Trotz des Iran-Kriegs hat die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal ein leichtes Wachstum geschafft – vor allem wegen des Exportgeschäft. Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen hellt sich weiter auf.
Die deutsche Wirtschaft ist im Frühjahr schneller gewachsen als bislang angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von April bis Juni um 0,3 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Eine frühere Schätzung hatte nur ein Plus von 0,2 Prozent ergeben. Gegenüber dem Vorjahr lag das Plus bei 1,0 Prozent, nach bisher geschätzt 0,9 Prozent.
„Wie schon im ersten Quartal ging der Anstieg vor allem auf die gute Exportentwicklung zurück“, sagte die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand. Insgesamt wurden 2,0 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als im ersten Quartal 2026. Vor allem der Warenhandel mit der Europäischen Union legte zu. Dagegen legten sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben mit jeweils 0,1 Prozent nur leicht zu. Die Investitionen etwa in Maschinen und Fahrzeuge sanken.
ifo-Index steigt auch im August
Zuletzt mehrten sich die Anzeichen, dass die deutsche Wirtschaft langsam an Fahrt gewinnt – getragen von starken Exporten, hohen Unternehmensgewinnen und einer Belebung am Bau, wo wieder deutlich mehr Wohnungen genehmigt werden. Auch die Stimmung in den Unternehmen hellt sich auf. Achim Wambach, Präsident des Mannheimer Forschungsinstituts ZEW, sprach jüngst von einem „positiven Trend in den Erwartungen“. Der ifo-Geschäftsklimaindex hatte sich bereits im Juli verbessert – im August hellte sich die Stimmung in den Chefetagen weiter auf.
„Das sind erfreuliche Nachrichten. Das bereits ohnehin ursprünglich gemeldete robuste Wachstum wird weiter nach oben revidiert. Gemessen an den stellenweise düsteren Konjunkturaussichten in Anbetracht des Iran-Krieges, fällt das deutsche Wachstum erstaunlich solide aus“, kommentierte Thomas Gitzel von der VP Bank.
Hohes Staatsdefizit
Die finanziellen Herausforderungen für Bund, Länder und Kommunen bleiben derweil gewaltig: In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres gab der Staat 71,3 Milliarden Euro mehr aus als er einnahm. Das staatliche Defizit war damit um 36,6 Milliarden Euro höher als im Vorjahreszeitraum.
Bezogen auf die Wirtschaftsleistung lag das Defizit von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung im ersten Halbjahr 2026 bei 3,1 Prozent, wie das Bundesamt auf Basis vorläufiger Daten errechnete. Das ist etwas mehr als die 3,0 Prozent, die europäische Vorgaben zum Haushaltsdefizit erlauben.
Risiko Dürre und Niedrigwasser
Während die Milliarden-Ausgaben der Bundesregierung für Infrastruktur und Verteidigung die Konjunktur stützen, birgt das Rekord-Niedrigwasser am Rhein allerdings neue Risiken: Da der Warentransport über das Wasser stockt, wird die Produktion in manchen Branchen wie der Chemieindustrie gedämpft.
„Im dritten Quartal dürften die Folgen der niedrigen Pegelstände auf wichtigen Wasserstraßen die Erholung der deutschen Wirtschaft vorübergehend ausbremsen“, prognostizierte jüngst die Bundesbank. Die Wirtschaft dürfte von Juli bis September demnach „allenfalls noch leicht zulegen“.
