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Startseite»Politik»Gedenken an Mauerbau – Warnung vor Geschichtsvergessenheit
Politik

Gedenken an Mauerbau – Warnung vor Geschichtsvergessenheit

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 13, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 13.08.2026 • 13:36 Uhr

Vor 65 Jahren begann der Bau der Mauer in Berlin. Bei der zentralen Gedenkfeier haben Spitzenpolitiker dazu gemahnt, die Erinnerung an die deutsche Teilung wachzuhalten – und vor einer Verklärung der Geschichte gewarnt.

Zum 65. Jahrestag des Mauerbaus ist bei einer zentralen Gedenkfeier in der Bernauer Straße in Berlin-Mitte an die Opfer der deutschen Teilung erinnert worden. Rund 120 Gäste aus Politik, Kultur und Gesellschaft nahmen an der Veranstaltung teil, darunter Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (beide CDU) und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos).

„Die frühere Grenze ist fast unsichtbar geworden“, sagte Klöckner in ihrer Rede. „Und doch ist sie da. Die Mauer hat in Deutschland Spuren gezogen, die unsere Wege heute noch beeinflussen.“ Zwar sei die Mauer 1989 gefallen, sie scheine aber häufig noch in den Köpfen zu stecken. „Politische Fragen werden auf beiden Seiten manchmal sehr unterschiedlich beantwortet: Migration, Corona, der Umgang mit Russland“, so Klöckner. „Wir müssen aus unserer Geschichte lernen. Wir dürfen uns nicht in ihr verlieren.“

„Die Mauer teilte nicht nur die Bernauer Straße, nicht nur Berlin. Sie teilte Deutschland, Europa. Und sie teilte die Welt“, so die Bundestagspräsidentin. Sie rief dazu auf, dass die Menschen in Deutschland einander zuhören sollten. In der Kapelle der Versöhnung würdigte Klöckner auch die Mauertoten und erinnerte etwa an Günter Litfin, der als erstes Opfer des Schießbefehls gilt.

Weimer warnt vor Verharmlosung

Kulturstaatsminister Weimer warnte vor einer Instrumentalisierung des SED-Regimes: „Links- wie Rechtsextreme versuchen derzeit, die DDR gezielt zu verharmlosen. Doch das SED-Regime war eine brutale Diktatur ohne freie Wahlen, ohne Pressefreiheit, ohne Reisefreiheit, dafür aber mit Stasi, Folterkellern und Todesstreifen an der Mauer.“

Auch Weimer forderte ein regelmäßiges Gedenken an die Opfer der DDR: „Da immer mehr Zeitzeugen sterben, sind Orte der Erinnerung besonders wichtig“, sagte er. „Wenn die Erinnerung an die SED-Diktatur verblasst und das Unrecht und die Verbrechen verharmlost werden, beginnt Geschichtsvergessenheit. Eine freie Gesellschaft darf das nicht zulassen.“

Freiheit und Demokratie seien nicht selbstverständlich

Bundeskanzler Friedrich Merz rief auf der Onlineplattform X zur Verteidigung der Demokratie auf. „Die Lektion der Mauer bleibt: Freiheit und Demokratie sind nicht selbstverständlich. Wir müssen immer dafür kämpfen“, so der CDU-Chef. Er wies zugleich darauf hin, dass die Menschen heute „in Frieden und Freiheit“ leben könnten: Deutschland sei inzwischen länger vereint, als es durch die Mauer geteilt gewesen sei.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete den Bau der Mauer durch die DDR-Führung als „das Zeugnis eines hoffnungslosen Scheiterns“. Er schrieb auf X: „Vor 65 Jahren riegelte die SED-Diktatur Berlin ab. Die Mauer teilte eine lebendige Stadt, Familien, Freundschaften und Leben.“ Steinmeier erinnerte daran, dass „mindestens 260 Menschen an der Mauer ihr Leben durch das DDR-Grenzregime verloren“.

DDR-Volkspolizisten und Arbeiter beim Bau der Mauer im Norden Berlins.

Mauer sei Symbol der Unfreiheit gewesen

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bezeichnete die Berliner Mauer als „das Symbol für Unfreiheit in der DDR“. „Mit dem Bau der Berliner Mauer wurde die deutsche Teilung für 28 Jahre zementiert“, sagte die SPD-Politikerin in einer Mitteilung. „Wir erinnern an diesem Tag an alle, die beim Versuch, die Mauer oder die innerdeutsche Grenze zu überwinden, ums Leben gekommen sind oder in Folge von Fluchtversuchen verletzt, inhaftiert oder drangsaliert wurden.“

Obwohl die Mauer lange gestanden habe, seien die Verbindungen zwischen Ost und West nie vollständig abgerissen, sagte Schwesig. Inzwischen seien fast 37 Jahre seit dem Fall der Mauer vergangen. „Wir haben das große Glück, dass wir heute in einem vereinten Deutschland in Frieden, Freiheit und Demokratie leben. Das müssen wir uns unbedingt bewahren“, erklärte sie.

Mauer sollte Abwanderung in den Westen verhindern

Mit dem Bau der Berliner Mauer wurde am 13. August 1961 begonnen. Die SED-Führung in der DDR wollte so die massenhafte Abwanderung von Menschen in den Westen Berlins und in die Bundesrepublik stoppen. Das Bauwerk und weitere Sperranlagen entlang der innerdeutschen Grenze trennten die Bundesrepublik Deutschland und die DDR 28 Jahre lang. Nach Massenprotesten im Zuge der friedlichen Revolution in der DDR wurde die Mauer am 9. November 1989 geöffnet. Am 3. Oktober 1990 folgte die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten.

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