Erstmals seit sieben Jahren besucht Chinas Staatschef Xi Nordkorea. Offiziell soll der Beistandsvertrag zwischen beiden Ländern gewürdigt werden. Aber es dürfte beiden auch um Signale gehen.
Martialische Musik untermalt die ersten Bilder von Xi Jinpings Staatsbesuch in Nordkorea. Der Jumbo-Jet des chinesischen Präsidenten landet auf dem Flughafen von Pjöngjang, erstmals seit sieben Jahren. Die nordkoreanische Hauptstadt ist festlich geschmückt. Entlang der großen Straßen wehen Flaggen beider Länder, Porträts von Xi, Banner in chinesischer und koreanischer Sprache.
Kim Jong Un will ein guter Gastgeber sein. Für Nordkoreas Machthaber sei der Besuch von Xi, einem der mächtigsten Staatsmänner der Welt, extrem wichtig und ein „enormer Erfolg“, erklärt John Delury, Experte der Asia Society im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters : „Kim Jong Un kann das innenpolitisch für Propagandazwecke nutzen und zeigen: ‚Wir sind eine Atommacht und haben Freunde an der Spitze der Weltpolitik.'“ Kim habe bereits eine enge Beziehung zu Russlands Präsident Wladimir Putin. Wenn nun auch Xi Jinping komme, „unterstreicht das zusätzlich seine Stärke“.
Wie der Besuch offiziell begründet wird
Allein um seinem sozialistischen Freund Kim eine Freude zu machen, kommt Xi nicht nach Nordkorea. Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums formulierte die Absichten vor der Abreise Xis so: Anlässlich des 65. Jahrestags der Unterzeichnung des Freundschafts-, Beistands- und Kooperationsvertrags zwischen beiden Ländern sollten die Beziehungen weiterentwickelt und auf eine neue Stufe gehoben werden – zum Wohlergehen der Menschen in beiden Ländern und zur Förderung von Frieden und Stabilität weltweit.
Xi selbst betonte vor seinem Besuch die „unerschütterliche Freundschaft“ beider Länder. In einem Leitartikel in einer nordkoreanischen Zeitung sprach er von „neuen Entwicklungschancen“ für die zwei Nachbarländer.
Damit ist laut Beobachtern vor allem eine intensivere wirtschaftliche Zusammenarbeit gemeint. Nordkorea steht am Beginn eines Fünfjahresplans, der unter anderem eine Wiederbelebung des Tourismus vorsieht. Vor der pandemiebedingten Grenzschließung Anfang 2020 kamen hauptsächlich chinesische Urlauber in das Land.
Russland im Blick
China ist seit dem Koreakrieg Anfang der 1950er-Jahre Nordkoreas wichtigster politischer und wirtschaftlicher Partner. Wegen seines Raketen- und Atomprogramms wurden zahlreiche internationale Sanktionen gegen Nordkorea verhängt. Zuletzt aber hatte das isolierte Land die Zusammenarbeit vor allem mit Russland vertieft, schickte etwa Soldaten in den Krieg Russlands gegen die Ukraine.
Die erste Auslandsreise von Xi in diesem Jahr hat laut Nordkorea-Experte John Delury also auch noch einen anderen Grund. China vermittele eine „unausgesprochene Botschaft“. Xi sage damit, China sei nach wie vor der wichtigste Akteur, wenn es um Nordkorea geht. Diese Botschaft richte sich auch an Putin: „Nach dem Motto: ‚Was ihr mit Nordkorea macht, ist in Ordnung – aber lasst uns dabei nicht zu weit gehen.'“
Persönlich ein Bild verschaffen
Xi will sich persönlich ein Bild davon machen, was in Pjöngjang vor sich geht. Unter anderem ist ein Besuch im Kumsusan-Palast geplant. Dort befindet sich das Mausoleum von Kim Il Sung und Kim Jong Il. Darüber hinaus ist über den genauen Ablauf des zweitägigen Staatsbesuchs wenig bekannt.
Nach außen dringt nur, was politisch gewollt ist. Unabhängige ausländische Medien dürfen nicht einreisen.

