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Besondere Aufgaben in Krisenzone: Yuliia wurde in der Ukraine zur „Kriegsköchin“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 31, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Besondere Aufgaben in KrisenzoneYuliia wurde in der Ukraine zur „Kriegsköchin“

30.05.2026, 15:18 Uhr Von Andrea Affaticati, Mailand
2 Seeds Ukraine ©World Central KitchenWCK.org
Yuliias Aufgabe bei WCK ist es, Menüs zusammenzustellen, die viele Nährstoffe enthalten. (Foto: World Central Kitchen)

Als Russland die Ukraine überfällt, lebt Yuliia in Italien. Mit dem Angriffskrieg gegen ihre Heimat will sie schnell zurückkehren. Diesen Wunsch kann sie in die Tat umsetzen, als sie den Zuschlag für einen ganz besonderen Job erhält.

Yuliia kochte schon als Kind leidenschaftlich gerne. So gerne, dass Kochen zu ihrem Beruf wurde. Beziehungsweise zu mehr als einem Beruf, wie sie hervorhebt. Sie kann damit Menschen helfen, sich nützlich machen, und das ist ihr sehr wichtig. Als Russland ihr Land angriff, Yuliia ist Ukrainerin, befand sie sich gerade in Italien, wo sie seit einigen Jahren arbeitete und sich fortbildete. Der Angriffskrieg machte ihren schon seit längerem gehegten Wunsch, nach Hause zurückzukehren noch dringlicher. „Ich denke es gibt nichts Besseres, als sein Wissen und Können, seine Erfahrung und Leidenschaft für die Menschen und das eigene Land einzusetzen“, sagt sie ntv.de. Beziehungsweise schreibt sie.

Als ntv.de den Kontakt zu Yuliia Tymoshenko, so heißt sie mit vollem Namen, aufnimmt, ist sie gerade in der Ukraine Richtung Grenzgebiete unterwegs. Da auf die Internetverbindung kein Verlass ist, entscheiden wir uns für den geschriebenen Austausch. Yuliia führt den ukrainischen Ableger des Hilfswerk World Central Kitchen. Diese NGO wurde 2010 von José Andrés, einem gebürtigen Spanier, heute mit US-Pass, gegründet. International hatte sich José schon seit Jahren einen Ruf als Sternekoch und Gastronom gemacht. In den Vereinigten Staaten besitzt er außerdem zahlreiche Restaurants und ist nebenbei auch Kochbuchautor.

Es war das schwere Erdbeben am 12. Januar 2010 in Haiti, das seinen Lebenslauf umkrempelte. Die Bilder, die er im Fernsehen sah, die Toten, die Menschen, die verletzt und verstört herumirrten, hatten ihn zutiefst getroffen. 300.000 Menschen waren gestorben, an die zwei Millionen waren obdachlos. Andrés beschloss zu helfen, aber nicht mit einer Spende, sondern vor Ort.

Statt Spenden, helfen hier und jetzt

Er selbst erzählt, wann immer gefragt wird: „Eigentlich war es eine ganz einfache Idee, die alles ins Laufen gebracht hat. Zu Hause mit meiner Frau Patricia kamen wir zum Schluss: ‚Wo Hunger ist, schicke ich Köche, und zwar nicht morgen, sondern jetzt, sofort‘.“ Gesagt, getan, machte er sich auf den Weg.

Mittlerweile erstreckt sich das WCK-Netzwerk auf 23 Länder. Zu den Merkmalen dieses Hilfswerk gehört, dass, richtige Mahlzeiten statt Esspakete verteilt werden, wann immer es geht. Mahlzeiten, die von lokalen Restaurants, Küchen, Köchinnen und Köche, die sich dazu bereit erklärt haben, gekocht werden. Im Jahresbericht 2025 von WCK steht, dass die NGO mittlerweile weltweit 130 Millionen Mahlzeiten im Jahr austeilt. Was die Finanzierung betrifft, kann die Organisation auf über 900 Unterstützer zählen.

WCK-Einrichtungen findet man, wo immer es Notzustände gibt. Womit nicht nur Konflikte gemeint sind, sondern auch Naturkatastrophen. Manche Einsätze oder bestimmte Regionen bergen aber auch Risiken, wie etwa der Gazastreifen. Das Hilfswerk setzt sich seit 2005 vor Ort ein. Die WCK war die erste Organisation, die im März 2024 von Israels Regierung die Erlaubnis bekam, 200 Tonnen Nahrungsmittel nach Gaza zu bringen. Während der Auslieferung Anfang April wurden infolge eines Luftangriffs sieben Mitarbeiter der Organisation getötet.

Saatgut und Hühner für die Selbstständigkeit

Zurück zu Yuliia. Nachdem sie an der Universität in Kiew Lebensmitteltechnologie studiert hatte, machte sie sich auf nach Italien. Dort arbeitete sie im Gastrogewebe und bildete sich im Bereich Lebensmittelsicherheit weiter. „Ich bin nämlich der Meinung, dass Nahrung nicht nur satt machen und für ein emotionales Wohlgefühl sorgen soll, sondern auch für die Zuführung von wirklichen Nährwerten zuständig ist, also zur Gesundheit beiträgt“, hebt sie hervor.

„Und dann kam der Wink“, erzählt sie. Ein Freund hatte ihr das Antragsformular für einen freistehenden Führungsposten bei der WCK in der Ukraine geschickt. Seiner Meinung nach war Yuliia mit ihrer Erfahrung genau die Richtige für die Stelle. „Als mir nach mehreren Interviews mitgeteilt wurde, dass ich den Posten hatte, war ich überglücklich“, erinnert sie sich. „Und das nicht nur, weil ich zurück nach Hause konnte, sondern weil ich in einem Moment, in dem Unterstützung dringend nötig war, zur Stelle war.“ In ihren Augen ist es eine Art glückliche Fügung, die ihr das ermöglichte.

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Die Standorte von WCK verteilen sich über die gesamte Ukraine. (Foto: World Central Kitchen)

WCK ist seit dem russischen Angriff in der Ukraine tätig und hält bis heute an dem damaligen Versprechen fest: „Wir stehen an der Seite der ukrainischen Bevölkerung.“ Seit Februar 2022 wurden zusammen mit den über 700 lokalen Partnern insgesamt an die 58,4 Millionen warme Mahlzeiten und über 11,4 Millionen Nahrungspakete zubereitet und verteilt. Man stellte sich an etlichen Orten auf: an Bahnhöfen, Grenzübergängen, in zurückeroberten Städten sowie in Gegenden, die noch unter Beschuss stehen. Gleichzeitig wurden Gemeinschaftsküchen errichtet, die es vertriebenen Familien ermöglichen, für sich selbst zu kochen. Zudem werden vor allem auf dem Land Saatgut und Hühner verteilt, damit sich die Menschen dort wieder selbst versorgen können.

„Längere Tische, statt höhere Mauern“

Yuliias Aufgabe ist es, Menüs zusammenzustellen, die den Anforderungen einer gesunden Ernährung entsprechen. Außerdem muss sie dafür sorgen, dass die geltenden Lebensmittel-, Sicherheits- und Qualitätsstandards eingehalten werden. Aus diesem Grund reist sie viel, um sich vor Ort selbst ein Bild von der Lage zu machen.

Die Welt brauche „längere Tische, statt höhere Mauern,“ lautet eine der Lebensweisheiten von Andrés. Mit dem früheren US-Präsidenten Barack Obama verstand er sich gut, mit dem jetzigen Bewohner des Weißen Haus ist die Beziehung eher schwierig. Nicht zuletzt, weil Andrés keiner ist, der ein Blatt vor den Mund nimmt, auch nicht wenn es sich um Donald Trump handelt. Und so heißt es, seine öffentlich ausgesprochene Kritik während Trumps erster Präsidentschaft habe ihm einen sehr lukrativen Auftrag gekostet.

Doch um Finanzen dürfte es Andrés nicht in erster Linie gehen. Ein Antrag, den die ehemalige Sprecherin des US-Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi gestellt hat, dürfte weitaus wichtiger sein: ihn und die WCK für den Friedensnobelpreis zu nominieren.

Quelle: ntv.de

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