Der Protest in Genf gegen den G7-Gipfel ist nach friedlichem Beginn eskaliert: Protestierende warfen Scheiben ein und legten Feuer, Sicherheitskräfte antworteten mit Tränengas.
Die Polizisten in Helmen und Kampfmontur stürmen nach vorn. Nahe der Place des Nations haben Demonstrierende Steine und Flaschen auf sie geworfen. Die Sicherheitskräfte antworten mit Tränengasgranaten, nicht zu knapp. Es brennt in den Augen. Aber da sind schon einige Scheiben zu Bruch gegangen, von Banken, einer Unternehmensberatung, und auch an UN-Gebäuden.
Zuvor hatten die meist Vermummten Müllcontainer und Autoreifen angezündet, auch ein Tesla ging in Flammen auf. Die Polizei versucht die Demo aufzulösen. Doch das Hin und Her geht zunächst weiter – auch ein Wasserwerfer kommt zum Einsatz. Am späten Abend berichten Demo-Organisatoren, dass mindestens 200 Leute von der Polizei eingekesselt wurden. Nach Polizeiangaben wurden „mehrere“ Menschen festgenommen. Zur genauen Zahl machte die Polizei keine Angaben. Es habe keine Verletzten gegeben.
Protest startet friedlich
Eloise aus Genf ist überzeugt, die Demo sei gut und „weitgehend friedlich. Gut, dass wir demonstrieren“. Der Protestzug war am Nachmittag im Park Mon Repos am Ufer des Genfer Sees gestartet – friedlich und bunt. Auf vielen Plakaten ging es um mehr Rechte für Frauen, besseren Klimaschutz und Frieden in Palästina. Und um Kritik an den G7, die sich im nahen Evian treffen. „Ich demonstriere für Frauenrechte und gegen den G7-Gipfel – dass kein Staat über dem anderen steht“, sagt ein Teilnehmer.
Die Genfer Stadtverwaltung hatte dem Demo-Bündnis eine klare Route für den Protestzug vorgegeben. Es sollte nicht wieder an Orte gehen, wie die Montblanc-Brücke, wo es beim letzten großen Evian-Gipfelprotest vor über 20 Jahren Ausschreitungen gegeben hatte. Deshalb haben sich diesmal viele Geschäfte, Hotels und Banken verbarrikadiert. Für Robert, dessen Laden nun hinter Sperrholzplatten dicht ist, nötig sowie ärgerlich: „Drei Tage schon haben wir geschlossen. So schlecht fürs Geschäft! Wir blechen für die Fehler der anderen“, sagt er.
Demonstrationen am Vorabend des G7-Gipfels
Die Demonstranten ziehen am Sonntag an vielen verrammelten Schaufenstern vorbei. Sie haben dabei das kleine Evian rund 50 Kilometer entfernt am Genfer Seeufer im Blick. Den G7, der Gruppe der sieben Industriestaaten, will Gerard, einer der Demonstrierenden, folgendes mitgeben: „Da sind sieben Leute, die für den ganzen Planeten entscheiden. Angeführt von Donald Trump, der eine abscheuliche Person ist und der Welt nicht guttut. Dagegen protestieren wir.“
Montagabend werden die G7-Staats- und Regierungschef im französischen Evian ihre Gipfelgespräche beginnen. Völlig abgeschirmt von Protesten.
