Anwalt spricht KlartextCornell-Opfer bedroht – „Typen sollen im Keller ihrer Mutter bleiben“
An der US-Elite-Uni Cornell kommt es zu einer mutmaßlichen Vergewaltigung einer Frau durch sieben Männer. Weil der Fall publik wird, ist das Opfer jetzt Bedrohungen ausgesetzt. Der Anwalt der Frau findet deutliche Worte dafür – und zeigt auf, wie groß der Fall tatsächlich ist.
Das Opfer einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung an der US-amerikanischen Elite-Universität Cornell soll mehrere Drohungen erhalten haben. Das sagt ihr Anwalt Thomas Giuffra im Gespräch mit CNN. Auch er selbst sei bedroht worden. „Ich habe keine Angst vor diesen Leuten“, sagt Giuffra dem Sender. „Aber die Drohungen, die Beschimpfungen, um das, was vor sich geht, zu schützen, den Status quo, diese Typen sind widerlich. Sie sollten im Keller ihrer Mutter bleiben und sich aus der Welt heraushalten.“
Die Frau, die behauptet, vor etwa zwei Jahren von sieben Männern in einer Studentenverbindung unter Alkohol- und Drogeneinfluss gesetzt und anschließend vergewaltigt worden zu sein, ist nur unter dem Pseudonym Jane Doe bekannt. Sie beklagt, dass die damals erstattete Anzeige von der Campuspolizei nicht weiter verfolgt worden ist. Die Staatsanwaltschaft entschied, dass die Verdächtigen sich nicht vor Gericht verantworten müssen. Einige von ihnen wurden der Hochschule verwiesen, andere mussten hingegen nur einen Aufsatz schreiben und durften weiter studieren. Jetzt wurde der Fall öffentlich und sorgt für großes Aufsehen.
Anwalt Giuffra vermutet, dass sich nicht nur sieben Männer an seiner Mandantin zu schaffen gemacht haben. „Ich glaube, es waren mehr“, sagt er zu CNN. „Aber wir werden es nie wissen.“ Das liege an den „Ermittlungen, die keine richtigen Ermittlungen waren“. Er sei kein Rechtsanwalt für Strafsachen, sondern ein Zivilrechtsanwalt, sagt Giuffra, „aber selbst ich hätte den Fall besser untersuchen können“.
Die Verdächtigen sind bereits nach dem Vorfall im Jahr 2024 von Beamten verhört worden. Giuffra sagt, er habe die Aufzeichnungen der Vernehmungen sehen können. Darin sowie in E-Mails an das Opfer hätten sich manche der mutmaßlichen Täter lapidar entschuldigt, sagt der Anwalt. „Es war das typische ‚Oh, es tut mir leid, ich war außer Kontrolle‘.“
Der Rechtsvertreter sagt weiter, er habe viele E-Mails von Studierenden erhalten, „nicht nur von der Cornell, auch von anderen Universitäten“. Sie würden behaupten, auf ihrem Campus ebenfalls sexuell missbraucht worden zu sein. „Sie haben Anzeigen aufgegeben und auch diese wurden nicht weiterverfolgt“, so Giuffra. „Und das ist der erschreckende Teil.“ Es sei kein reines Cornell-Problem, sondern ein generelles Uni-Problem. „Wir lernen jetzt als Gesellschaft, dass das ein großes Thema ist in diesem Land. Endlich rückt es ins Scheinwerferlicht und wir lernen, was hier all die Jahre schiefläuft.“
