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Branche kontert „Abzock“-Vorwurf: Ohne den Staat ist Diesel in Deutschland billiger als in allen Nachbarländern

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 11, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Branche kontert „Abzock“-VorwurfOhne den Staat ist Diesel in Deutschland billiger als in allen Nachbarländern

11.09.2026, 15:36 Uhr

Von Max Borowski

Die Preise an den Tankstellen in Deutschland sind im europäischen Vergleich hoch. Das ist allerdings hauptsächlich auf Steuern und Kosten für Regulierung zurückzuführen. Einer Studie zufolge gehören die Preise hierzulande abzüglich des Aufwands für die CO2-Reduzierung sogar zu den günstigen.

Die Spritpreise an den Tankstellen ziehen wieder an und mit ihnen die Diskussion um mögliche staatliche Maßnahmen, die diese Entwicklung verhindern oder eindämmen können. Forderungen nach staatlichen Eingriffen reichen inzwischen von einer Übergewinnsteuer über Verschärfungen des Wettbewerbsrechts bis hin zu behördlich festgelegten Verkaufspreisen. Hinter all diesen Ideen steht die Vorstellung, dass die Mineralölkonzerne in Deutschland besonders hohe Preise verlangen – die deutschen Autofahrer also angeblich abzocken.

Der Verband der Kraftstoff-Branche, en2x, tritt dieser Argumentation mit neuen Zahlen aus einer Studie des Wirtschaftsinstituts Frontier Economics entgegen. Diese zeigen, zieht man nicht nur die Steuern, sondern auch andere durch Regulierung verursachte Kosten wie die CO2-Bepreisung ab, dass Benzin und Diesel in Deutschland sogar besonders günstig sind im Vergleich zu den Nachbarländern. Erst durch die nationalen Steuern und Regeln wird der Kraftstoff an deutschen Tankstellen besonders teuer.

Für den Vergleich zogen die Experten die Preise in Deutschlands Nachbarländern sowie Italien und Spanien heran. In diesen Ländern war der Verkaufspreis an den Tankstellen mit durchschnittlich 1,70 Euro für Diesel und 1,80 für Benzin in den Wochen vor Beginn des Iran-Kriegs der dritthöchste. In Dänemark und den Niederlanden mussten die Verbraucher noch mehr bezahlen.

Im Vergleichszeitraum Mai bis August 2026 lagen die Preise in allen Ländern deutlich höher. Mit durchschnittlich 2,06 Euro für Benzin lagen deutsche Tankstellen weiter auf dem dritten Rang, bei Diesel mit 2,01 im Mittelfeld der Vergleichsgruppe. Verzerrt wird der Vergleich durch staatliche Eingriffe. In Deutschland senkte die Bundesregierung zeitweise die Energiesteuer. Andere Länder ergriffen ähnliche Maßnahmen, allerdings in unterschiedlicher Höhe und zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Einen besseren Vergleich lassen die Nettopreise zu. Ohne Steuern und CO2-Preis lagen die deutschen Tankstellenpreise im Zeitraum von Mai bis August mit 1,13 Euro für Diesel auf Platz vier der Vergleichsländer und mit 99 Cent für Benzin auf Platz fünf und damit im Mittelfeld.

Eine EU-Richtlinie, unterschiedliche Kosten

Die Studie geht allerdings noch einen Schritt weiter und berechnet die Kosten für die von Land zu Land höchst unterschiedliche Umsetzung der RED-Richtlinie der EU zur Förderung von erneuerbaren Energien. Deutschland hat hierbei den Autoren zufolge besonders ehrgeizige Ziele gesetzt und verlangt auch besonders hohe Strafzahlungen für Kraftstoffanbieter, die Zielmarken für die Beimischung von Biokraftstoffen und die Reduzierungen von Treibhausgasemissionen verfehlen.

Die Studie schätzt die Kosten, die dadurch entstehen, in Deutschland auf 18 Cent pro Liter Diesel und 17 Cent pro Liter Benzin. Nur für die Niederlande kommen die Autoren auf einen noch etwas höheren Wert. In allen anderen betrachteten Ländern liegt der Aufwand demzufolge bei gerade einmal drei bis höchsten neun Cent pro Liter.

Zieht man auch diese Kosten ab, bleiben von den durchschnittlichen deutschen Brutto-Tankstellenpreisen in den vergangenen Monaten gerade noch einmal 95 Cent pro Liter Diesel und 82 Cent pro Liter Benzin übrig. Beim Diesel ist das der niedrigste Preis aller Vergleichsländer, bei Benzin der zweitniedrigste.

Warum diese von den Autoren als „Residualpreise“ bezeichneten Preise zuletzt in allen Ländern stark gestiegen sind, ist nicht Gegenstand der Studie. Sie legt aber nahe, dass das Narrativ einer „Abzocke“ besonders von deutschen Autofahrern durch die Mineralölbranche nicht haltbar ist, und dass staatlich festgelegte Höchstpreise etwa nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens keine Entlastung bringen würde. Denn dort dürfen die Anbieter sogar höhere Residualpreise verlangen als in Deutschland.

Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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