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Ansteckungsgefahr für Badegäste: Aufgeblähter Buckelwal liegt jetzt am Strand

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 30, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Ansteckungsgefahr für BadegästeAufgeblähter Buckelwal liegt jetzt am Strand

Seit Wochen ein Spektakel: Der Buckelwal, der allen Rettungsversuchen trotzte. (Foto: picture alliance/dpa)

Ein ruhiger Tod sieht anders aus. Der Buckelwal, der mehrfach in der deutschen Ostsee strandete und dann tot vor einer dänischen Insel lag, wird mit schwerem Gerät aus dem Meer gezogen. Bald soll es eine Antwort auf die Frage geben: Woran starb das Tier?

Auf der dänischen Insel Anholt ist der Kadaver des mehrfach in der Ostsee gestrandeten Buckelwals an Land gebracht worden. Im Livestream des Anbieters „News5“ war zu sehen, wie ein Fahrzeug das Tier mit einem Seil aus dem flachen Wasser langsam auf den Strand zog. Im Sand hinterließ der aufgeblähte Kadaver eine riesige Furche. Die dänische Umweltbehörde rief Einheimische und Badegäste dazu auf, sich dem Wal nicht zu nähern – es besteht Ansteckungsgefahr.

Der Buckelwals soll am kommenden Donnerstag auf der dänischen Insel Anholt untersucht werden. „Die Obduktion wird am Nachmittag beginnen und etwa sechs Stunden dauern“, sagte Morten Abildstrøm vom dänischen Amt für Naturverwaltung. Dabei dürfte es für die Menschen vor Ort unangenehm werden. „Weil das Tier so lange in der Sonne gelegen hat, wird es stark stinken“, sagte der Wal-Forscher Peter Teglberg Madsen, der in Dänemark seit 25 Jahren Wal-Obduktionen begleitet. „Das wird ziemlich überwältigend, wenn man es nicht gewohnt ist.“

Mehr als zwei Wochen hatte der Kadaver vor der Urlaubsinsel im Wasser getrieben. Einmal hatten die Dänen versucht, den von Fäulnisgasen aufgeblähten Wal in tieferes Gewässer zu ziehen, um ihn dann in einen Hafen zu bringen. Der Versuch scheiterte – nun findet die Obduktion auf Anholt statt. Man wolle vor allem herausfinden, woran das Tier starb, sagte Madsen – „denn in der Diskussion ging es ja viel darum, ob der Wal gerettet werden konnte oder nicht“.

Wal-Forscher: Rettungsversuch war „Tierquälerei“

Der Forscher nimmt an, dass das Tier von vornherein keine Chance hatte. „Das war ganz offensichtlich ein krankes, entkräftetes Tier, das nicht gerettet werden konnte, und man hätte es einfach in Frieden lassen sollen.“ Stattdessen habe man ein Tier, das noch nie in Gefangenschaft gelebt habe, tagelang in einer Metallkiste eingesperrt über das Meer bugsiert. „Es wurde von den Wellen hin und her geschmissen, dem Lärm der Motoren ausgesetzt, um dann einfach ins Meer gekippt zu werden – das muss höllisch stressig und beängstigend für das Tier gewesen sein.“ Die Aktion sei „reine Tierquälerei“ gewesen, meinte Madsen.

Der Wal hatte an der deutschen Ostseeküste immer wieder Flachwasser aufgesucht – mehrfach hatte er sich weiterbewegt, nachdem sich Menschen genähert hatten. Schließlich lag er vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern. Gegen die Empfehlung deutscher Fachleute und Institutionen hatte das Landesumweltministerium geduldet, dass eine private Initiative das Tier abtransportiert und in der Nordsee freisetzt.

Auf der beschaulichen Urlaubsinsel Anholt mit knapp 130 Bewohnern wundern sich viele über das Vorgehen – und noch mehr über das große Interesse an dem „deutschen Promi-Wal“, wie ihn hier einige nennen. „Ich verstehe nicht, wieso die Deutschen so ein Aufhebens um diesen Wal machen“, sagte die Dänin Susanna.

Für die Einheimischen bedeutet der Kadaver vor allem Ärger, zumal er am beliebtesten und zugänglichsten Strand der Insel liegt. „Wenn er liegenbleibt und noch stärker stinkt, wird das zum Problem für unsere Sommergäste und den Campingplatz“, sagte Matthias Vanman, der mit seiner Bekannten Hanne Skov am Hafen in der Sonne saß. Skov verbringt seit über 30 Jahren den Sommer auf dem Campingplatz der Insel unweit vom Strand. „Das größte Problem ist, dass so ein Kadaver alles verschmutzt“, meinte sie.

Starb der Wal durch Fischernetze?

Wenn die Arbeiten an dem Tier beginnen, soll der Strand abgesperrt werden. Tierärzte, Behördenvertreter und Experten werden zum Beispiel nach Resten von Fischernetzen und Plastik im Darm und in der Speiseröhre des Tiers suchen.

„Bei vier der letzten sechs gestrandeten Buckelwale in Dänemark haben Fischernetze nachweislich eine Rolle bei ihrem Tod gespielt“, sagte Wal-Forscher Madsen. Bei den beiden anderen sei das zumindest eine Möglichkeit gewesen, man könne es nur nicht mit Sicherheit sagen.

„Wir sollten uns darüber freuen, dass wir wieder mehr Buckelwale in der Ostsee sehen“, sagte der Experte von der Uni Aarhus. „Aber anstatt so viele Ressourcen auf den Versuch zu verwenden, ein einzelnes Tier zu retten, sollten wir dafür sorgen, dass Tiere nicht in solche Situationen geraten.“

Quelle: ntv.de, ghö/dpa

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