Gegenschlag in Region CharkiwSelenskyj spricht über ukrainische Tunneloffensive bei Kupjansk
Kilometerlange Gasleitungen werden bei Kupjansk zum Schauplatz einer ungewöhnlichen Gegenoffensive. Ukrainische Soldaten dringen durch stillgelegte Röhren vor, die russische Truppen zuvor selbst für Infiltrationen genutzt haben. Nun äußert sich auch Präsident Selenskyj.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich zu den ukrainischen Vorstößen in dem Tunnelsystem nahe der Stadt Kupjansk in der Region Charkiw geäußert. Ihm zufolge wurden im Rahmen der „Operation Veles“ bereits mehr als 100 russische Soldaten eliminiert sowie Dutzende gefangengenommen. Der Vorstoß von Kiews Truppen unter der Erdoberfläche betrage mehr als 15 Kilometer. Die Zahlen hatte das 2. Khartiia-Korps der ukrainischen Nationalgarde bereits am 22. Oktober veröffentlicht. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
„Die Russen hatten bereits versucht, unterirdische Gaspipelines zu nutzen, um unsere Stellungen zu infiltrieren und Angriffsoperationen zu starten“, schrieb Selenskyj am Abend auf X. „Ukrainische Kämpfer haben diese Taktik erfolgreich umgekehrt, weiterentwickelt und wesentlich technologischer gemacht.“
Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs unternahmen die russischen Streitkräfte am Montag keine Angriffe in Richtung Kupjansk. Die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) hatte bereits am Wochenende unter Berufung auf russische Militärblogger berichtet, dass die ukrainische Operation russische Stellungen gefährden und Moskau zu einer Umgruppierung seiner Truppen zwingen könnte.
In einem Video, das das Khartiia-Korps vergangene Woche veröffentlichte, sieht man Bodenroboter und ukrainische Soldaten, die sich teilweise auf Rollbrettern durch enge, dunkle Leitungen bewegen. Dem Verband gelang es laut eigenen Angaben, das „Stellungspatt“ in dem Frontabschnitt zu überwinden.
„Mit ihren eigenen Waffen geschlagen“
Das Korps nimmt für sich in Anspruch, die weltweit erste umfassende Gegenoffensive unter Tage durchgeführt zu haben. Ziel der Operation sei es, den russischen Angreifern die Möglichkeit zu nehmen, sich durch die stillgelegter Gasleitungen auf Kupjansk zuzubewegen. Benannt ist die Operation nach dem Gott der Unterwelt in der slawischen Mythologie.
„Die Russen glaubten, unterirdische Tunnel seien ein Mittel, mit dem nur sie unsere Verteidigungsanlagen umgehen könnten“, teilte Khartiia-Kommandant, Ihor Obolienskyj, mit. „Wir haben ihre Erfahrungen studiert, sie mit ihren eigenen Waffen geschlagen und diese Bedrohung in einen Vorteil für unsere Gegenoffensive verwandelt.“
Die Shebelynka–Ostrohozk-Gaspipeline aus der Sowjetzeit verläuft nördlich von Kupjansk unter dem Fluss Oskil von Ost nach West. Zusätzlich zu dem Hauptstrang mit einem Durchmesser von etwa 120 Zentimetern gibt es noch mehrere parallel verlaufende Röhren.
Neben dem Vorgehen unter der Erde greifen ukrainische Einheiten russische Stellungen auch an der Oberfläche an. Nach Angaben des Khartiia-Korps sind an der Operation weitere ukrainische Verbände beteiligt, darunter Einheiten des Militärgeheimdienstes HUR. Auch die pro-ukrainische Legion Freies Russland und das Russische Freiwilligenkorps werden genannt.
