Heizen könnte noch teurer werdenVerivox sagt weitreichende Gaspreiserhöhungen vorher
Die deutschen Gasspeicher sind vergleichsweise leer, ein Versorgungsengpass droht laut Verivox vorerst aber nicht. Doch die Kosten für Verbraucher könnten weiter steigen. Von der Bundesregierung fordert er deshalb mehr Einsatz gegen wachsende Energiepreise.
Für Gaskunden könnte der Winter noch teurer werden: Nach dem bereits deutlichen Preisanstieg müssen sich Verbraucher dem Vergleichsportal Verivox zufolge auf weitere Aufschläge einstellen. „Wir rechnen mit weiteren flächendeckenden Preiserhöhungen, auch für Bestandskunden“, sagte Verivox-Chef Daniel Puschmann den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Gas koste aktuell knapp 20 Prozent mehr als im Vorjahr, rund 13 Cent je Kilowattstunde.
Verbraucher sollten deshalb ihre bestehenden Verträge prüfen und bei einer Preiserhöhung die Angebote vergleichen, erklärte Puschmann. Wer noch eine Preisgarantie habe, müsse dagegen nicht unbedingt handeln.
Auch an den Großhandelsmärkten sind die Preise zuletzt deutlich gestiegen. Sie lägen inzwischen rund 200 Prozent über dem Vorjahresniveau, erklärte Puschmann. Im Februar habe eine Megawattstunde noch 32 Euro gekostet, inzwischen seien es 96 Euro. „Das wird sich zeitversetzt auch in den Haushaltsverträgen niederschlagen.“ Wie stark die Gaspreise noch steigen könnten, lasse sich allerdings schwer vorhersagen. Die Versorger kauften unterschiedlich ein und verfolgten verschiedene Strategien.
Konkurrenz um knappe Gasvorkommen
Ein unmittelbarer Engpass bei der Gasversorgung drohe trotz der vergleichsweise leeren Speicher nicht, betonte der Verivox-Chef. „Die Situation ist anders als 2022“, sagte Puschmann. Wegen der Störungen der Versorgung, insbesondere im Nahen Osten, konkurriere Europa mit anderen Abnehmern wie Japan um knappere Ressourcen. „Das ist aus meiner Sicht vor allem eine Frage des Preises und nicht die Frage, ob überhaupt noch Gas kommt.“ Entscheidend werde daher sein, wie teuer das Heizen werde.
Wer einen neuen Vertrag abschließe, sollte neben dem Preis auch auf die Laufzeit achten. Bei neueren Verträgen bestehe nach Ablauf der Mindestlaufzeit in der Regel nur noch eine monatliche Kündigungsmöglichkeit. Ältere Verträge könnten sich dagegen automatisch um zwölf oder sogar 24 Monate verlängern. Verbraucher sollten deshalb rechtzeitig kündigen, um nicht länger an höhere Preise gebunden zu sein.
Von der Bundesregierung forderte Puschmann mehr Aufmerksamkeit für die steigenden Kosten bei Strom und Gas. Die Politik konzentriere sich derzeit stark auf das Tanken. „Die Spritpreise sind unmittelbar sichtbar, während die höheren Gaspreise erst zeitversetzt bei den Haushalten ankommen.“ Dabei sei absehbar, dass auch Strom und Gas die Verbraucher weiter stark belasteten. Eine Möglichkeit zur Entlastung sei eine Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau. Das würde einem Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden rund 90 Euro bringen, einem Paar mit 2500 Kilowattstunden etwa 60 Euro.
