Drohnen-Terror in der UkraineRussland weitet den Luftkrieg aus

Der Ukraine-Krieg verlagert sich zunehmend in die Luft: Russland verstärkt die nächtlichen Großangriffe mit Drohnen, Marschflugkörpern und Raketen. In der laufenden Monatsbilanz sticht dieses Frühjahr schon jetzt heraus. Die ukrainische Luftabwehr erfasst im Mai so viele Attacken wie noch nie zuvor.
Im Ukraine-Krieg ist die Anzahl der russischen Angriffe mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern deutlich angestiegen. Im laufenden Monat Mai meldete die ukrainische Luftwaffe – die in der unter anderem auch zuständig für die Verteidigung des Luftraums ist – bisher bereits schon 7454 einzelne Attacken durch russische Waffensysteme.
Die Angriffe im Mai liegen damit wenige Tage vor dem Monatswechsel nicht nur bereits gut zehn Prozent über dem April-Niveau, sondern übertreffen auch jetzt schon alle bisherigen Monatswerte seit Beginn des russischen Überfalls im Februar 2022.
Die deutliche Steigerung geht zum Teil auf die neuen kombinierten Tagangriffe zurück. Die russischen Kriegsplaner versuchen dabei, die ukrainische Luftabwehr mittels zusätzlicher Angriffswellen auch außerhalb der typischen Nachtzeiten zu überwältigen. Mitte März verzeichnete der Generalstab in Kiew zum ersten Mal einen solchen „atypischen Morgenangriff“, der mobile Feuertrupps, Radareinheiten und die Teams in den Luftabwehr-Stellungen vor enorme Herausforderungen stellte.
Wenige Tage später folge der bisher intensivste Luftangriff mit insgesamt 982 anfliegenden russischen Waffensystemen binnen 24 Stunden: Auf 426 Geschosse in der Nacht – darunter mindestens 18 Marschflugkörper – ließ das russische Militär am 24. März weitere 556 Drohnenflüge folgen. Seitdem musste die Bevölkerung in der Ukraine bereits zehn weitere solche Großangriffe mit mehr als 500 Drohnen, Raketen oder Marschflugkörpern überstehen, zuletzt in der Nacht auf den 24. Mai.
Die Ausweitung des Luftkriegs folgt offenbar einem Plan: In der Auswertung der bisher erfassten Daten ist der Mai 2026 bereits der vierte Monat in Folge, in dem das russische Militär die Intensität des Beschusses steigern kann. Im April waren es den ukrainischen Angaben zufolge 6724 erfasste feindliche Flugkörper, im März 6600, im Februar 5353 und im Januar 4577.
Im Vergleich zu den Vorjahren haben sich die russischen Anstrengungen gewaltig intensiviert. Vor einem Jahr etwa verzeichneten die Ukrainer zwischen dem 1. und dem 31. Mai insgesamt 4096 russische Attacken aus der Luft. Die für die Zermürbungstaktik erforderlichen Angriffsdrohnen kann die russische Rüstungsindustrie offenbar in zunehmenden Stückzahlen produzieren.
In den ersten Kriegsjahren setzte Russland bei den anlaufenden nächtlichen Luftangriffen teils nur wenige Dutzend Shahed-Drohnen aus iranischer Produktion ein. Der Bestand an ballistischen Raketen und Marschflugkörpern ist anscheinend ebenfalls begrenzt: Größere Salven kann das russische Militär nur alle drei bis zehn Tage abfeuern. Mächtigere Waffensysteme stehen nicht zur Verfügung. Die symbolbehaftete Oreschnik-Rakete kam bisher nur dreimal zum Einsatz.
Ukraine fährt Gegenangriffe hoch
Noch im dritten Kriegsjahr werteten westliche Beobachter eine Anzahl von knapp 100 eingesetzten Drohnen, Raketen oder Marschflugkörper pro Nacht noch als „massiven Großangriff“. Die heimische Serienproduktion lief im russischen Hinterland offenbar nur sehr langsam an.
Westliche Sanktionen erschweren die Fertigung. Einzelne Hightech-Bauteile kann Russland nur noch über Umwege importieren. Das Riesenreich von Wladimir Putin ist industriell vergleichsweise schwach und auf Unterstützung durch Länder wie Nordkorea und China angewiesen.
Der Luftkrieg entwickelt sich zum umfangreichen Rüstungswettlauf: Ein Großteil der eingesetzten Waffensysteme bleibt in der mehrfach gestaffelten ukrainischen Luftabwehr hängen. Mittels Abschuss und elektronischen Abwehrmaßnahmen erreichen die Ukrainer mittlerweile regelmäßig nächtliche Abschussquoten von 90 Prozent und mehr.
Und mittlerweile schlägt die Ukraine zurück: Seit dem Frühjahr 2026 dringen ukrainische Langstreckendrohnen wiederholt bis hinter Moskau und in den Ural vor. Selbst abgelegene Standorte der russischen Rüstungsindustrie sind vor den ukrainischen Distanzschlägen nicht mehr sicher. Die russische Bevölkerung wird mittlerweile fast jede Nacht Zeuge, wie Ölanlagen, Munitionsdepots und Rüstungsbetriebe weitab der Front in Flammen aufgehen. Der Krieg, so scheint es, wird für Russland mit jedem Tag teurer.