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Rechenzentren verbrauchen enorme Mengen Strom und Wasser. Betreiber sind gesetzlich verpflichtet, ihren Verbrauch zu veröffentlichen. Doch Anfragen des SWR an mehr als 30 Unternehmen zeigen: Viele nehmen es mit der Transparenz nicht so ernst.
Heute öffnen Unternehmen beim „Tag der offenen Rechenzentren“ ihre Türen und bieten geführte Besichtigungen an. Sie wollen „Einblicke hinter die Kulissen“ geben und „mehr Transparenz schaffen“, heißt es auf der Website des Veranstalters, der German Datacenter Association (GDA). Das gläserne Rechenzentrum, sozusagen.
An anderer Stelle nimmt es die Branche mit der Transparenz jedoch nicht ganz so ernst. In den Rechenzentren stehen Hunderttausende Server, die viel Energie benötigen – nach Angaben des Digitalverbands Bitkom knapp vier Prozent des gesamten Stroms in Deutschland. Je nach Kühltechnik ist auch der Wasserverbrauch enorm. Betreiber sind nach dem Energieeffizienzgesetz dazu verpflichtet, für jedes größere Rechenzentrum Daten zu Strom- und Wasserverbrauch zu veröffentlichen.
Verbrauch vieler Rechenzentren bleibt verborgen
Recherchen und Anfragen des SWR Data Lab bei rund 30 der bundesweit größten Betreiber zeigen allerdings: mehr als die Hälfte von ihnen kommt dieser Pflicht mutmaßlich nicht nach. Im Internet fand der SWR die vorgeschriebenen Angaben nicht. Auf Anfragen reagierten viele Betreiber nicht oder verweigerten die Auskunft. Darunter sind auch Marktführer wie Equinix, NTT und CloudHQ. Damit bleibt der Strom- und Wasserverbrauch zahlreicher großer Rechenzentren der Öffentlichkeit verborgen.
Bernhard Wegener, Professor für Öffentliches Recht und Europarecht an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, kommt zur Einschätzung: „Mit dem Energieeffizienzgesetz ist diese Praxis nicht vereinbar. Die Öffentlichkeit hat einen Anspruch auf diese Daten.“ Julian Bothe, KI- und Nachhaltigkeitsexperte bei Algorithmwatch, kritisiert die Intransparenz der Betreiber: „Wir sind mitten in einer Energiepreiskrise und in einer Wasserkrise.“
Um im internationalen Wettrennen mitzuhalten, will die Bundesregierung die Leistung der Rechenzentren bis 2030 verdoppeln. Überall im Land entstehen derzeit neue Anlagen, viele davon in Regionen, in denen das Grundwasser ohnehin knapp wird. Dabei unterscheidet sich die Effizienz der Zentren: Manche verbrauchen für dieselbe Leistung deutlich mehr Strom als andere. „Damit wir darüber diskutieren können, ist es notwendig, dass die Öffentlichkeit über den Ressourcenverbrauch einzelner Rechenzentren Bescheid weiß“, sagt Bothe. Laut Bitkom gibt es in Deutschland bislang 100 Rechenzentren mit einer Anschlussleistung von fünf Megawatt oder mehr.
Betreiber berufen sich auf Geschäftsgeheimnisse
Mehrere vom SWR angefragte Betreiber verweigern die Veröffentlichung der Daten jedoch unter Verweis auf Geschäftsgeheimnisse. Equinix, einer der weltweit größten Betreiber, argumentiert etwa, Angaben zu einzelnen Rechenzentren könnten Wettbewerbern verraten, wo das Unternehmen wächst und investiert. Bei Rechenzentren mit wenigen Kunden ließen sich zudem Rückschlüsse auf deren Bedürfnisse ziehen. Equinix ist der Auffassung, „sämtliche anwendbaren Berichts- und Offenlegungspflichten gemäß dem Energieeffizienzgesetz“ zu erfüllen.
Ob Strom- und Wasserverbrauch tatsächlich schützenswerte Geheimnisse sind, ist allerdings fraglich. Nach Einschätzung eines von Algorithmwatch in Auftrag gegebenen Gutachtens dürfte dies nur in Ausnahmen der Fall sein. Experte Wegener kommt zu einer ähnlichen Einschätzung.
Betreiber NTT teilt auf Anfrage lediglich den Gesamtenergieverbrauch für 2025 mit, der dem Jahresverbrauch von etwa 450.000 Haushalten entspricht. Konkrete Angaben zu einzelnen Rechenzentren verweigert NTT mit dem Verweis auf die EU-Energieeffizienzrichtlinie, die Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse von der Veröffentlichungspflicht ausnehme.
Tatsächlich enthält das deutsche Energieeffizienzgesetz, anders als die EU-Richtlinie, aber keine Ausnahme für Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse. Zum Vorwurf, gegen das deutsche Energieeffizienzgesetz zu verstoßen, wollte NTT keine weitere Stellung nehmen.
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle ist für die Erhebung der Daten zuständig. Auf SWR-Nachfrage hieß es, es gebe „keine Absprachen, um bestimmte Angaben wegen Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen von der Veröffentlichung auszunehmen“.
Auch CloudHQ stellte dem SWR die angefragten Daten nicht zur Verfügung. Auf den Vorwurf, gegen das Gesetz zu verstoßen, hat CloudHQ nicht reagiert.
Die GDA, der Branchenverband der Rechenzentrumsbetreiber, hält die Zurückhaltung der Unternehmen für nachvollziehbar. Sie verweist auf den Schutz digitaler Infrastruktur: Rechenzentren seien hochsensible Einrichtungen, deren Sicherheit höchste Priorität habe.
Nationales Rechenzentrumsregister veröffentlicht
Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) bestätigt, dass die Unternehmen ihren Ressourcenverbrauch offenlegen müssen. Im August veröffentlichte das Ministerium dafür das Nationale Rechenzentrumsregister (RZReg). Von den 100 größten Rechenzentren in Deutschland ist dort allerdings nur knapp jedes vierte verzeichnet. Laut BMWE hätten viele Betreiber ihre Daten zwar an das Ministerium übermittelt, einer Veröffentlichung im RZReg jedoch nicht zugestimmt. Wo die Betreiber ihre Angaben offenlegen, bleibt ihnen selbst überlassen.
Die GDA schreibt dazu: Allein aus einer nicht beantworteten Presseanfrage lasse sich nicht schließen, dass die Betreiber gegen ihre gesetzlichen Pflichten verstoßen.
Allerdings konnte der SWR die Kennzahlen auch auf den Webseiten der meisten Betreiber nicht finden. Obwohl zahlreiche Unternehmen mutmaßlich gegen die Veröffentlichungspflicht verstoßen, hält das BMWE Kontrollen für „nicht erforderlich“ – schließlich handele es sich um eine „allgemein gültige Rechtspflicht“. Rechtswissenschaftler Wegener hält dieses Vorgehen für „rechtsstaatlich problematisch“.
Geplante Novelle könnte Veröffentlichungspflicht aufweichen
Eine geplante Änderung des Energieeffizienzgesetzes könnte die Transparenz weiter einschränken. Sie sieht vor, Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse von der Veröffentlichungspflicht auszunehmen. Die Bundesregierung würde damit Forderungen von Bitkom und GDA entgegenkommen. Julian Bothe von Algorithmwatch vermutet, dass Betreiber nicht offenlegen wollen, „wie groß der Stromverbrauch schon heute ist und wie viel Energie aufgrund von Ineffizienzen verschwendet wird“.
Im EU-Recht ist eine solche Geheimhaltungsklausel schon enthalten. Nach Recherchen der Zeit wurde sie nahezu wortgleich von einem Lobbyverband übernommen und verstößt möglicherweise gegen die Aarhus-Konvention, nach der Umweltinformationen öffentlich zugänglich sein müssen.
Sollte der Bundestag die Novelle beschließen, könnten Betreiber ihren Ressourcenverbrauch künftig leichter als Geschäftsgeheimnis einstufen. Für die Öffentlichkeit wäre dann noch schwieriger nachzuvollziehen, wie viel Strom und Wasser einzelne Rechenzentren tatsächlich verbrauchen.
