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Startseite»Politik»Dürre in Europa: Ernteausfälle, trockene Flüsse und Wassersparen
Politik

Dürre in Europa: Ernteausfälle, trockene Flüsse und Wassersparen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 10, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 10.08.2026 • 18:39 Uhr

In vielen Ländern Europas herrscht extreme Trockenheit: Von den Niederlanden bis Bulgarien trocknen die Gewässer aus, Landwirte erwarten massive Ernterückgänge, Kraftwerke werden abgeschaltet. Ein Blick in verschiedene Regionen Europas.

Dürre von Österreich bis Bulgarien

Die Hitzewelle im Südosten Europas bleibt ungebrochen. Von Bukarest bis Budapest liegen die Temperaturen bei 30, 35 Grad und mehr – und weiterhin gibt es keine Niederschläge.

Die Pegelstände der Donau sind, je nach Flussabschnitt, nahezu allesamt unter die jeweiligen Rekord-Niedrigwasser-Grenzen gesunken. Frachtschiffe können nur mit sehr geringer Ladung die Donau befahren oder müssen ganz den Betrieb einstellen. Relikte aus der antiken Welt tauchen aus der Donau auf, so etwa die Überreste einer 1.700 Jahre alte Brücke in Bulgarien.

Einige Regierungen der Region schränken die künstliche Bewässerung von Agrarflächen ein. In den Pumpstationen Rumäniens etwa fehlt schlicht das Wasser. „So ein Ausmaß an Dürre und Trockenheit haben wir noch nie erlebt“, so ein Milchbauer in Niederösterreich. Massive Ernterückgängen zwischen 20 Prozent bei Getreide bis 50 Prozent bei Mais und Kartoffeln erwarten Landwirte in Österreich.

In Ungarn zeigt sich ein ähnliches Bild: Dort vertrocknen Hauptanbauprodukte wie Mais, Sonnenblumen und Zuckerrüben auf den Feldern. Allein beim Mais werden in Ungarn die Schäden auf mehr als eine halbe Milliarde Euro geschätzt. Clemens Verenkotte, ARD Wien.

Höchste Warnstufe in zwei Dritteln Frankreichs

Vertrocknete Felder; Tausende Hühner, die wegen der Hitze gestorben sind; Kühe, die weniger Milch produzieren: Die anhaltende Hitze und Trockenheit macht auch in Frankreich besonders den Landwirten zu schaffen. In der Bretagne etwa drohen Ernteeinbrüche bei Gemüse, warnen Vertreter der Bauerngewerkschaften. Viele Betriebe müssen über Kurzarbeit nachdenken oder haben ihre Saisonkräfte entlassen. Verbraucher dagegen müssen sich im Herbst wohl auf steigende Preise für Obst und Gemüse einstellen.

Mit einer durchschnittlichen Temperatur von 24,9 Grad war der Juli der heißeste Monat seit 1900 und einer der trockensten jemals, meldet der staatliche Wetterdienst Météo France. Bürgerinnen und Bürger können sich auf der Online-Plattform VigiEau informieren, wie trocken es in ihrer Region ist. Aktuell gilt für zwei Drittel des Landes die höchste Warnstufe „crise“.

In den betroffenen Départements gelten offizielle Anweisungen zum Wassersparen: Private Pools dürfen nicht befüllt, öffentliche Grünanlagen nicht bewässert werden. Einige Kommunen berichten von Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Leitungswasser. Je nach Region gibt es auch Einschränkungen für die Bewässerung in der Landwirtschaft. Die Bauerngewerkschaft Coordination Rurale hat aber bereits dazu aufgerufen, diese Anweisungen der Behörden zu ignorieren.

Ende Juli hatte die Nationalversammlung per Gesetz festgelegt, dass der Wasserzugang für Landwirte erleichtert werden soll und Bauern bis 2035 insgesamt doppelt so viel Wasser zurückhalten und speichern dürfen wie bisher. Kritiker und Umweltschützer warnen, dass dieses Gesetz die Wasserknappheit weiter verschärfen könnte.

An mehreren französischen Atomkraftwerken musste Reaktoren gedrosselt oder vorübergehend abgeschaltet werden, weil das Kühlwasser aus den Flüssen zu warm war. Für diese Woche hat der Wetterdienst Météo France eine neue Hitzewelle angekündigt: mit Temperaturen zwischen 35 und 40 Grad in weiten Teilen des Landes. Carolin Dylla, ARD Paris.

Historisch niedrige Wasserstände in den Niederlanden

Seit einigen Wochen gilt in den Niederlanden die zweite von insgesamt drei Warnstufen: tatsächliche Wasserknappheit. Die Behörden sprechen teilweise von historisch niedrigen Wasserständen und gehen davon aus, dass sich die Situation in den kommenden Wochen kaum verbessert.

Und das hat in den Niederlanden, wo es besonders viele Wasserstraßen gibt, große Folgen: Manche Schleusen sind gesperrt – etwa die bei Eefde im Osten der Niederlande. Deshalb kommen Schiffe gerade nicht zum Twente-Kanal, was ein Problem für die Industrie dort ist. An den Schleusen, die noch geöffnet werden, sind die Wartezeiten teilweise länger geworden.

Weil in den Flüssen so wenig Wasser ist, kommt mehr Meerwasser über die Flussmündungen ins Landesinnere. Der Salzgehalt steigt also, was schlecht für Pflanzen und Tiere ist. Und auch die Landwirtschaft leidet darunter. In einigen Regionen dürfen die Landwirte derzeit aber ohnehin kein Wasser aus Flüssen, Seen und Bächen entnehmen, damit der Pegel nicht noch weiter sinkt.

Die niederländischen Behörden betonen aber, die Trinkwasserversorgung sei nicht gefährdet. Besonders Menschen, die in einem der vielen Hausboote im Land wohnen, bekommen die Dürre zu spüren: Denn die liegen teilweise auf Grund und haben Schieflage. Sarah López, ARD Brüssel.

Wärmster Frühling in Schweden – aber kein Hitzesommer

Auch Schweden hat ein Problem mit Trockenheit, aber ein viel kleineres als viele Länder weiter südlich in Europa. Denn der Frühling war zwar der wärmste seit Beginn der landesweiten Messungen, es hat aber mehr geregnet als letztes Jahr. Und im Juni war es, anders als etwa in Deutschland, zwar warm, aber nicht heiß.

Besonders kritisch ist es aber, wie schon in den vergangenen Jahren, auf der Insel Gotland, weil der Kalksteinboden dort nur wenig Wasser speichert. Deshalb haben die Behörden Gotlands den Wasserdruck in den Leitungen reduziert.

Momentan wird in zwölf Provinzen in Süd- und Mittelschweden offiziell vor Wasserknappheit gewarnt. Dort können die Gemeinden Bewässerungsverbote verhängen und die Menschen zum Wassersparen auffordern, etwa mit Empfehlungen, nur kurz zu duschen und tropfende Wasserhähne zu reparieren.

Viele Menschen sind offenbar auch bereit, Wasser zu sparen: Die Provinz Schonen ganz im Süden von Schweden meldet für Juni einen ungewöhnlich niedrigen Wasserverbrauch. Die Warnungen scheinen also geholfen zu haben. Jana Sinram, ARD Stockholm.

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