Reportage
Egal ob WM-Stadion oder Fan-Fest: Nicht verkauftes Essen geht in Kansas City an hilfsbedürftige Familien. Die Organisation Pete’s Garden hat bislang 15.000 Mahlzeiten verteilt – auch Hühnchen von Messis Geburtstagsfeier.
Jennifer Olson zeigt auf eine große Auflaufform: „Mac and Cheese, das kommt direkt aus dem Stadion.“ Hier im Untergeschoss einer Kirche in Kansas City arbeiten gerade etwa ein Dutzend Helferinnen und Helfer der gemeinnützigen Organisation Pete’s Garden. Ihre Mission: Übrig gebliebenes Essen vor dem Müll bewahren und an bedürftige Familien verteilen.
Und da kommt jetzt während der Fußball-Weltmeisterschaft einiges zusammen: aus dem Stadion – Kansas City war Austragungsort von sechs WM-Spielen – vom Fan-Fest, aus Hotels. Acht Tonnen Essen hat Pete’s Garden in Zusammenarbeit mit der FIFA bereits gerettet.
Mac and Cheese – Nudeln mit Käse – ist ein in den USA sehr beliebtes Gericht. Was im WM-Stadion nicht verkauft wurde, teilen die Helfer in einzelne Portionen, die an Bedürftige gehen.
Eins von sechs Kindern ohne gesundes Essen
An Küchentresen portionieren die freiwilligen Helfer Essensportionen und verteilen sie in kleine Container. An der Wand stehen Regale mit großen Schüsseln und Auflaufformen. Das Essen auf diesem Regal sei gestern Abend nach einer Veranstaltung tiefgefroren worden, erklärt Jennifer. Am Morgen sei es hier eingetroffen. Nun werde es portioniert und dann zu sozialen Organisationen in Kansas City gebracht.
„Von dort kommt es dann noch heute zu bedürftigen Familien“, sagt Jennifer. „Die Vorstellung, dass dieses Essen auf dem Müll landen könnte, statt auf dem Tisch bedürftiger Familien, bricht mir das Herz.“ Eins von sechs Kindern in Kansas City habe nicht regelmäßig Zugang zu einem gesunden Familienessen, so die 55-Jährige.
Jennifer Olson teilt die freiwilligen Helfer ein.
Weit mehr als nur Hotdogs
Auch Helferin Liz sagt, es sei ihr wichtig zu helfen. Nicht nur, weil sie das Gefühl habe, etwas Sinnvolles zu tun, indem sie der Community helfe. Sondern auch, weil es einfach traurig sei, wenn dieses Essen auf der Müllhalde lande.
Das Essen, das sie im Rahmen der WM-Veranstaltungen bekommen, sind nicht nur Stadion-Hotdogs, sondern auch gesunde, vollwertige Gerichte – zum Beispiel aus Hotels.
Die älteste Helferin ist 92
Jennifer ist die Volunteer-Managerin, teilt die freiwilligen Helfer ein. Während der WM arbeiten sie zum Teil in zwei Schichten, immer dann, wenn es am Vorabend besonders viel Essen gegeben habe – zum Beispiel nach einem Spiel im Stadion.
Sie erzählt, als klar gewesen sei, dass Kansas City Austragungsort bei der WM sei, hätten sie die FIFA kontaktiert und ihr Konzept vorgestellt. Die FIFA habe sofort zugestimmt, das übrig gebliebene WM-Essen zur Verfügung zu stellen.
Mit 92 die Älteste im Team: Eileen ist für den Schinken zuständig – und für gute Laune.
Eileen ist die älteste der Volunteers und auch diejenige, die am längsten als Volunteer dabei ist. Gerade steht sie an einem silbernen Küchentresen und befüllt kleine Container mit Schinken. Sie sei für den Schinken zuständig, den dürfe sonst keiner anrühren, lacht sie. Eileen ist 92 Jahre alt.
Ehrenamtliche Arbeit vor allem für Kinder ist ihr Ein und Alles. „Sollte ich irgendwann zu Hause festsitzen und nicht mehr Autofahren können, dann könnt Ihr am nächsten Tag meinen Nachruf lesen“, scherzt sie und beugt sich wieder über ihren Schinken.
Auch Messis Geburtstagsessen dabei
Ein absolutes Essens-Highlight, da sind sich alle einig, war das Geburtstags-Essen von Lionel Messi. Die Argentinier haben ihr Teamquartier in Kansas City, und Pete’s Garden bekommt auch das übrig gebliebene Essen der Nationalmannschaft, inklusive Messis Geburtstagsessen.
„Die Vorstellung, dass Messis birthday dinner hierhergekommen ist, ist toll. Wir haben es portioniert und am Abend nach Messis Geburtstag konnten Fußball-Fans in Kansas City sagen, ich habe das wunderbare argentinische Hühnchen-Gericht gegessen, das Messi zum Geburtstag hatte.“
Acht Tonnen gerettetes Essen
Nach zwei Stunden sind sie fertig. 580 Gerichte haben sie an diesem Tag verpackt. Und wenn die WM vorbei ist? Hört Pete’s Garden dann auf? Jennifer schüttelt vehement den Kopf: natürlich nicht. Sie könne sich keinen Tag vorstellen, an dem Pete’s Garden nicht gebraucht werde.
„Jede Stadt in Amerika sollte eine Art Pete’s Garden haben“, so Jennifer. Die WM-Essens-Bilanz – noch vor dem Ende der WM – gibt ihr Recht: Acht Tonnen gerettetes Essen, das ergibt 15.000 Mahlzeiten für bedürftige Familien in Kansas City.

