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Freiheit ohne Kleider: Wie FKK-Vereine um Akzeptanz kämpfen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 26, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Freiheit ohne KleiderWie FKK-Vereine um Akzeptanz kämpfen

Ein großes Missverständnis ist die Annahme, dass auf einem FKK-Platz alle Menschen immer nackt sind und Kleidung verboten ist. (Foto: picture alliance/dpa)

Zwischen Vorurteilen und Freiheitsgefühl: Naturisten in Hessen kämpfen um ein neues Image. Nackt sein heißt hier nicht Erotik, sondern Gleichheit, Gemeinschaft und ein Stück Natur – bei jedem Wetter.

Für Naturisten gibt es nach Ansicht der Familiensportgemeinschaft Oberhessen weder einen perfekten Body noch das ideale Wetter. „Es gibt unterschiedliche Körper. Es interessiert uns nicht, wie der andere aussieht: Der Mensch zählt. Wir schauen uns in die Augen“, sagt der Vereinsvorsitzende Dietmar Binder. „Wir leben im Einklang mit der Natur und sind dabei meist unbekleidet.“

Die Frage nach den richtigen Temperaturen beantwortet Binder gelassen. „Das hängt vom jeweiligen Menschen ab. Dem einen Mitglied sind 15 Grad schon zu warm. Andere sagen: Ich brauche 25 Grad, bevor ich das T-Shirt ausziehen kann.“ 

Rund um das Schwimmbad auf dem Vereinsgelände am „Sonnenhügel“ in Alsfeld gilt Nacktheit als Pflicht. Auf dem übrigen Areal entscheide jedes Mitglied selbst, ob es Kleidung tragen möchte. „Wer beispielsweise Tischtennis in der Sonne nicht unbekleidet spielen mag, darf sich etwas überziehen“, erklärt der Vorsitzende. Es ist jedem Mitglied selbst überlassen, wie es aus dem Wohnwagen herausgeht.

Immer wieder Missverständnisse

Gegen Missverständnisse muss sich der Verein nach Angaben Binders immer wieder wehren. „Der Begriff FKK hat ein gewisses Geschmäckle, wie man auf Schwäbisch sagt“, berichtet er. „Da gibt es diese FKK-Clubs im Rotlichtmilieu und Swingerclubs. Aber damit haben wir nichts zu tun.“ Entsprechende Anfragen habe der Verein bereits abgelehnt. 

Das rund 25.000 Quadratmeter große Vereinsgelände verfügt unter anderem über ein Schwimmbad, eine Sauna, ein Boulefeld sowie Angebote wie Tischtennis, Volleyball, Pilates und gemeinsame Radtouren. Außerdem stehen 50 Stellplätze für Wohnwagen und Wohnmobile zur Verfügung.

Der Deutsche Verband für Freikörperkultur zählt bundesweit etwa 35.000 organisierte Mitglieder, wie Vizepräsidentin Manuela Fernandez erklärt. Die Geschlechterverteilung sei nahezu ausgeglichen, aber mehr als die Hälfte aller Mitglieder sei 61 Jahre oder älter. „Damit ist der ganze Verband eher überaltert, leider“, ergänzt Fernandez. „Ich sehe in den Vereinen seit Jahren eine gewisse Aufbruchsstimmung, da endlich viele alte weiße Männer verstanden haben, dass junge Menschen unter 40 Jahren den Naturismus gerne leben möchte, aber nicht in verkrusteten Strukturen und mit veralteten Vorbildern.“

Viele Vereine haben nach den Worten der Vizepräsidentin inzwischen einen modernen Internetauftritt und eine Social-Media-Präsenz, um Menschen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren besser zu erreichen. „Unsere aktive Werbung gilt überwiegend jungen Familien“, erklärt Fernandez. FKK-Wetter ist laut Verbandssprecherin dann, „wenn man sich nackt draußen bewegen kann, ohne zu frieren, das kann im Mai bei 20 Grad sein, wenn die Sonne scheint, manchmal auch Anfang Oktober noch“.

Nicht alle immer nackt

Als „größtes Missverständnis“ bezeichnet Fernandez die Annahme, dass auf einem FKK-Platz alle Menschen immer nackt und Kleidung verboten sei. „Das geht gar nicht, da wir auch nicht frieren wollen. Es soll angenehm sein, es soll befreiend sein, es soll ein Gefühl von Verbundenheit mit der Natur sein, mehr nicht.“ Es gehe nicht um Prinzipien und genauso wenig um „Sehen und gesehen werden“. „Und für Frauen gibt es jeden Monat Tage, wo es ohnehin schwierig ist, und für Pubertierende ist es auch eine herausfordernde Zeit“, ergänzt sie.

Das Thema Smartphone mit Kamera sei anfangs ein großes Thema in der FKK-Community gewesen, aber dies habe sich total eingespielt und sei seit Jahren kein Hemmnis. „Es ist manchmal ein bisschen digital detox“, berichtet Fernandez. „Und es gibt auch keine Selfies. Das entspannt ungemein.“

Um ein entspanntes Miteinander geht es auch beim Bund der Natur- und Sonnenfreunde Gießen. Der Verein für Freikörperkultur und Naturismus mit etwa 100 Mitgliedern und eigener Badestelle an der Lahn richtet sich vor allem an Paare und Familien mit Kindern, aber auch Einzelpersonen sind willkommen. Menschen, die sich für eine Mitgliedschaft interessieren, schaue man sich vorab genau an und spreche mit ihnen über ihre Beweggründe, sagt der zweite Vereinsvorsitzende Thomas Rupp. Ein persönliches Kennenlernen, bei dem geprüft werde, ob es passt, sei Grundvoraussetzung. Per Unterschrift müssten sich Neu-Mitglieder auch mit dem Verhaltenskodex einverstanden erklären.

„Gleicher unter Gleichen“

Was ist eigentlich reizvoll an der Freikörperkultur? „Ich bin ein sehr bequemer Mensch“, sagt Rupp. Für einen Gang übers Gelände müsse er nicht jedes Mal Kleidung überziehen. Auch die Natur nehme man „viel echter“ und „hautnah“ wahr – etwa auch bei Außenveranstaltungen wie Nacktwanderungen oder Nacktradtouren.

Das Nacktsein erzeuge zudem eine gewisse Gleichheit. „Wer hierherkommt, muss sich ausziehen, der muss Gleicher unter Gleichen sein“, sagt Rupp. Ausgenommen seien allerdings Kinder und Jugendliche, die auf dem Gelände ihre Kleidung zwar ablegen dürfen, wenn sie dies möchten, aber nicht müssen. „Wer das von Minderjährigen verlangen würde, den würde ich persönlich zur Tür bringen“, sagt Rupp. Um die Einhaltung dieser Regeln und um die Prävention sexueller Gewalt kümmern sich bei dem Verein auch zwei eigens ernannte Beauftragte.

Quelle: ntv.de, Michael Bauer, Christine Schultze und Andrea Löbbecke, dpa

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