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„Internationale Wertmarke“: Als ein deutscher Bundeskanzler den BVB euphorisch feierte

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 5, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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„Internationale Wertmarke“Als ein deutscher Bundeskanzler den BVB euphorisch feierte

05.05.2026, 06:54 Uhr Von Ben Redelings
Trainer-Willi-Multhaup-wird-von-seinen-Spielern-nach-dem-Europapokalsieg-auf-Haenden-getragen-re
Willi „Fischken“ Multhaup auf den Schultern seiner Spieler. Ganz recht ist Rudi Assauer zu sehen. (Foto: imago/Kicker/Metelmann)

Es ist für viele Fußballfans immer noch eine der besonderen Erinnerungen, die sie ein Leben lang prägte: Der 5. Mai 1966 als Borussia Dortmund im Glasgower Hampden Park den ersten Europapokalsieg einer deutschen Mannschaft feierte. Und auch der damalige Bundeskanzler fand außergewöhnliche Worte.

„Das weiße Leder ist von der Brust des englischen Torwarts abgeprallt. Weit läuft es aus dem Strafraum hinaus. Dort ist niemand – oder? Doch, da steht einer, mit dem kaum noch zu rechnen ist, der an diesem Abend sicher lieber ins Kino gegangen wäre, so schwach hat er bisher gespielt: Dortmunds Rechtsaußen Reinhard Libuda. Ihm kullert der Ball vor die Füße. Libuda sieht ihn kommen, bemerkt das leere Tor, sieht aber auch die Entfernung und die englischen Abwehrspieler dazwischen.

Er schießt direkt und auf den Zentimeter genau. Der Ball fliegt im weiten Bogen durch die Luft, senkt sich aufs Tor und – hinein … Es ist der 05. Mai 1966, 21.33 Uhr. Ein Tor ist gefallen, das Millionen erregt, das in die Geschichte des deutschen Fußballs eingeht!“

Hautnaher und schöner kann man diese legendäre Szene eines denkwürdigen Abends – nicht nur für den BVB alleine, sondern für den gesamten deutschen Fußball – nicht schildern, wie in diesem Ausschnitt, der nur drei Monate nach dem Triumph von Glasgow im Finale des Europapokals der Pokalsieger gegen den FC Liverpool im Buch „Borussia Dortmund. Die Geschichte einer großen Mannschaft“ erschien. Der BVB war in diesem Mai 1966 ohne Frage die Mannschaft der Stunde.

„Der Emma hat mir in die Eier gezwickt“

In der Nacht nach dem historischen Sieg im Hampden Park lag der Schütze des entscheidenden Tores, Reinhard Libuda, in Glasgow im Bett und wollte nicht glauben, was sein Mitspieler und Freund, Aki Schmidt, ihm da sagte: „Morgen, Stan, da steht Dortmund Kopf. Da wirst du Augen machen!“ Und tatsächlich: Die Feierlichkeiten waren in ihrer Intensität damals einmalig in Deutschland und das sollte auch Libuda noch hautnah zu spüren kriegen, wie Aki Schmidt später immer wieder mit leuchtenden Augen erzählte.

Die Menschen standen bei der Rückkehr der Mannschaft am Straßenrand Spalier für ihre siegreichen Helden, die vor Glück strahlend in Cabrios durch die schwarz-gelb beflaggte Stadt gefahren wurden. Das glorreiche Team, das den FC Liverpool mit 2:1 nach Verlängerung im Finale niedergerungen hatte, ließ sich nun von einer ganzen Stadt gebührend feiern. In einem Auto saßen Lothar Emmerich, Aki Schmidt und Stan Libuda zusammen und reckten stolz den Europapokal nach oben.

Lachend drehte sich Aki Schmidt irgendwann an diesem herrlichen Tag zur Seite. Er schaute ins tränenüberströmte Gesicht von Stan Libuda. Man, dachte sich Aki, der ist ja voller Emotionen. Den hat es richtig gepackt. Und er beugte sich zu Libuda hinüber und wollte ihm gerade etwas ins Ohr flüstern, da raunzte dieser ihm durch die nur spaltbreit geöffneten Zähne zu: „Halt bloß die Schnauze, Aki. Der Emma hat mir in die Eier gezwickt!“

Wie Aki Schmidt um sein Haus fürchtete

Diese kuriose wie amüsante Szene ist Ausdruck eines echten Teams, das in einer „Sternstunde des Fußballs“ die Fans dieses Sports begeisterte. Auch der damalige Bundeskanzler Ludwig Erhard fand bei der Verleihung des Silbernen Lorbeerblatts für den BVB knapp zwei Wochen später nur lobende Worte für den Europapokalsieger: „Mit Borussia Dortmund ist eine spielfreudige, kampfstarke und großartig zusammenhaltende Mannschaft in der ihr eigenen Spielanlage verdienter Europapokalsieger geworden. Diese hervorragende Leistung ist die Krönung eines erfolgreichen sportlichen Weges der letzten zwanzig Jahre. Dortmund und das ganze Ruhrgebiet können stolz auf diese Männer, ihren Trainer und ihre Vereinsführung sein. Der BV 09 Borussia Dortmund ist zu einer internationalen Wertmarke des deutschen Fußballs geworden.“

Die Worte des Bundeskanzlers hörte man in Dortmund natürlich gerne, doch sie fielen an einem Tag, an dem der BVB und seine Fans trauerten. Es war der 21. Mai 1966 – und die Borussia spielte zu Hause gegen den TSV 1860 München. In der ersten Partie nach dem Triumph von Glasgow hatte die Mannschaft in Bremen verloren, war aber aufgrund des besseren Torverhältnisses immer noch Tabellenführer der Fußball-Bundesliga geblieben. Doch langsam wurde die ganze Feierei nach dem Sieg über den FC Liverpool zu einem echten Problem. Aki Schmidt erzählte später einmal, dass er Tag und Nacht jemandem vor seinem neu gebauten Haus positionierte, damit niemand seine frisch geweißten Wände in schwarz und gelb tünchte.

Der Meistertitel? Futschikato!

Und dann kam der 33. Spieltag. Es war der besagte 21. Mai, an dem auch der Bundeskanzler seine euphorische Rede hielt. An diesem Tag sollte der BVB die Meisterschaft vergeigen. Aki Schmidt sagte später einmal selbstkritisch über diesen Tag: „Gegenüber war ’ne Kneipe, da war immer was los. Ich bin gar nicht mehr zur Ruhe gekommen. Die ganze Feierei hat uns die Meisterschaft gekostet. Wir spielten noch zu Hause gegen 1860. Hätten wir gewonnen, wären wir Meister geworden. So wurde es 1860.“

Dieser Titel war weg, aber ein anderer, wahrscheinlich viel wichtigerer für die Geschichte des Klubs, war gewonnen. Denn der BVB zehrte noch Jahrzehnte lang, eigentlich bis heute, von diesem legendären, regnerischen Abend im Hampden Park von Glasgow. Der erste Europapokalsieg einer deutschen Mannschaft begeisterte unzählige Kinder vor den heimischen Bildschirmen. Nicht nur der langjährige Boss des BVB, Hans-Joachim „Aki“ Watzke, erzählte einmal, dass ihn dieses Spiel nachhaltig geprägt habe. Es war seine erste Partie im TV. Kurz danach war er das erste Mal live im Stadion der Borussia.

Sogar Herbert Knebel wurde Borusse

Und auch der im Ruhrgebiet sehr populäre Uwe Lyko, besser bekannt in seiner Rolle als „Herbert Knebel“, berichtete einmal in einem Interview von dieser magischen Nacht, die für so viele die Liebe zur Borussia entfachte: „Ausschlaggebend für den BVB war das Endspiel im Europapokal 1966. Ich saß mit meinem Bruder zu Hause im Wohnzimmer. Unsere Eltern waren weg. Wir durften natürlich nicht Fernsehen gucken, sind dann aber doch heimlich heruntergegangen und haben die Kiste angemacht.

Ausgerechnet in der Verlängerung kamen meine Eltern wieder nach Hause und regten sich unheimlich auf. Dann wurden sie aber sofort von der Dramatik des Spiels gefesselt und setzten sich mit dazu. Und dann kam diese tolle Bogenlampe von Stan Libuda. Wir sind aufgesprungen, haben die Möbel umgeschubst, gejubelt und uns in den Armen gelegen und so bin ich dann halt BVB-Fan geworden. Im zarten, unbedarften Alter von zwölf Lenzen habe ich mir dann gedacht: Das ist jetzt bis zum Lebensende deine Mannschaft. Wenn damals Schalke gespielt hätte, wäre ich heute wahrscheinlich ein Königsblauer.“ Dass es dazu bei ihm und so vielen anderen nicht gekommen ist, verdankt die Borussia bis heute dieser „spielfreudigen, kampfstarken und großartig zusammenhaltenden Mannschaft“ des BVB vom 5. Mai 1966.

Quelle: ntv.de

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