffnung für eine bessere Schalker Zukunft. Ein pensionierter Bergmann im Gelsenkirchener Stadtteil Beckhausen war sogar so verzückt von dem nur 1,70 Meter großen Spieler, dass er sich damals etwas ganz Besonderes einfallen ließ.

In seinem Vorgarten in der Braukämperstraße 77 errichtete er für den Nachwuchskicker des S04 ein eigenes Denkmal. Mit viel Lust am kreativen Basteln hatte er in seinem Handwerksschuppen eine farbenfrohe Plastik entworfen, die in ihrer Strahlkraft vielen Werken bekannter Künstler im öffentlichen Raum in nichts nachstand. Der vergipste Fuß in Brusthöhe vor einem stilisierten Fußball, auf dem ein Pfeil mit dem Schriftzug „Olaf“ in die Richtung von Thons Elternhaus zeigte, lockte nicht nur die gesamte Nachbarschaft aus ihren Häusern. Auch Schalke-Anhänger genossen in geselliger Runde vor Heimspielen gemeinsam den Anblick dieses ersten Denkmals für ihr Idol, das damals noch ganz unschuldig nach dem 6:6 live im deutschen TV vor einem Millionenpublikum zugab, als Kind in Bayern-Bettwäsche geschlafen zu haben.

„Maradona des deutschen Fußballs“ mochte Asche nicht

Die Kritik, die Thon für dieses öffentliche Bekenntnis anschließend einstecken musste, führte dazu, dass es plötzlich zwei Gesichter des Nachwuchsspielers gab, wie die Autoren des Buchs „Anstoß. Fußball im Ruhrgebiet“ bereits 1985 treffend schrieben: „Auf dem Fußballplatz sehr offensiv, angreifend, spontan, aggressiv, ständig auf der Suche nach dem kürzesten Weg zum Erfolg, ist der Privatmann Olaf Thon in seinem Umgang mit dem Nächsten betont defensiv, ja misstrauisch und skeptisch. Er sondiert, sortiert, öffnet erst die Augen, dann die Arme – wenn überhaupt.“

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Thon kam aus einer echten Fußballer-Familie, wie er selbst einmal erzählte: „Mein Opa Fritz Duda hat 800 Meter vom Fürstenbergstadion entfernt gewohnt. Der hat mich von klein auf trainiert und mit sieben Jahren dann auch in den Verein gebracht. Der Name Thon war damals schon ein Begriff: Mein Vater wurde 1967 mit der STV Horst-Emscher Deutscher Amateurmeister.“ Dass er, der bereits früh erfolgreiche Probetrainingstage bei den Königsblauen absolvierte, erst mit 14 Jahren zum S04 wechselte, erklärte Thon einmal selbst damit, dass die Schalker damals „auf schwarzer Asche kicken mussten“. Und das fand der Mann, den die italienische Zeitung „Tuttosport“ Jahre später als „Maradona des deutschen Fußballs“ bezeichnete, nicht wirklich reizvoll.

Doch einmal im Schalker Trikot und auf dem Rasen des Parkstadions lief es für den jungen Mann sofort. Sogar so gut, dass bereits in der Saison 1986/87 auf Schalke überall nur noch alle „Thon, Thon, Thon“ riefen und Präsident Günter Siebert und Manager Rolf Rüssmann gar noch einen Schritt weitergingen, als sie kollektiv meinten: „Wenn Olaf Schalke verlässt, können wir gleich das Stadion abreißen.“ Dementsprechend traurig waren die königsblauen Fans, als Thon schließlich zur Spielzeit 1988/89 zu seiner Jugendliebe, dem FC Bayern München, wechselte.

UEFA-Cup-Sieg Thons „wertvollster Triumph“

Fortan hofften sie auf Schalke auf Thons Rückkehr – schließlich stand der gebürtige Gelsenkirchener für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Zu einer skurrilen Szene kam es drei Jahre später, als der Schalker Stadionsprecher den 70.000 Anhängern einen ganz besonderen Zugang ankündigte. Schnell machte sich das Gerücht breit, dass es sich dabei nur um Olaf Thon handeln könne.

Als schließlich allerdings statt des Weltmeisters von 1990 nur das neue Maskottchen, der Maulwurf „Wühli“, auf dem Rücken des Schalker Originals Charly Neumann ins Parkstadion getragen wurde, war die Enttäuschung groß. Kein Wunder, dass „Erwin“, das bis heute amtierende Maskottchen, „Wühli“ alsbald schon wieder ablöste.

Wie groß die Hoffnungen, die die Schalker mit Olaf Thon verbanden, tatsächlich waren, offenbarte einmal der legendäre Schalker Trompeter Mario Fioretti (der den nicht minder legendären Schlachtruf „Attacke!“ etablierte). Einem Kamerateam erzählte er mit leuchtenden Augen: „Wenn wir Thon haben, spielen wir in fünf Jahren um die Meisterschaft mit. Bis dahin muss ich unbedingt den Triumphmarsch aus ‚Aida‘ draufhaben.“

Zur Saison 1994/95 war es schließlich soweit. Nachdem er bei den Bayern nicht mehr wirklich zum Zug gekommen war, kehrte Olaf Thon, den viele bis heute wegen seiner feinen, oft verschmitzt vorgetragenen Wortbeiträge „Professor“ nennen („Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden, wie es wirklich war“) zurück auf Schalke und half in den Folgejahren mit, dass die Königsblauen endlich wieder Titel gewannen.

Und so sagte Thon später einmal rückblickend: „Mit den Bayern und der Nationalmannschaft war ich ja auch erfolgreich. Aber der UEFA-Cup-Sieg von 1997 war wohl der wertvollste Triumph meiner Karriere. Weil den eine Mannschaft geholt hat, die ich selbst mit aufgebaut habe.“

Die Krönung seiner Laufbahn, der Meistertitel mit dem FC Schalke 04, blieb ihm 2001 als „Meister der Herzen“ zwar knapp verwehrt, aber noch immer ist Olaf Thon ein echter Schalker und beliebter Held rund um das Berger Feld. Heute feiert der Weltmeister von 1990 und UEFA-Cup-Sieger von 1997 seinen 60. Geburtstag. Alles Gute und Glück auf, lieber Olaf Thon!

Quelle: ntv.de

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