Die Striche gehören beim untersuchten Beispiel zum geschriebenen Beitrag. Wir haben den aus X kopierten Text geprüft und darin viele kleine Zusatzzeichen gefunden, die weit über eine normale Textzeile hinausragen können. Ein weiterer Screenshot zeigt, wie Nutzer den Effekt weitergeben: Auf die Frage nach den Zeichen folgt eine ausdrückliche Aufforderung zum Kopieren und Einfügen.
Mimikama hat den Effekt am 23. Oktober 2026 mehrfach bei Beiträgen über Israel und Palästina beobachtet und Screenshots gemacht. Andere Nutzer vermuten deshalb eine Markierung israelkritischer Beiträge durch X. Unsere Prüfung erklärt die Darstellung und liefert Hinweise auf Nachahmung. Eine vollständige Erklärung für die Häufung bei diesem Thema haben wir bisher nicht.
Warum aus Schriftzeichen lange blaue Striche werden
Zusätzliche Zeichen können über oder unter einem Buchstaben stehen. Ein vertrautes Beispiel ist der kleine Strich über dem é. Werden sehr viele solcher Zeichen an dieselbe Stelle gesetzt, können sie sich weit nach oben und unten ausdehnen. So entsteht die verzerrte Schrift, die Zalgo-Text heißt. Der Schriftstandard Unicode beschreibt das Zusammenfügen und Stapeln solcher Zeichen.
Beim untersuchten blauen Beispiel folgen die Zusatzzeichen auf ein #. X behandelt diese Folge als Hashtag – so heißen normalerweise Schlagwörter wie #Wien. Für genau diesen Textteil ist im kopierten HTML Blau festgelegt. Das erklärt die Farbe; ob die weit herausragenden Striche selbst auf einen Klick reagieren, ist eine andere Frage. X erläutert die gewöhnliche Hashtag-Funktion in seiner Hilfe.
Auch schwarzer Text kann diesen Effekt haben, wie ein weiterer Screenshot zeigt. Je nach Schrift und Anzeige können die Zeichen unterschiedlich aussehen. Das erläutert auch die Unicode-FAQ. Ragen sie aus ihrem Beitrag hinaus, können sie über einem benachbarten Beitrag stehen und den Eindruck erwecken, dass auch dieser markiert sei.
Warum wir den Effekt bei mehreren Israel-Beiträgen sehen
Ein Screenshot aus der Diskussion zeigt einen konkreten Weg der Verbreitung. Ein Nutzer fragt auf Englisch: „Welche Zeichen verwendest du für diesen Effekt?“ Darunter antwortet jemand „Just copy and paste this“, also: „Kopiere das einfach und füge es ein.“ In der Antwort steht eine entsprechende Zeichenfolge. Hier wird der Effekt ausdrücklich zum Übernehmen angeboten.
Innerhalb einer Diskussion kann so derselbe auffällige Text immer wieder auftauchen. Das ist eine nachvollziehbare Erklärung für eine Häufung bei Beiträgen zum selben Thema. Solche Texte lassen sich auch mit Programmen herstellen und kopieren, etwa mit dem Zalgo-Textgenerator von LingoJam. Der Screenshot erklärt aber weder den Ursprung sämtlicher betroffener Beiträge noch die Motive aller beteiligten Konten.
Bei unserem eigenen Versuch blieb der normal geschriebene Satz „Free Palestine“ ohne solche Striche. Bei diesem Versuch hat der politische Inhalt allein den Effekt also nicht ausgelöst. Das ist ein einzelner Vergleich, keine Untersuchung aller Beiträge auf X.

Dass man mehrere ähnliche Beiträge zu sehen bekommt, kann zusätzlich mit der persönlichen Auswahl im „Für dich“-Feed zusammenhängen. Laut X selbst berücksichtigt diese Auswahl unter anderem eigene Reaktionen und Aktivitäten aus dem Netzwerk. Wie stark das bei unserer Beobachtung mitgewirkt hat, können wir nicht bestimmen.
Was offenbleibt
Unsere Beispiele zeigen eine Häufung bei diesem Thema. Sie belegen nicht, dass die Zeichen ausschließlich bei israelkritischen Beiträgen vorkommen. Für eine organisierte Bot-Aktion haben wir ebenso wenig einen Nachweis wie für die Behauptung, die Zeichen würden automatisch mehr Reichweite bringen oder Inhaltskontrollen umgehen. Solche Vermutungen sollten deshalb nicht als Erklärung ausgegeben werden. Nachweisbar sind die Schriftzeichen im geprüften Beitrag und die dokumentierte Aufforderung, diesen Effekt selbst zu übernehmen.
LingoJam
Ohne Datumsangabe
Unicode Consortium
Ohne Datumsangabe
X Help Center
Ohne Datumsangabe
X Help Center
Ohne Datumsangabe
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
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(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
