In nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Anmerkungen zu einem Spiegel-Interview sorgte sich Linken-Politikerin Elif Eralp um ihre Sicherheit. Nun bekräftigte sie, klar gegen Gewalt vorgehen zu wollen.
In Reaktion auf einen Bericht des „Spiegel“ [Bezahlschranke] hat die Berliner Linken-Fraktionschefin Elif Eralp am Donnerstag bekräftigt, als Regierende Bürgermeisterin für die Sicherheit aller Berlinerinnen und Berliner sorgen zu wollen. Das sagte sie in einem öffentlichen Statement, das sie nach der Veröffentlichung des „Spiegel“-Beitrags am Mittag abgab. Dem Magazin zufolge wollte Eralp Teile eines Interviews nicht autorisieren, in dem ein Hamas-Sympathisant namentlich genannt wird. Autorisieren bedeutet die Freigabe von Zitaten, beispielsweise bei Wortlaut-Interviews. Autorisierungen gehören in Deutschland oftmals zur journalistischen Praxis. Der „Spiegel“ bezieht sich in seinem Bericht auf mutmaßlich interne Anmerkungen Eralps zu einem Interview, die versehentlich an das Magazin geschickt worden seien. Aus den Anmerkungen geht dem Magazin zufolge hervor, dass Eralp eine Reaktion der genannten Person oder seiner Unterstützer fürchte. „Ich kann mich und meine Familie nicht für den SPIEGEL in Gefahr bringen“, schreibt Eralp dem Bericht zufolge. Der „Spiegel“ entschied sich nach eigenen Angaben, auch über die Anmerkungen zu berichten.
„Werde mich von niemandem einschüchtern lassen“
In Reaktion darauf betonte Eralp in ihrem Statement am Donnerstagmittag: „Ich werde ganz konsequent gegen jede Form von organisierter Kriminalität, Gewalt oder Terror vorgehen. Dafür stehe ich bei den Berlinerinnen und Berlinern im Wort und das werde ich auch durchsetzen.“ Sie erklärte auch: „Ich habe ganz klar gesagt, ich werde mich von niemandem einschüchtern lassen. Und dass man sich Sorgen um seine eigene Familie macht, das ist, glaube ich, ganz normal und selbstverständlich.“
Eralp versucht derzeit, mit Grünen und SPD eine Koalition in Berlin unter ihrer Führung zu bilden. Die Linke war im September stärkste Kraft bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl geworden. Sie punktete insbesondere mit der Forderung nach der Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen. Einzelne Mitglieder der Linken in der Hauptstadt stehen aber wegen Antisemitismus-Vorwürfen, der Nähe zu radikalen Palästinensergruppen sowie kriminellen Clan-Mitgliedern in der Kritik.
Der Berliner SPD-Chef und Spitzenkandidat Steffen Krach betonte in der „Welt“: „Wer diese Stadt regieren will, muss Gefahren deutlich benennen und Berlin vor ihnen schützen.“ Berlins Sicherheit stehe an oberster Stelle „und es ist völlig klar, dass wir mit voller Härte gegen Organisierte Kriminalität und Terror-Unterstützer vorgehen müssen“, so Krach. „Dafür stärken wir auch Polizei und Verfassungsschutz. Diese Klarheit erwarten wir von allen politisch Verantwortlichen.“
Die AfD-Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker teilte mit, der „Spiegel“-Bericht mache deutlich, dass das Thema Clan-Verbindungen bei der Linken „offenbar weit über den Fall des Bundestagsabgeordneten Koçak“ hinausgehe. Grüne und SPD sollten die Koalitionsgespräche „umgehend beenden“, forderte Brinker.
Grünen-Fraktionschefin Bettina Jarasch sprach am Donnerstag einer rot-grün-roten Koalition unter Führung Eralps am Donnerstag das Vertrauen aus. „Eine künftige rot-grün-rote Koalition wird mit einer Regierenden Bürgermeisterin Elif Eralp an der Spitze die Bekämpfung von Antisemitismus, organisierter Kriminalität und Extremismus zu einem Schwerpunkt machen“, so Jarasch. „Das ist das, was zählt.“
Der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Bodo Ramelow (Linke) kritisierte wiederum das Vorgehen des „Spiegel“. Durch die Berichterstattung über eine interne Kommunikation werde „ein Mensch, der sich schutzlos fühlt, und dies intern kommuniziert, gezielt verletzt“, so Ramelow gegenüber dem „Stern“.
Sendung: rbb|24, 29.10.2026, 13:09 Uhr Audio: rbb|24, 29.10.2026, Jonas Wintermantel
