Mit neuen Zöllen will US-Präsident Trump Kanada empfindlich treffen. Doch Premier Carney gibt nicht nach – und droht selbst mit Gegenzöllen. Kann das gut gehen?
Warum fühle es sich so an, als ob Kanadas Premier Mark Carney in den Krieg ziehen würde, fragt ein Journalist. Carney antwortet: „Man ist im Krieg, wenn man angegriffen wird.“ Und Kanada sei angegriffen worden.
In letzter Sekunde waren die Handelsgespräche mit den USA gescheitert. Aus Sicht des kanadischen Premiers, weil die Trump-Regierung plötzlich immer neue Bedingungen gestellt habe. Forderungen im wichtigen Automobilsektor wollten die Kanadier nicht hinnehmen – und die Vorgabe, dass Kanada seine Handelsbeziehungen zu anderen Ländern einschränken soll. „Wir können ihr Angebot nicht akzeptieren und werden ihre Forderung nicht erfüllen“, machte der Premierminister deutlich.
Weitere Zölle angekündigt
Die Folge: US-Zölle in Höhe von 50 Prozent auf eine ganze Reihe kanadischer Waren. Milchprodukte, Möbel, Hockeyschläger, Zement, Kleidung – auch auf Holz – einem der wichtigsten Rohstoffe aus Kanada.
Und es geht noch weiter. Auf seiner Plattform Truth Social kündigt Donald Trump weitere Zölle an: Ab Januar sollen auch Autos, große und kleine Lastwagen, Autoteile und Stahl aus Kanada mit Zöllen in Höhe von 50 Prozent belegt werden. Damit attackiert der US-Präsident einige der wichtigsten Industrien von Kanada.
Die harte Linie des Premiers
Wie reagieren die Menschen im Land auf die harte Linie ihres Premierministers? „So gut wie jeder Kanadier hätte sich über ein Abkommen gefreut, aber nur, wenn es vorteilhaft gewesen wäre,“ erklärt die kanadische Politikberaterin Diamond Isinger in einem TV-Interview mit Al Jazeera. „Es gibt hier in Kanada eine breite Unterstützung über Parteigrenzen hinweg für die Vergeltungsmaßnahmen. Auch, wenn sie kurzfristig mit wirtschaftlichen Herausforderungen verbunden sein werden.“
Selbst oppositionelle Politiker aus den kanadischen Provinzen stehen hinter Carney. Allen voran Doug Ford, Premier von Ontario – wo das industrielle Herz von Kanada schlägt. Kaum eine Provinz ist so stark von den US-Zöllen betroffen wie seine. Doug Ford findet Carneys Kurs dennoch richtig: „Er hat meine volle Unterstützung, mit Gegenzöllen zurückzuschlagen“, sagt er. „Wir werden alles tun was nötig ist, um unsere Souveränität zu verteidigen. Wir sind stolze Kanadier. Und wir werden die zwei Jahre durchstehen – wenn sie durchhalten.“
Wirtschaftsverbände warnen
Kanada hat bereits Gegenzölle angekündigt: auf Milchprodukte, Papier, Stahl oder Elektrogeräte aus den USA. Anfang September treten die kanadischen Zölle in Kraft, die etwa das gleiche Handelsvolumen haben wie die US-Zölle. Rund 20 Milliarden Dollar. Von Anfang an war das die Strategie Carneys: Gegenmaßnahmen – Dollar für Dollar.
Wirtschaftsverbände warnen allerdings vor einem längeren Zollkrieg. Sie sehen vor allem die Existenz kleiner kanadischer Betriebe bedroht und Zehntausende Arbeitsplätze in Gefahr. Wirtschaftsvertreter fordern, dass Carney schnell an den Verhandlungstisch zurückkehrt.
Zurück an den Verhandlungstisch?
Er hat dazu eine klare Haltung: „Wenn die Amerikaner zuerst an den Verhandlungstisch zurückkehren, mit der richtigen Einstellung unseren Branchen gegenüber und einer echten Partnerschaft, dann kehren wir natürlich zurück.“
Aber, ergänzt Carney, wenn die Vereinigten Staaten sich so verhalten, als ob Kanada eine Tochterfirma der USA sei, und die kanadische Wirtschaft benachteiligt werde, dann werde man dies nicht akzeptieren.

