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Startseite»Nachrichten»„Er will nicht gejagt werden“: Box-König Usyk dankt ab
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„Er will nicht gejagt werden“: Box-König Usyk dankt ab

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 26, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Agit Kabayel träumt von einem WM-Kampf gegen Schwergewichts-König Oleksandr Usyk. Doch der Ukrainer legt seine Krone nieder. Wird der „Leberking“ aus dem Pott jetzt Max Schmelings Nachfolger?

Agit Kabayels Wunsch bleibt unerfüllt. Der erhoffte Kampf gegen Schwergewichts-König Oleksandr Usyk kommt nicht zustande. „Ich lege meine Gürtel nieder, verlasse aber nicht den Boxsport. Es wird mehr kommen“, ließ Usyk via Instagram verlauten. Der 39-Jährige hatte seine WM-Gürtel der Verbände WBA, WBC und IBF zuletzt im Mai gegen das im Vorfeld als chancenlos erachtete Kickbox-Idol Rico Verhoeven nur mit Müh und Not verteidigt. Verhoeven trieb den ungewohnt behäbigen und nicht mehr auf seiner Höhe wirkenden Meister aller Klassen vor den Pyramiden von Gizeh in den roten Bereich. Ein Aufwärtshaken in Runde elf rettete Usyk. Sein Sieg durch Technischen K.o. hinterließ dennoch ein Gschmäckle. Der Ringrichter brach nach Ansicht nahezu aller Beobachter zu früh ab. Auf den Punktezetteln lag Usyk bei einem Richter zum Zeitpunkt des Abbruchs sogar hinten.

Kabayel war extra zu den Pyramiden gereist, forderte Usyk noch im Ring heraus. Später lancierte er eine Social-Media-Kampagne, um den Champion zu locken – vergebens. Seit Februar 2025 ist der 33-Jährige aus Wattenscheid beim Verband WBC Interims-Champion. WBC-Präsident Mauricio Sulaiman hatte schon vor dem Spektakel in Ägypten klargestellt, dass Usyk seinen Titel nach dem Duell mit Verhoeven gegen Kabayel verteidigen muss. Er räumte dem Weltmeister eine 30-tägige Frist ein, um Butter bei die Fische zu geben. Das hat Usyk nun getan. Hätte er dem Kampf gegen seinen Pflichtherausforderer Kabayel nicht zugestimmt, wäre er den WBC-Gürtel wohl ohnehin losgewesen.

„Einfach keine Option“ für Usyk gegen Kabayel

„Usyk hat Großes geleistet für den Sport“, lobte Kabayel im Gespräch mit ntv Sport den Weltmeister. „Natürlich wäre es schön gewesen. Aber ich glaube, Usyk sucht mit 39 die sportliche Herausforderung nicht mehr. Es ist nicht leicht, vom Jäger zum Gejagten zu werden. Vielleicht will er in seinem Alter nicht mehr gejagt werden und hat diesen Spirit nicht mehr.“ Usyk habe sich womöglich gedacht, „dass er in seiner Ära alle geschlagen hat: Anthony Joshua, Tyson Fury, Daniel Dubois“, fügte Kabayel hinzu. „Ich finde, ich gehöre da auch dazu, aber es hat nicht sollen sein. Schade, das wäre ein toller Kampf geworden.“

Ein Stück weit sei er enttäuscht, räumte Kabayel ein. „Aber es ist wie es ist. Es hat sich einfach keine Option ergeben. Es lagen keine großen Börsen auf dem Tisch, es gab keinen Sponsor, der das bezahlen wollte“, sagte der Deutsche, der wegen seines auf Körperattacken ausgelegten Stils den Spitznamen „Leberking“ trägt. Vor dem Kampf zwischen Usyk und Verhoeven hatte die Box-Bibel „The Ring“ berichtet, der saudische Box-Mogul Turki Al-Sheikh (Besitzer von „The Ring“) wolle Usyk von einem Kampf gegen Kabayel in Deutschland überzeugen.

Welche Pläne Usyk verfolgt, ist offen. Zuletzt mehrten sich Berichte, der Altmeister könne bei der Anfang des Jahres von MMA-Pate Dana White ins Leben gerufenen Box-Liga „Zuffa“ unterschreiben. Hinter Zuffa steht neben White, dem Boss der Käfigkampf-Serie UFC, auch Al-Sheikh. Der Boss der saudischen „General Entertainment Authority“ hatte Usyk seine großen Zahltage gegen Fury (2024) und Verhoeven beschert.

Kabayel auf den Spuren der ganz Großen

Und Kabayel? Der könnte vom WBC am Grünen Tisch vom „Interims“- zum „regulären“ Weltmeister hochgestuft werden. Er wäre der erste deutsche Schwergewichts-Weltmeister seit dem legendären Max Schmeling vor 94 Jahren. „Ich hoffe, Deutschland freut sich darüber und sieht in mir einen würdigen Nachfolger von Max Schmeling“, sagte der Boxer aus dem Ruhrpott mit den kurdischen Wurzeln. Allerdings ist noch nicht klar, wie der WBC entscheidet. Bei dem notorisch unberechenbaren Verband mit Sitz in Mexiko-Stadt weiß man nie genau. Möglich ist auch, dass die Funktionäre einen Kampf zwischen Kabayel und dem in der WBC-Rangliste bestplatzierten und verfügbaren „Contender“ um die vakante WM ansetzen.

Für Kabayel spricht, dass er mit Promoter Frank Warren und Manager Spencer Brown einflussreiche Fürsprecher auf seiner Seite hat. Nach ntv.de-Informationen führten die Briten in dieser Woche Gespräche mit dem WBC – demnach spricht einiges dafür, dass Kabayel tatsächlich in Kürze zum Weltmeiste erklärt wird. Eines hätte er dann mit Schmeling gemein: Er hätte die Krone nicht spektakulär erobert. Schmeling gewann den Titel 1930 in den USA, weil sein Gegner Jack Sharkey wegen Tiefschlags disqualifiziert wurde. Bis heute ist die 2005 im Alter von 99 Jahren verstorbene Box-Ikone der einzige Schwergewichtler, der durch Disqualifikationssieg zu WM-Ehren gelangt ist.

„Wir haben noch keine Klarstellung vom WBC, aber ich denke, dass sie sehr professionell sein werden. Ich mache mir keine Sorgen“, sagte Kabayel. Auf eine mehrfache Anfrage von ntv Sport, wie der Verband in der Causa vorzugehen gedenkt, hat der WBC noch nicht reagiert.

Sollte der Deutsche durch Funktionärs-Entscheid zum Champion gekürt werden, wäre er nicht der erste dieser „Art“. Auch die Boxlegenden Ken Norton (1978) und Lennox Lewis (1992) erhielten die Weltmeister-Lorbeeren auf diese Weise. Norton, weil Muhammad Ali (damals auch WBA-Weltmeister) nicht ein viertes Mal gegen ihn antrat. Und Lewis, weil Champion Riddick Bowe den WBC-Gürtel in eine Mülltonne warf und ein Duell mit seinem Pflichtherausforderer vehement ablehnte. In dieser Hinsicht war Oleksandr Usyk eleganter.

Verwendete Quelle: ntv.de

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