Für den angeschlagenen Batteriehersteller Varta beginnt ein weiteres Insolvenzverfahren. Das Unternehmen bestätigte vier Insolvenzanträge. Jetzt droht die Zerschlagung.
Der deutsche Batteriehersteller Varta hat eigenen Angaben zufolge einen Antrag auf vorläufige Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Ziel dieses Schrittes sei es, die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens zu sichern und eine nachhaltige Fortführung des Geschäftsbetriebs zu ermöglichen.
Es geht insgesamt um vier Insolvenzanträge. Das bestätigte eine Sprecherin des Amtsgerichts Stuttgart. Nach Unternehmensangaben sind neben der Varta AG als Konzernmuttergesellschaft mit Sitz in Ellwangen (Baden-Württemberg) auch die operativen Einheiten Varta Microbattery GmbH, Varta Micro Production GmbH und Varta Storage GmbH von der Antragstellung betroffen.
Eigentümer wollen kein neues Kapital bereitstellen
Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hatte sich dieser Schritt bereits abgezeichnet. Demnach sind die bisherigen Eigentümer – der Sportwagenbauer Porsche und der österreichische Unternehmer Michael Tojner – nicht bereit, weiteres Kapital bereitzustellen.
Nach einem Gutachten der Sanierer von der Unternehmensberatung FTI hätte Varta nach Angaben der Gläubiger eine Finanzspritze im mittleren zweistelligen Millionenbereich gebraucht, um weiterzumachen. „Trotz intensiver Gespräche ist von keiner Seite eine Zusage zur Bereitstellung der erforderlichen zusätzlichen Finanzmittel eingegangen“, hatte ein Sprecher der Kreditgeber vergangenen Mittwoch erklärt.
Zerschlagung des Unternehmens droht
Am Donnerstag war bekannt geworden, dass wichtige Gläubiger den Konzern aufteilen wollen. Die sogenannte Ad-hoc-Gläubigergruppe um die Deutsche Bank sowie die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox plant, das profitable Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Varta-Konzern herauszulösen.
Die Gläubiger begründen ihr Vorgehen mit der angespannten Finanzlage. Eine finanzierbare Lösung für den gesamten Konzern sehen sie nach eigenen Angaben derzeit nicht.
Michael Tojner hat nach Reuters-Informationen Interesse am Geschäft mit Mikrobatterien angemeldet, etwa für Hörgeräte. Für die übrigen Unternehmensbereiche dürfte damit ein weiterer Sanierungsschritt notwendig werden.
Land will Arbeitsplätze sichern
Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut kündigte an, sich weiter für den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze einzusetzen. „Ich habe in den vergangenen Tagen und Wochen intensive Gespräche mit allen Beteiligten geführt und werde dies weiterhin tun“, teilte die CDU-Politikerin mit.
Ziel sei es, „möglichst viel industrielle Wertschöpfung, technologisches Know-how und möglichst viele Arbeitsplätze im Land zu erhalten“. Die Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens liege jedoch letztlich bei Eigentümern, Investoren und Gläubigern. Die drohende Zerschlagung sei keine gute Nachricht – „weder für die Beschäftigten noch für den Industriestandort Baden-Württemberg.“
Mehr als 3.000 Beschäftigte
Der Batteriehersteller mit Stammsitz im baden-württembergischen Ellwangen beschäftigt nach eigenen Angaben rund 3.260 Menschen. Das Unternehmen produziert neben Haushaltsbatterien unter anderem Mikrobatterien für Hörgeräte sowie Energiespeicher.
Geschäftszahlen veröffentlichte Varta zuletzt im Jahr 2024. Damals erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 793 Millionen Euro und einen Verlust von fast 65 Millionen Euro.
Sanierung sollte Insolvenz vermeiden
2024 hatte sich Varta im Rahmen des Restrukturierungsgesetzes (StaRUG) neu aufgestellt, um eine Insolvenz abzuwenden. Altaktionäre verloren dabei ihre Beteiligungen, Gläubiger verzichteten auf einen Teil ihrer Forderungen. Anfang April vergangenen Jahres erklärte Varta die Restrukturierung für abgeschlossen und sah sich wieder auf Kurs.
Doch die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich erneut. Ein Werk mit rund 350 Mitarbeitern im bayerischen Nördlingen soll noch im Herbst geschlossen werden.
Varta hatte im Frühjahr seinen wichtigsten Kunden verloren: Apple will die wiederaufladbaren Knopfzellen für seine „AirPods“-Kopfhörer künftig aus China beziehen.
