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Erster Titel nach 22 Jahren?: Der England-Gigant, der gegen seinen Schatten kämpft

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 9, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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Erster Titel nach 22 Jahren?Der England-Gigant, der gegen seinen Schatten kämpft

Die Anhänger der Gunners warten seit über 20 Jahren auf eine Meisterschaft. (Foto: dpa)

Nur noch wenige Wochen bis zum Start der Fußball-WM in Nordamerika. Nur noch wenige Spiele in den Top-Ligen Europas. In England kann ein Klub endlich aus einem ganz, ganz großen Schatten treten, in Spanien triumphiert ein deutscher Trainer, in Italien sorgt ein kleiner Ort für Wirbel. Ein Überblick.

Premier League / England:

Sie werden doch nicht? Die Aufgabe erscheint leichter als jemals zuvor. Nur noch drei Spiele erfolgreich bestreiten – und schon wäre das Wunder perfekt: Arsenal ist Meister der Premier League. Das wäre in etwa so sensationell wie eine Meisterschaft von Borussia Dortmund in der Bundesliga. Beide Klubs eint der exzellente Ruf, in den entscheidenden Momenten immer, also wirklich immer, alles wegzuwerfen.

Der Klub aus Nord-London hat seit der Saison 2003/2004 keinen Meistertitel mehr gewonnen. Ehrfürchtig erzählen sie sich dort immer noch die Geschichte von Arsène Wengers „Invincibles“ im alten Highbury um Jens Lehmann, Freddie Ljungberg, Patrick Vieira, Robert Pirès, Thierry Henry und Dennis Bergkamp, die sich mit ihrer ungeschlagenen Saison unsterblich gemacht haben.

Spätestens mit dem Wechsel aus Highbury in das nahegelegene, supermoderne Emirates im Sommer 2006 verschoben sich die Perspektiven. Langsam und doch stetig verabschiedeten sich die Gunners aus dem Kreis der Titelanwärter. Als sie lange nach dem Ende der Wenger-Jahre dorthin zurückkehrten, besiegte sie die Angst. Dafür gewannen sie den Ruf der „Bottler“, jener Versager in letzter Sekunde.

Marc Guehis schlimmer Patzer

So verspielten sie in den vergangenen Jahren, auch unter Mikel Arteta – dem Mann, der Wenger vergessen machte – trotz teils großer Führung die Meisterschaft, die sich Pep Guardiolas Titelmonster aus Manchester gierig einverleibten. Doch sie bauten eine Welle aus Konstanz und Plan auf. Diese baute sich, ähnlich der von Jürgen Klopp in Liverpool, über Jahre auf. Sie führte zu drei zweiten Plätzen in Folge, sie führte zu einem Halbfinale in der Champions League im vergangenen Jahr. Arsenal war zurück auf der Karte des ganz großen Fußballs, nach Jahren in der Wüste der erbarmungslosen Bedeutungslosigkeit.

Der ultimative Erfolg blieb aus. Bottler! So sah es auch in dieser Saison wieder aus. Je näher die Gunners dem Saisonende kamen, desto kleiner wurde der Vorsprung auf Manchester City, das sich erst kürzlich an Arsenal vorbeirobbte. Alles lief auf ein Wettschießen um den Titel hinaus – gleiches Punktverhältnis, relativ einfaches Restprogramm.

Vor diesem Wochenende führt Arsenal die Tabelle mit fünf Punkten vor City, das allerdings noch ein Spiel mehr zu bestreiten hat. Aus eigener Kraft kann Guardiolas Elf den Titel jedoch nicht mehr gewinnen. Bei den Heimspielen gegen Brentford, Crystal Palace und Aston Villa sowie der einen Auswärtsfahrt zu den Überfliegern aus Bournemouth ist die Gefahr groß, sogar noch weitere Punkte liegenzulassen.

Halbe Liga balgt sich um einen Platz

Für die Gunners steht daher bereits an diesem Wochenende beim Auswärtsspiel bei West Ham die größte Prüfung an. Können sie dort gewinnen, steht der Champions-League-Finalist mit Trainer Mikel Arteta kurz vor der Krönung. Die restlichen Partien gegen Burnley und bei Crystal Palace dürften die Gunners aus unterschiedlichen Gründen vor keine größeren Probleme stellen.

Während der Titelkampf also noch weit offen ist, träumt die halbe Liga von einem Europa-League-Sieg von Aston Villa. In diesem Falle erhielte die Premier League in der kommenden Saison sechs Startplätze in der Champions League. Und dieser womöglich letzte Platz in der Königsklasse ist heiß umkämpft. Zwischen dem Tabellensechsten Bournemouth (52 Punkte) und dem Tabellenzwölften Sunderland (48 Punkte) scheint noch alles möglich.

Im Tabellenkeller hingegen haben sich die Tottenham Hotspur unter Trainer Roberto De Zerbi stabilisiert und am vergangenen Wochenende mit einem Sieg bei Villa einen großen Schritt aus dem Keller gemacht. Das Restprogramm im Abstiegskampf spricht klar für sie – und nicht für West Ham, das gegen Arsenal unbedingt siegen muss. Was wiederum bezeichnend wäre für Arsenal, die alten Bottler.

„Nicht in meinen kühnsten Träumen …“

„Vor ein paar Jahren“, erinnert sich Ryan Hunn, lebenslanger Arsenal-Fan und Co-Host des Stadio-Podcasts, „habe ich meinen Frieden mit der Vorstellung geschlossen, dass Arsenal in meinem Leben niemals mehr die Premier League gewinnen wird.“ Die Zeit, so sein Gefühl damals, habe Arsenal überrollt.

„Wir waren weit abgeschlagen, ganz vorne all die Klubs in Besitz von Staaten. Arteta ist es gelungen, das komplett umzudrehen. Das hätte ich nie gedacht. Jetzt können sie zum allerersten Mal überhaupt das Double gewinnen. Zumindest bei den Männern. Nicht in meinen kühnsten Träumen hätte ich mir das vor fünf, sechs Jahren ausmalen können.“

Bereits abgestiegen sind der FC Burnley und die Wolverhampton Wanderers, aus der Championship kommen Coventry City und Ipswich Town hoch. Millwall, Southampton, Middlesbrough und Hull City machen in den Playoffs den dritten Aufsteiger unter sich aus.

Serie A / Italien:

Die Meisterschaft ist bereits entschieden: Inter Mailand holt den Scudetto. Ein guter Trost nach dem Aus in der Champions League gegen den Favoritenschreck Bodö/Glimt und den nicht gewonnenen Derbys in der Liga gegen Stadtrivale AC Milan. Zwölf Punkte Vorsprung hat Inter (82 Punkte) bei noch drei verbleibenden Spieltagen auf den Zweiten SSC Neapel (70). Doch dahinter wird es spannend – wer schafft es in die Champions League, wer muss mit Europa League oder gar Conference League Vorlieb nehmen?

Bei noch neun zu vergebenen Punkten an drei Spieltagen ist rechnerisch noch vieles möglich. Vier Plätze für die Champions League gibt es, einen für die Europa League, einen für die Conference League. Auf dem sechsten Rang liegt derzeit Como mit 62 Punkten, am vergangenen Spieltag überholt von AS Rom (64). Mit Kurs auf die Königsklasse steuern derzeit neben Inter und Neapel auch AC Mailand (67) und Juventus Turin (65). Vier Teams liegen damit also innerhalb von fünf Punkten. Atalanta Bergamo hat zwar noch hypothetische Chancen, liegt mit 55 gesammelten Punkten aber schon mit größerem Abstand auf Platz sieben.

Der Klub, bei dem Nationalspieler Robin Gosens mal aktiv war, darf sich also vermutlich so wenig Hoffnungen machen, wie sein jetziger Klub noch zittern muss. Denn rein rechnerisch ist AC Florenz der Klassenerhalt noch nicht sicher. Als Tabellen-15. haben sie 37 Punkte auf dem Konto, genauso viele wie Cagliari als 16. – der 18. in der 20er-Liga heißt Cremonese und hat 28 Punkte. FC Pisa und Hellas Verona stehen derweil schon als Absteiger fest.

La Liga / Spanien:

Es droht die ultimative Demütigung für Real Madrid: Ausgerechnet im Clasico kann der FC Barcelona zu Hause die Meisterschaft perfekt machen. Dem Team von Hansi Flick reicht im Duell mit dem Erzrivalen bereits ein Unentschieden für die 29. Meisterschaft. Selbst wenn der Rekordmeister gewinnt, kommt im Meisterschaftskampf aber keine echte Spannung mehr auf.

Noch vier Spieltage stehen aus, es gibt also noch zwölf Punkte zu holen – elf Punkte Vorsprung hat Barca (88) vor Real (77). Die Königlichen werden sich mit Platz zwei begnügen müssen, können aber auch kaum noch von diesem verdrängt werden. Villarreal (68) liegt neun Punkte hinter ihnen auf Platz drei, Atlético Madrid (63) hat als Vierter die Champions League quasi sicher, der Vorsprung auf den Fünften Betis Sevilla (53) beträgt zehn Punkte.

Weil Spanien sich in der UEFA-Saisonwertung gegen Deutschland durchsetzte und damit den fünften Champions-League-Startplatz sicher hat, ist fast noch die halbe Liga in den Kampf um die internationalen Plätze involviert. Den Tabellen-Sechsten in der 20er-Liga, Celta Vigo (47), und den 18., Alaves (36), trennen elf Punkte. Sogar der FC Sevilla könnte noch in die Tiefen hinabgezogen werden, sie liegen nur einen Punkt vor den Abstiegsrängen. Dort können Levante (33) und Oviedo (28) als Vorletzter und Letzter der Tabelle sogar noch auf den Klassenerhalt hoffen, vor allem für Oviedo sieht es aber düster aus.

Quelle: ntv.de, ara/sue

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