Entscheidet letztlich Trump?
Fahrer zweifeln – aber die Formel 1 hält eisern am Golf-Finale fest
Am Persischen Golf herrscht Krieg, die Formel 1 hält aber weiter unbeirrt an ihrem Rennkalender mit dem Saisonfinale in Katar und Abu Dhabi fest. Nur: Wie lange noch?
Trotz des Krieges am Persischen Golf geht der Automobil-Weltverband FIA um Präsident Mohammed Ben Sulayem weiter davon aus, dass die letzten beiden Rennen der Formel-1-Saison wie geplant in Katar (27. bis 29. November) und Abu Dhabi 4. bis 6. Dezember) stattfinden.
Die Fahrer haben dagegen Zweifel. „Die Verantwortlichen scheinen sehr überzeugt davon zu sein, dass die Rennen wie geplant stattfinden werden. Mir fällt es momentan schwer, ebenso überzeugt zu sein. Im Nahen Osten passieren nach wie vor viele Dinge“, sagte Williams-Pilot Carlos Sainz vor dem Großen Preis der USA in Austin (Sonntag, 21 MEZ/Sky und im ntv.de-Liveticker): „Die Welt kann sich innerhalb des nächsten Monats oder der nächsten sechs Wochen stark verändern.“
Die Macher der Formel 1 müssten die Lage aufmerksam beobachten und auf Entwicklungen reagieren, „statt nur deshalb an den Plänen festzuhalten, weil wir die Rennen zum jetzigen Zeitpunkt unbedingt austragen wollen“, forderte der 32-jährige Spanier. Zugleich müsse man auf das Urteilsvermögen der Formel 1 und der FIA vertrauen.
Die Zweifel der Piloten sind mehr als angebracht. Zwar fliegen die USA und Israel derzeit keine Angriffe mehr auf die Islamische Republik Iran. Der Krieg am Golf ist aber mitnichten eingefroren, sondern äußert sich zurzeit vor allem in Angriffen zwischen der von Iran unterstützten Huthi-Miliz im Jemen und den arabischen Golfstaaten, die mit den USA verbündet sind, allen voran Saudi-Arabien.
Erst vor zwei Wochen kamen bei einem Angriff auf den internationalen Flughafen von Riad zwölf Menschen ums Leben. Das Königreich hat aufgrund der Huthi-Attacken mehrere Sportevents bereits gestrichen, darunter das Six Slam Kings, an dem auch Deutschlands Tennis-Star Alexander Zverev hätte teilnehmen sollen. Ben Sulayem äußerte sich in Austin dennoch optimistisch, dass die Formel-1-Rennen in der Region planmäßig über die Bühne gehen.
Nimmt Trump der Formel 1 ihre Entscheidung ab?
Allerdings könnten die USA nach den Midterms am 3. November wieder aktiv in den Krieg eingreifen. Zuletzt beorderte Präsident Donald Trump einen dritten Flugzeugträger in den Nahen Osten, die „New York Times“ berichtet, dass die Regierung in Washington den Abzugs ihres Botschaftspersonals in Saudi-Arabien und weiteren arabischen Golfstaaten vorbereitet. Die USA und Israel hatten den Krieg Ende Februar mit massiven Luftangriffen ausgelöst. Eine im April unter pakistanischer Vermittlung ausgehandelte Waffenruhe hielt nicht lange.
Während Iran die für den internationalen (Öl-)Handel wichtige Straße von Hormuz faktisch gesperrt hat, setzen die USA eine umfassende Marine-Blockade iranischer Häfen durch und setzen das Regime in Teheran damit zusätzlich zu einem umfangreichen Sanktionspaket enorm unter Druck. Die iranische Regierung nutzt unterdessen ihre Stellvertreter – vor allem die Huthis – zu Angriffen auf US-Basen und US-Verbündete.
Sollten die Angriffe rund um den Golf wieder zunehmen, auch mit US-israelischer Beteiligung, und die Sicherheit der F1-Rennen nicht vollends gewährleistet sein, dürfte die Formel 1 ihr Finale absagen. Die Serie hatte im Frühjahr schon den saudischen Grand Prix gestrichen, das Rennen in Bahrain wurde in Malaysia ausgetragen. Noch schafft die Formel 1 keine Fakten, weil bei einer Absage Einnahmen in Höhe von rund 160 Millionen Euro futsch wären. Ein Alternativplan steht aber längst: Werden die Golf-Grands-Prix abgesagt, findet das Finale in Imola statt.
Auch ein abschließender Grand Prix in der Emilia-Romagna ist jedoch nicht ohne. „Wenn wir in Imola fahren, müssen wir vielleicht die Schneepflüge herausholen“, sagte McLaren-Pilot Oscar Piastri: „Hoffentlich liegen die Temperaturen dort wenigstens über dem Gefrierpunkt – mehr verlange ich gar nicht.“ Sainz ergänzte: „Dann frieren wir uns eben in Imola den Hintern ab und beenden das Jahr bei eisigen Temperaturen.“
Verwendete Quellen: ntv.de, mar
