Die Passage von Handelsschiffen durch die Straße von Hormus bleibt ein brisanter Streitpunkt zwischen den USA und Iran. Nach dem Beschuss eines Frachters flogen die USA neue Angriffe, Iran reagierte prompt. Hält die Waffenruhe?
In der Golfregion ist es trotz des zwischen den USA und Iran geschlossenen Rahmenabkommens erneut zu gegenseitigen Angriffe gekommen.
Bahrain meldete Drohnenangriffe des Iran. Das Außenministerium teilte mit, mehrere iranische Drohnen hätten am frühen Samstagmorgen Ziele angegriffen. Das Ministerium verurteilte die Angriffe auf das Schärfste und warf Iran eine „eklatante Verletzung“ der Souveränität des Landes und eine „Sabotage“ der Friedensbemühungen vor. Ob die Drohnen US-Militäreinrichtungen treffen sollten, ging aus der Meldung nicht hervor. In Bahrain befindet sich unter anderem das Hauptquartier der fünften US-Flotte.
Die iranische Revolutionsgarde ließ über die staatliche Nachrichtenagentur Irna eine Erklärung verbreiten, in der es hieß, es seien mehrere Standorte der „US-Terrorarmee in der Region“ ins Visier genommen worden. Welche Gebiete angegriffen wurde, teilte die Revolutionsgarde nicht mit.
Tanker beschossen
Kurz danach wurde ein Zwischenfall in der Straße von Hormus gemeldet. Nach Angaben der britischen Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt UKMTO wurde ein Tanker von einem Geschoss getroffen. Die Brücke des Tankers sei beschädigt worden. Verletzte gab es laut UKMTO nicht.
US-Angriffe nach Attacke auf Frachtschiff
Die iranischen Attacken folgten wiederum auf neue Luftangriffe der USA. Es seien iranische Raketen- und Drohnenlagerstätten sowie Radaranlagen angegriffen worden, teilte das für die Golfregion zuständige Regionalkommando CENTCOM mit. Der US-Sender Fox News berichtet, dass sechs Kampfflugzeuge beteiligt gewesen seien.
Die Luftangriffe während der Waffenruhe begründete die US-Regierung mit einem Angriff auf ein Frachtschiff unter der Flagge Singapurs am Donnerstag. „Die ungerechtfertigte Aggression iranischer Streitkräfte gegen die Handelsschifffahrt stellte einen klaren Verstoß gegen die Waffenruhe dar“, betonte das US-Militär. Zudem habe es die freie Schifffahrt gefährdet.
Vance: Iran soll „ans Telefon gehen“
Vor dem Hintergrund wieder aufgeflammter Aggressionen forderte US-Vizepräsident JD Vance den Iran zur Kontaktaufnahme auf. Die Islamische Republik solle „ans Telefon gehen“, falls es Meinungsverschiedenheiten über die Waffenruhevereinbarung gebe, erklärte er in sozialen Medien. Gewalt werde jedoch mit Gewalt erwidert.
Nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran am 28. Februar hatte die Islamische Republik Anfang März die wichtige Meerenge durch Drohungen und Angriffe weitestgehend blockiert. Die USA reagierten im Verlauf mit einer eigenen Seeblockade für Schiffe, die iranische Häfen anliefen oder verlassen sollten. Iran und die USA vereinbarten vergangene Woche ein vorläufiges Ende der Kampfhandlungen sowie die Aufhebung der Blockaden.
Iran besteht auf Genehmigung für Durchfahrt
Der Schiffsverkehr durch die Meerenge bleibt dennoch auf einem niedrigen Niveau. Die iranische Revolutionsgarde hatte Schiffe in der Meerenge davor gewarnt, diese auf einer Route vor der Küste Omans zu durchfahren, die der Oman in Abstimmung mit der UN-Schifffahrtsorganisation IMO festgelegt hatte. Die einzige zugelassene Route durch die Straße von Hormus sei die vom Iran festgelegte. Die Nutzung anderer Routen sei untersagt, bei Verstößen werde man einschreiten.
Laut iranischem Staatsfernsehen hätte weitere Schiffe eine Genehmigung für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus beantragen, nachdem nicht autorisierte Schiffe mit Warnschüssen konfrontiert wurden.
