Absurde Theorie verbreitet
Wutschaubender Jose Mourinho redet sich um Kopf und Kragen
Bei seinem Ex-Klub AS Rom wird José Mourinho empfangen wie ein Held. Eine heroische Leistung liefert auch seine Mannschaft von Real Madrid ab. Die Laune des Startrainers ist trotzdem im Keller.
José Mourinho wurde empfangen wie ein römischer Imperator. Fahnen mit Bildern seines größten Triumphs bei der AS Rom wehten in der Curva Sud, die Tifosi besangen ihren einstigen Feldherrn. „Wer Ehre nach Rom bringt, den wird Rom für immer ehren“, stand in großen Lettern auf Bannern. Untypisch verlegen winkte „The Special One“ den Fans zunächst entgegen – doch nach dem Spiel war von der guten Laune wenig übrig.
„Die machen das jetzt ganz schamlos. Die Katze ist aus dem Sack“, polterte Mourinho nach dem furiosen 4:3 (1:1) seiner Königlichen. Die angestaute Wut musste trotz des Sieges raus, aus einer wundersamen Wende machte Mourinho so eine Anklage: „Zwei Stunden vor dem Spiel muss ein Spieler erfahren, dass er eine Sperre von vier Spielen hat“, schimpfte der 63-Jährige.
Mourinho erhebt schwere Vorwürfe
Sein Zorn galt der Vier-Spiele-Sperre gegen Vinicius Junior, die kurz vor dem Anpfiff bekannt geworden war. Der Brasilianer hatte beim jüngsten 1:0 in der Liga gegen Valencia Gegenspieler Nathan Saliba an den Haaren gezogen, Rot gesehen und anschließend vehement protestiert. Nun verpasst der 26-Jährige unter anderem den Clásico beim FC Barcelona. Grund genug für Mourinho, wieder einmal das Werk höherer Mächte zu wittern. Wieder einmal sah er seine Königlichen als Opfer. Man wolle seine Spieler „fertigmachen“. Das erscheine ihm „nicht normal“.
Vor allem der Zeitpunkt wurmte ihn. „Hätten sie das nicht jetzt tun können? Hätten sie das nicht morgen früh tun können?“, fragte Mourinho erbost. Schon nach dem Platzverweis hatte er am Samstag die Pressekonferenz verweigert, um „keine eigene Sperre zu riskieren“. In Rom drehte er dann am ganz großen Rad: „Die Madridistas sind nicht dumm. Ich werde alles dafür tun, den Menschen die Augen zu öffnen.“
Wahnsinns-Finale in Rom
Die eigentlichen 90 Minuten im Stadio Olimpico hielten den ureigenen Real-Wahnsinn einmal mehr bereit: Sieben Minuten vor Schluss lagen die Königlichen mit 1:3 zurück, dann brach das Chaos über die Roma herein – die „Remontada en Roma“, wie der Klub den Coup auf X taufte, war perfekt.
Einmal mehr hatte Real das Unwahrscheinliche möglich gemacht: Nach Treffern von Marten de Roon (20.) und Donyell Malen (51./57.) lag Madrid trotz Kylian Mbappés Ausgleich (25.) scheinbar aussichtslos zurück. Roma-Trainer Gian Piero Gasperini sah seine Mannschaft „in allem überlegen“. Und verlor trotzdem. Carlos Espi (83.) und Endrick (85.) glichen binnen zwei Minuten aus, ehe ausgerechnet Antonio Rüdiger (90.) – ebenfalls ein Ex-Römer – den Gastgebern den K.o. versetzte.
Doch allem Spektakel zum Trotz: Die Probleme der Königlichen waren unübersehbar. Die Lücke, die Toni Kroos im Mittelfeld hinterlassen hat, klafft noch immer, Real wirkt häufig unausgewogen und gerade offensiv zu linkslastig – und gewinnt solche Spiele dann eben doch. Irgendwie. Weil Madrid eben Madrid ist.
Verwendete Quellen: ntv.de, tno/sid
