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Politik

Folgen von Dürre und Niedrigwasser – die Auswirkungen im Alltag

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 13, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 13.08.2026 • 06:00 Uhr

Der Pegel im Rhein sinkt weiter – was die Logistik massiv stört. Gleichzeitig leidet die Landwirtschaft stark unter der anhaltenden Trockenheit. Woran sind die Folgen im Alltag bereits zu merken?

Jens Eberl

Die Transporte werden immer teurer, sagt Thomas Puls, der beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) für den Bereich Verkehr und Infrastruktur zuständig ist. Die Herausforderungen wachsen täglich: „Die Frachtraten vom Oberrhein Richtung Rotterdam hatten sich schon vor einer Woche in etwa vervierfacht, da Transporte nur mit extrem reduzierter Ladung durchgeführt werden konnten.“

Mit einem Pegelstand in Kaub von weniger als 20 Zentimeter sei es wahrscheinlich, dass die Transportwege über den Rhein bald abgeschnitten sind. Und bedingt durch die sehr beschränkten Kapazitäten auf der Straße und auf der Rheinschiene seien diese bisherigen Transporte nur in geringem Umfang und zu sehr hohen Kosten verlagerbar. Erste Unternehmen haben bereits angekündigt, ihre Produktionen zu drosseln.

Etwas beruhigend für den Endverbraucher sei die Tatsache, dass vom Niedrigwasser vor allem Grundstoffindustrien betroffen seien. Beispielsweise Petrochemie, Chemie und Stahl nutzen den Rhein, also Branchen die eher konsumfern sind. „Soll heißen, dass die dort jetzt auftretenden Probleme eine Weile brauchen werden, bis sie beim Konsumenten ankommen. Dazu kommt dann die Frage, wie hoch der Gesamtanteil der Grundstoffe an den Endkonsumenten-Preisen ist. Ich würde daher nicht damit rechnen, dass wir in Supermärkten sichtbare Preissprünge durch das Niedrigwasser erleben werden“, so die Einschätzung von Thomas Puls.

Transportkosten steigen

Auch bei der Supermarktkette Rewe gibt man sich aktuell noch entspannt. „Aktuell sehen wir keine Auswirkungen auf die Warenversorgung. Wir stehen in engem Austausch mit unseren Lieferanten und sind flexibel aufgestellt, um die Versorgung auch weiterhin zu gewährleisten“, schreibt eine Sprecherin auf Anfrage. Zur Preisgestaltung in der Zukunft könne man keine Auskunft geben.

Klar ist aber, die Kosten steigen. „Natürlich ist der Transport mit 100 Lkw teurer als mit einem Binnenschiff“, sagt Rüdiger Ostrowski vom Verband Spedition und Logistik Nordrhein-Westfalen. „Das könnte die Produkte um ein paar Cent teurer machen.“ Per Binnenschifffahrt würden Massengüter transportiert, wie Getreide, Eisenerz oder Raps. Und darum könnte die Margarine, die aus dem Raps gemacht wird, auch teurer werden, „die kostet dann vielleicht 1,95 Euro statt 1,90 Euro pro Packung“, so seine Vermutung.

Sprit noch teurer

Etwas angespannter ist die Lage bei den Kraftstoffpreisen. Diese sind im Rheingebiet bereits relativ zum restlichen Bundesgebiet gestiegen. „Hintergrund ist, dass hier das Binnenschiff in die Transportketten eingebunden ist und die gestiegenen Transportkosten sehr schnell den Konsumenten erreichen. Auch bei Baukosten ist eine weitere Steigerung durch die Transportlage auf dem Rhein zu erwarten. Ein betroffenes Gut aus diesem Bereich ist beispielsweise Bitumen“, so Thomas Puls vom IW.

„Das derzeitige Niedrigwasser am Rhein wirkt preistreibend“, sagt auch der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Labere. Es sei aber nur einer von mehreren Einflussfaktoren auf die aktuellen Spritpreise. Durch die Verlagerung von günstigen Tankschiffen auf vergleichsweise kleine Lkw steigen die Preise. Zudem werde der deutsche Markt nicht ausschließlich über den Rhein, sondern über ein „Netzwerk aus Seehäfen, Raffinerien, Pipelines sowie den Schienen- und Straßenverkehr“ versorgt, sagt Laberer. „Daher dürfte das Niedrigwasser derzeit vor allem regional zu höheren Kraftstoffpreisen beitragen.“ Die teuersten Bundesländer bei Benzin sind aktuell Nordrhein-Westfalen und Hessen vor Bremen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Höhere Preise für Gemüse

Unabhängig vom Niedrigwasser sind die Folgen der langanhaltenden Dürre bereits in den Supermärkten angekommen. Nach Angaben von Marktbeobachtern ist Gemüse in zahlreichen Fällen für die Verbraucher teurer geworden. Bei Obst überwiegen hingegen günstigere Preise als im Vorjahr. Die beliebten Pommes werden nach einer Einschätzung aus Erzeugerkreisen häufig kürzer ausfallen.

Gerade bei Frischgemüse aus dem Freilandanbau seien die Preise zuletzt gestiegen, da das Angebot witterungsbedingt eingeschränkt ist, sagt Michael Koch, Bereichsleiter Gartenbau bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft. Das betreffe vor allem das Salatsortiment, aber auch einige Kohlgemüse wie Brokkoli, Blumenkohl oder Kohlrabi. Auch das Angebot an Möhren sei eher knapp, die Verbraucherpreise lägen aktuell über dem Niveau des Vorjahres. Auch in der Landwirtschaft seien die gestiegenen Kosten für Diesel ein Preistreiber.

Landwirtschaftsbetriebe versuchen sich anzupassen

Laut der Landwirtschaftskammer NRW passen viele Betriebe ihre Anbaumethode zunehmend an die Folgen des Klimawandels an. Dazu zählten auch besser angepasste Sorten oder auch verschiedene Sorten, um das Risiko zu streuen. Um mehr Wasser im Boden zu halten, werde der Pflug weniger eingesetzt.

Der Rheinische Landwirtschafts-Verband geht bei anhaltendem Regenmangel von deutlichen Ertragseinbußen bei den Kulturen aus, die aktuell auf dem Feld stehen. Vielerorts gehe es inzwischen nicht mehr um Spitzenerträge, sondern darum, überhaupt noch eine wirtschaftlich tragfähige Ernte einzufahren.

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Dr. Heinrich Krämer
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