Fall an US-UniversitätChinesin vergiftet Konkurrenten wochenlang
Monatelang wird ein Doktorand immer schwächer, Ärzte finden keine Erklärung. Dann entdeckt der junge Mann weißes Pulver neben seiner Kaffeekanne. Die Spur führt zu einer Kollegin – und dem Verdacht eines Giftanschlags.
Reste von weißem Pulver haben US-Ermittler auf die Spur eines versuchten Giftmordes gebracht. US-Medienberichten zufolge klagte ein chinesischer Doktorand an der Universität von Wyoming über Monate über Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Fingerspitzen und Schwäche in den Beinen. Sein Zustand verschlimmerte sich stetig, das Taubheitsgefühl breitete sich auf seinen linken Arm und alle Fingerspitzen aus.
Bei Arztbesuchen konnte zunächst keine Ursache für das Leiden gefunden werden, er selbst konnte sich die Beschwerden ebenfalls nicht erklären. Doch der junge Mann erklärte Arbeitskolleginnen und -kollegen gegenüber, dass das heiße Wasser, das er regelmäßig in seinem Büro trank, komisch schmecke. Dann entdeckte KT, wie er in den Gerichtsunterlagen genannt wurde, eine weiße Substanz in der Nähe seiner Kaffeekanne und seiner Wasserflasche, berichtet CNN.
Ein Chemiker der Universität, der dem Doktoranden half, sagte dem Sender, er habe das Pulver zusammen mit anderen untersucht. Wie aus Gerichtsakten hervorgeht, stellten sie dabei fest, dass es hohe Konzentrationen von Acrylamid enthielt, einem normalerweise geruchlosen und geschmacklosen Nervengift. Der bittere Geschmack könnte laut dem Chemiker darauf zurückzuführen sein, dass das Gift in der Kaffeemaschine erhitzt wurde.
Flucht vereitelt
Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, deckten offizielle Laboruntersuchungen und Aufzeichnungen von Überwachungsvideos schließlich auf, dass eine Kommilitonin geplant hatte, den jungen Mann vorsätzlich zu vergiften. Die Frau wurde festgenommen, als sie laut Anklage letzte Woche nach China fliehen wollte. Zuvor hatte die Universitätspolizei Beweise für eine Anklage wegen schwerer Körperverletzung zusammengetragen.
Es ist unklar, wie lange die 32-Jährige ihren Doktorandenkollegen vergiftet hatte, aber seine Symptome begannen Anfang August, sagte ein Kriminalbeamter der Campuspolizei der Universität von Wyoming in einer eidesstattlichen Erklärung. Laut dem Polizeibericht verstanden sich die mutmaßliche Täterin und das Opfer offenbar nicht. Das Opfer gab gegenüber den Ermittlern außerdem an, ein Patent für eine neue Technologie zur Behandlung von Krebs sowie neurologischen und genetischen Erkrankungen angemeldet zu haben, wie aus Gerichtsakten hervorgeht. Die Frau hatte vor ihrer Ankunft in den USA in China an ähnlichen Forschungsprojekten gearbeitet, so die Universitätspolizei.
Laut Mark Gomelsky, dem Leiter des Mikrobiologieprogramms der Universität, der nach eigenen Angaben sowohl die Forschung des Opfers als auch die des Verdächtigen betreute, zeigte sich die Täterin gegenüber dem Opfer und anderen Studenten feindselig, indem sie sie im Labor mied. „Es war, gelinde gesagt, entmutigend zu sehen, dass das Leben eines meiner Schüler in Gefahr ist und ein anderer Schüler möglicherweise dafür verantwortlich ist“, sagte Gomelsky der Associated Press. „Das war einer der schlimmsten Schocks meiner beruflichen Laufbahn.“
Später stellte sich heraus, dass die Frau die giftige Chemikalie zweimal bei ebay gekauft hatte. Die Frau wurde zudem dabei gefilmt, wie sie den Schreibtisch des Opfers durchsuchte, „Fotos machte und Notizbücher auf seinem Schreibtisch manipulierte“ sowie seine Tasse mit Flüssigkeit aus ihrer eigenen Tasse ausspülte, heißt es in der eidesstattlichen Erklärung eines Polizeibeamten der Universität von Wyoming.
Laut Staatsanwaltschaft wird die Frau nun wegen schwerer Körperverletzung angeklagt. Die Universität von Wyoming erklärte in einer am Dienstag veröffentlichten Pressemitteilung, sie arbeite mit den Behörden zusammen und werde „gegebenenfalls angemessene Maßnahmen ergreifen“.
