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Chance seines Lebens: „Der Druck auf Alexander Zverev ist immens“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 7, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Chance seines Lebens„Der Druck auf Alexander Zverev ist immens“

Alexander Zverev steht einen Schritt vor seinem Sehnsuchtsziel: Nur ein Sieg fehlt dem Tennisprofi zum ersten Grand-Slam-Sieg seines Lebens. Der Druck liegt voll auf den Schultern des Deutschen.

Es ist wohl die Chance seines Lebens: Am Sonntag (15 Uhr/Nitro und im Liveticker auf ntv.de) greift Alexander Zverev nach dem Triumph bei den French Open. Gewinnt Deutschlands bester Tennisspieler das Finale gegen den Italiener Flavio Cobolli, ist er zum ersten Mal Grand-Slam-Champion. Mit Carlos Alcaraz hatte ein Favorit bereits vor dem Turnier verletzt abgesagt, dann kollabierte mit Jannik Sinner der zweite als unschlagbar geltende Jungstar: Der Italiener brach von der Hitze zermürbt gegen Juan Manuel Cerundolo nach Zweisatz-Führung zusammen und schied aus.

Seitdem pflügt Alexander Zverev durchs Turnier, scheinbar unaufhaltsam. Der 29-Jährige würde mit einem weiteren Sieg endlich sein Sehnsuchtsziel erreichen. Und die Chancen sind so groß wie vielleicht nie wieder.

„Tennis besteht aus Grand Slams. Grand Slams sind Tennis-Geschichte. Dafür spielst du“, sagte Zverev schon 2023 bei den French Open. „Ich denke, die beiden wichtigsten Dinge im Tennis sind Grand Slams und Olympia.“ Olympiasieger ist Zverev seit 2021, dem Grand-Slam-Erfolg jagt er seit inzwischen mehr als zehn Jahren hinterher.

Gegen Cobolli ist Zverev nun in seinem vierten Grand-Slam-Finale erstmals der große Favorit, zuletzt hatte er den Weltranglisten 14. Ende April in Madrid 6:1, 6:4 zerlegt. „Ich will meine Karriere sicher nicht als der beste Spieler beenden, der nie einen Grand-Slam gewonnen hat“, hatte Zverev im Januar 2025 auf dem Center Court von Melbourne verkündet, nachdem er zuvor von Jannik Sinner im Finale der Australian Open schwer geschlagen worden war.

„Druck ist immens“

„Der Druck ist natürlich immens. Alle sagen, das wird ja eigentlich das leichteste Grand Slam zu gewinnen sein. Aber nein, es ist unglaublich schwer“, sagt Philipp Kohlschreiber, ehemaliger Top20-Spieler zu ntv/RTL. „Es ist die Chance seines Lebens. Er konzentriert sich auf sich und das ist auch das, was er kontrollieren kann. Er kann nicht kontrollieren, gegen wen er spielt. Er kann das Wetter nicht kontrollieren. Er ist ganz klar voll fokussiert und hat das Ziel, Grand-Slam-Champion zu werden.“

Kohlschreiber betont die Rolle von Zverevs Umfeld auf dem Weg zum ersehnten Titel: „Wie er mit dem Druck umgeht. Sensationell. Er blendet alles aus. Kein Social Media. Und ich glaube, auch sein Team um ihn herum macht da auch einen sehr guten Job.“

40 Mal hat der Deutsche zuvor den Anlauf auf einen Grand-Slam-Titel genommen. 2020 bei den US Open fehlten ihm im Match gegen seinen österreichischen Kumpel Dominic Thiem zwei Punkte zum Sieg (6:2, 6:4, 4:6, 3:6, 6:7). 2024 in Paris musste er sich im Fünfsatz-Krimi Alcaraz (3:6, 6:2, 7:5, 1:6 und 2:6) geschlagen geben. Und im Vorjahr war er bei den Australian Open gegen Sinner chancenlos (3:6, 6:7 (4:7), 3:6) .

Boris Becker, der 1996 in Australien als letzter deutscher Mann ein Grand-Slam-Turnier gewann, lobt den Hamburger: „Seit der Niederlage von Jannik Sinner redet jeder davon, dass Alexander Zverev nun der Favorit ist“, sagte das Tennis-Idol: „Er geht damit hervorragend um, denn der Druck liegt bei ihm, egal, was er sagt.“ Der Weltranglistendritte präsentiert sich in Roland Garros bislang weitestgehend unangreifbar, auch im Halbfinale gegen den Senkrechtstarter Jakub Mensik gab er zwar einen Satz ab (7:5, 6:2, 3:6, 6:3), ließ aber keinerlei Zweifel daran, am Ende des Matches der erste Finalteilnehmer zu sein.

„Beschissenste Gefühl der Welt“

Zverev ist gefangen und wird dazu zerrieben zwischen zwei großen Generationen: Über Jahrzehnte spielten die „Big Four“ Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic und Andy Murray die Grand-Slam-Triumphe unter sich aus.

Doch als sich die Übermacht der vielleicht größten Spieler, die das Tennis je gesehen hat, langsam auflöste, schlug nicht die Zeit von Zverev – sondern die nächste Generation übernahm: Jannik Sinner (24 Jahre) und Carlos Alcaraz (23 Jahre) pflügen beinahe noch gnadenloser durch den Turnierkalender. Und schenken den Tennisfans einige der legendärsten Schlachten des dritten Jahrtausends. Unvergessen das Fünf-Stunden-Drama von Roland Garros 2025, als Alcaraz Sinner nach 0:2 in Sätzen noch niederringen konnte.

Die letzten neun Grand-Slam-Siege spielten die beiden Unbesiegbaren untereinander aus. Gut möglich, dass es bei den nächsten neun wieder so sein wird. Doch diesmal nicht, diesmal ist es anders. „Ein Grand-Slam-Finale zu verlieren, ist das beschissenste Gefühl, das es auf der Welt gibt“, hatte Zverev im Januar 2025 den Tränen nahe nach der Endspiel-Niederlage von Melbourne gegen Sinner verkündet. Dieses Gefühl kann er sich nun ersparen.

Quelle: ntv.de, ter/sid

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