Penélope Cruz, Javier Bardem, Orlando Bloom: Viele Stars haben sich für die Filmfestspiele Venedig angekündigt. Am roten Teppich wartet seit Tagen ein 25-jähriger Fan auf sie. Vor allem aber auf George Clooney.
Noch ist es vergleichsweise ruhig am Lido, noch ist das Filmfest nicht offiziell eröffnet. Aber einer wartet schon seit Tagen vor dem roten Teppich: Matteo Amistà aus Padua. Der 25-Jährige hat ein Zelt direkt an der Absperrung aufgebaut und sich mit Essen, Getränken, einem Sonnenschirm und einem Mini-Ventilator versorgt. Er will die Stars sehen und Autogramme ergattern. Schon zum fünften Mal in Folge zeltet er am roten Teppich und diesmal geht es ihm vor allem um einen:
George Clooney. Ich habe es nicht geschafft, ihn letztes Jahr zu sehen, der Tag war verflucht, es hat geregnet. Ich habe mich nicht gut gefühlt und bin gegangen und habe ihn verpasst. Dieses Jahr ist das Wetter wunderschön, deshalb hoffe ich, dass er stehen bleibt und Autogramme gibt und man Fotos machen kann.
Amistà opfert zwei Wochen seines Jahresurlaubs für das Festival. Die meiste Zeit schläft er auf dem Boden, um seinen Platz direkt am roten Teppich nicht zu verlieren. In seinen Augen lohnt sich der Aufwand:
„Wenn die Schauspieler nah an dir vorbeigehen, wirst du emotional. Es sind die Schauspieler der Filme, die du vielleicht als Kind gesehen hast, als Erwachsener“, erzählt Amistà. „Wenn die Schauspieler hier vorbeikommen, schreit man jedes Jahr wie ein Verrückter, man schubst sich gegenseitig, weil jeder ein Foto will oder ein Autogramm von irgendjemandem.“
„Hollywood macht schweren Moment durch“
Ein paar Schritte weiter stehen schon Kamerateams und Fotografen verschiedener Medien auf einer Brücke beim Anlegeplatz der Boote – auch sie wollen Bilder der Stars. Gerade müssen sie sich noch mit dem Festivaldirektor zufriedengeben.
Alberto Barbera habe als Festivaldirektor das kriselnde Filmfest wieder groß gemacht, habe Hollywood wieder an den Lido gelockt, heißt es immer wieder. Auch, wenn in diesem Jahr Hollywood-Produktionen im Wettbewerb gar nicht so stark vertreten sind, das gibt auch Barbera zu.
„Das Problem ist Hollywood, das einen schwierigen Moment durchmacht. Die Studios definieren gerade die Produktionsrichtlinien neu, sie versuchen Spielräume auszuloten, deren Ergebnis noch nicht absehbar ist“, ist Barbera überzeugt. „Die großen Studios, die klassischen Hollywood-Studios, sind nicht mehr das, was sie einmal waren.“
Werner Herzog im Wettbewerb vertreten
Eröffnungsfilm ist diesmal „Ink“ von Danny Boyle. Der Regisseur erzählt darin den Aufstieg der britischen Boulevardzeitung Sun. Andere Filme im Wettbewerb sind zum Beispiel „Wild Horse Nine“ von Martin McDonagh über zwei CIA-Agenten, die auf der Osterinsel den Militärputsch in Chile 1973 erleben oder „Bunker“. Darin spielen Javier Bardem und Penélope Cruz ein Paar, dessen Ehe wegen eines Bunkers für die Apokalypse auf die Probe gestellt wird.
Mit Werner Herzog hat auch ein deutscher Regisseur einen Film im Wettbewerb. „Bucking Fastard“ ist die Geschichte zweier symbiotischer Schwestern. Und kurz vor dem Start ist noch ein Film über den Gaza-Krieg ins Wettbewerbsprogramm aufgenommen worden. Was auffällt: Regisseurinnen sind bei den Filmen des Hauptwettbewerbs deutlich unterrepräsentiert.
Keine Flucht ins Fantastische
Einen roten Faden im Programm zu finden, ist auf den ersten Blick schwierig. Für Festivaldirektor Barbera gibt es aber doch einen Schwerpunkt: „Wir haben festgestellt, dass der Großteil der Regisseure – anstatt sich in Fantasiewelten oder Alternativen zur Alltags-Realität zu flüchten – sich dafür entschieden hat, die großen Probleme der zeitgenössischen Welt anzugehen. Vom Ukraine-Krieg über das Drama Palästinas bis hin zum Problem des Klimawandels und zu den Krisen der Institutionen – der Familie, der Schule und so weiter.“
Festivaldirektor Barbera meint, dass viele Regisseure die großen Probleme der zeitgenössischen Welt filmisch verarbeiten.
Ehrung Clooneys ist sicher
All diese Filme wird Matteo Amistà, der zeltende Filmfest-Fan, beim Festival nicht sehen. Dafür habe er keine Zeit. Ihm geht es um die Stars. Auf dem roten Teppich erwartet werden unter anderem Robert Pattinson, Penélope Cruz, Javier Bardem, Pamela Anderson, Orlando Bloom außerdem die Gallagher-Brüder von der Band Oasis. Über die Musiker läuft eine Doku im Nebenprogramm.
Und eben der, auf den Amistà so sehnsüchtig wartet: George Clooney. Der Schauspieler bekommt bei der Eröffnung des Filmfests den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk.

