Nordkoreas Staatsmedien veröffentlichten am 20. Oktober Aufnahmen, die Kim Jong-un beim Besuch einer Bekleidungs- und Schuhausstellung zeigen. Zuvor hatten sich auf X Behauptungen verbreitet, er sei nach einer Hirnblutung in Peking gestorben. Für diese Todesmeldung wurden keine überprüfbaren Belege vorgelegt; südkoreanische Stellen hatten laut Yonhap keine Informationen, die sie stützen.
In den uns vorliegenden Beiträgen bleibt es nicht bei der Behauptung eines Todesfalls. Dort ist auch von einem geheimen Rücktransport der Leiche die Rede. Weitere Meldungen behaupten eine Machtübernahme durch Kims Schwester oder chinesische Truppen zur Absicherung einer Nachfolge. Dazu kommen vermeintliche Krankenhaus- und Sargbilder sowie die Behauptung, nordkoreanische Staatsmedien hätten den Tod bereits bestätigt.
Die Geschichte geht auf unbelegte Social-Media-Beiträge zurück
Yonhap führt die Todesgerüchte auf Beiträge des in den USA lebenden chinesischen Dissidenten Wanjun Xie zurück. Er behauptete, Kim sei nach einer schweren Hirnblutung zur Behandlung nach Peking gebracht worden und dort gestorben. Seine Leiche sei anschließend heimlich nach Nordkorea zurücktransportiert worden. Belege für diese Darstellung legte er laut der Nachrichtenagentur nicht vor.
Die Korea Herald berichtet ebenfalls von fehlenden medizinischen Unterlagen und unabhängig überprüfbaren Zeugenaussagen. Auch die Behauptung, China habe Tausende Soldaten entsandt, um eine Nachfolge durch Kims Tochter abzusichern, blieb demnach unbelegt. Dass internationale Medien über diese Gerüchte berichteten, macht daraus keine unabhängige Bestätigung eines Todesfalls oder eines Machtwechsels.
Was Nordkoreas Staatsmedien tatsächlich berichteten
Die überprüften Berichte von Yonhap und SBS News beschreiben eine Meldung der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA über einen Ausstellungsbesuch am 19. Oktober. Das veröffentlichte Bildmaterial zeigt Kim mit seiner Frau Ri Sol-ju und seiner Tochter Ju-ae. Auf einer Aufnahme betrachtet er Kinderschuhe, die seine Tochter hochhält.
Die BBC-Korrespondentin Laura Bicker verweist außerdem darauf, dass zusätzliche Hinweise aus dem Umfeld Nordkoreas ausgeblieben seien. Sie nennt etwa mögliche Veränderungen an der chinesischen Grenze und Informationen über Kontakte nordkoreanischer Geflüchteter. Solche Beobachtungen wären denkbare Hinweise auf eine Krise; ihr Ausbleiben ist für sich allein kein Beweis für Kims Gesundheitszustand. Sowohl BBC als auch Korea Herald halten fest, dass sich der genaue Aufnahmezeitpunkt der neuen Fotos nicht unabhängig bestätigen lässt.
Eine der übermittelten Veröffentlichungen behauptet ausdrücklich, nordkoreanische Staatsmedien meldeten Kims Tod selbst. Als angeblicher Beleg wird dabei ein Beitrag des X-Accounts „North Korean tv“ gezeigt. Der Accountname allein weist keine Verbindung zum staatlichen Fernsehen nach. Eine überprüfbare Originalsendung, die die behauptete Todesnachricht bestätigt, liegt uns dazu nicht vor.
Die Bilder liefern keinen verlässlichen Beleg für den Todesfall
Die Beiträge zeigen eine Person, die Kim Jong-un darstellen soll, im Krankenbett oder aufgebahrt in einem offenen Sarg. Eine unabhängig bestätigte Herkunft dieser Darstellungen konnten wir nicht feststellen. Beim Beitrag mit dem Sargbild ist zudem die Kennzeichnung „Kommentar-Account“ sichtbar; der Profilname „US Homeland Security News“ macht ihn nicht zu einer amtlichen Quelle.
Zu beiden Motiven liegen uns Hive-Analysen vor: Das Krankenbettbild und das Sargbild werden jeweils mit 99,9 Prozent als wahrscheinlich KI-generiert eingestuft. Die beiden Auswertungen sind hier abgebildet. Sie sind ein starker Hinweis auf künstliche Erzeugung, ersetzen aber keinen unabhängig überprüften Nachweis darüber, wer die Dateien mit welchem Programm hergestellt hat.
Hive bezeichnet die Zahlen als Konfidenzwerte: Sie zeigen, wie sicher das Modell bei seiner Einstufung ist. Wir haben die übermittelten Analyse-Screenshots ausgewertet und keinen zusätzlichen eigenen Hive-Test durchgeführt. Die Bilder sind damit kein belastbarer dokumentarischer Nachweis für einen Krankenhausaufenthalt oder Kims Tod.
Website-Ausfälle belegen keine Vertuschung
Die Asia Business Daily berichtete tatsächlich über Ausfälle nordkoreanischer Websites am 20. und 21. Oktober. Ein Zusammenhang mit den Todesgerüchten war laut dem Bericht jedoch nicht bestätigt. Die Behauptung, Nordkorea habe die Angebote abgeschaltet, um die Nachricht von Kims Tod zu unterdrücken, ist daher nicht belegt.
Stand: 23. Oktober 2026. Das Urteil „Falsch“ bezieht sich auf die Behauptung, die verbreiteten Beiträge zeigten eine offizielle Bestätigung von Kims Tod. Ein bestätigter Todesfall lässt sich daraus nicht ableiten. Die weiteren Behauptungen über einen geheimen Leichentransport und einen Machtwechsel bleiben unbelegt; die technische Herkunft der Bilder ist mit den Detektor-Ergebnissen allein nicht abschließend nachgewiesen.
The Asia Business Daily
21. Oktober 2026, aktualisiert am 22. Oktober 2026
The Korea Herald
21. Oktober 2026
Yonhap News Agency
20. Oktober 2026
BBC News – Laura Bicker
Ohne Datumsangabe
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
