Eine Militärhinrichtung im Livestream: In den USA wird kontrovers über die Ankündigung des Verteidigungsministers diskutiert. Die Rede ist von Methoden wie bei der IS-Miliz. Auch Vizepräsident Vance geht auf Distanz.
Ja, er habe der Hinrichtung und Live-Übertragung zugestimmt, antwortete US-Präsident Donald Trump auf die entsprechende Frage einer Reporterin. Aber ganz so sicher, dass es eine Live-Übertragung einer Hinrichtung geben wird, klang es nicht mehr.
Er werde das noch entscheiden, erklärte der Präsident und fügte hinzu: Klar sei, der Attentäter werde durch ein Erschießungskommando hingerichtet.
Die Ankündigung einer Live-Übertragung einer Hinrichtung hat in den USA bei vielen für Entsetzen gesorgt. Und für offensichtliches Unbehagen selbst in der eigenen Regierung. Vizepräsident JD Vance wiegelte ab, man müsse erstmal abwarten, ob das tatsächlich so komme. Und wenn, er werde sich eine Live-Übertragung nicht anschauen, so Vance.
Der ehemalige Militär-Psychiater Nidal Hasan hatte 2009 auf dem Militärstützpunkt Fort Hood in Texas 13 Menschen erschossen. Mehr als 30 wurden verletzt.
Hegseth macht Ankündigung bei rechtem Podcaster
Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte vor zwei Tagen einem rechten Podcaster gesagt, der 13-fache Mörder Nidal Hasan werde am 3. Dezember durch ein Erschießungskommando hingerichtet. Und Hegseth kündigte an: „Wir werden sicherstellen, dass die Öffentlichkeit das mitverfolgen kann. Die Menschen müssen verstehen, dass solche Taten schwerwiegende Konsequenzen haben.“
Die Hinrichtung des Attentäters wäre die erste Militärhinrichtung in den USA seit 65 Jahren. Es wäre die erste Militärhinrichtung durch ein Erschießungskommando seit dem Zweiten Weltkrieg – und die erste öffentliche seit fast einem Jahrhundert.
Es wäre mittelalterlich – das sei eines der Dinge, die die USA an Terrororganisationen verabscheuten, sagte der sichtlich geschockte demokratische Senator Chris Murphy auf CNN. Und fragte in Richtung Hegseth: „Was imitiert er da, Hinrichtungen der Terrormiliz Islamischer Staat?“
Vergleich mit militanten Islamisten
Auch Republikaner reagieren entsetzt. Der Abgeordnete Austin Scott schrieb auf X, er unterstütze die Todesstrafe für Hasan, aber Live-Übertragungen von Hinrichtungen – das sei etwas, was militante Islamisten täten. Amerika sei besser als das.
Der republikanische Senator John Curtis zog Parallelen zwischen Hegseths Ankündigung und dem Untergang des Römischen Reiches. Eine Zivilisation verfalle, wenn sie Hinrichtungen als Unterhaltungsform pflege, so Curtis.
Verstoß gegen internationales Recht
Neben moralischen Fragen stellen sich auch rechtliche. Darf eine Hinrichtung öffentlich gezeigt werden, wie könnte sichergestellt werden, dass Kinder das nicht sehen? Der Militär-Rechtsexperte von der Yale University, Eugene Fidell, betonte auf CBS, eine öffentliche Hinrichtung verstoße gegen internationales Recht.
Kritik kommt auch von Amnesty International und den Vereinten Nationen. Shabia Mantoo, Sprecherin des UN-Menschenrechtsbüros, erklärte, der Livestream einer Exekution sei gleichbedeutend mit einer öffentlichen Hinrichtung und würde gegen das Verbot von Folter verstoßen.
Die Diskussion über die mögliche Hinrichtung mit Live-Übertragung kommt wenige Tage nach der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike in Tennessee. Die verurteilte Mörderin bekam zwei Giftspritzen verabreicht – und überlebte. Sie liegt im Krankenhaus, kann inzwischen wieder gehen, ihre Arme kann sie laut ihren Anwälten nicht bewegen.
Ihre Anwälte appellieren an Tennessees Gouverneur, die Todesstrafe in lebenslange Haft umzuwandeln. Aber es ist weiter unklar, ob es einen neuen Hinrichtungsversuch geben soll.
30 Menschen in diesem Jahr in den USA hingerichtet
30 Menschen sind in den USA in diesem Jahr hingerichtet worden. Mehr als die Hälfte der Hinrichtungen, 16, fanden in Florida statt. Sieben Exekutionen gab es in Texas, drei in Oklahoma, zwei in Alabama und jeweils eine in Arizona und Tennessee.
Die letzte Hinrichtung fand vor drei Tagen statt. In Texas wurde ein verurteilter Mörder durch die Giftspritze getötet. Selten ist in den USA so viel über Hinrichtungen und Hinrichtungsmethoden diskutiert worden wie in den vergangenen Tagen.
Ob sich an der Haltung der Amerikaner dazu etwas ändert, bleibt abzuwarten. In letzten Umfragen war immer noch eine Mehrheit der Amerikaner für die Todesstrafe. Wobei es Unterschiede gibt: Jüngere Menschen und demokratische Anhänger lehnen Hinrichtungen deutlich mehr ab als ältere Amerikaner und Anhänger der Republikaner.

