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Politik

Hitzewelle in Deutschland: Wie Pflegeheime mit der Hitze umgehen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 28, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 28.06.2026 • 23:58 Uhr

Die hohen Temperaturen sind besonders für alte Menschen anstrengend. Pflegeheime und Senioren begegnen der Hitzewelle mit Eis, Melonen, Lüften – und Hitzepaten.

Von Philipp Wundersee und Jan-Ole Niermann, WDR

Die Jalousien sind geschlossen, der Ventilator pustet und Elisabeth Farcas genießt ihr Wassereis. Sie ist 91 Jahre alt und wohnt im Altenheim Herz-Jesu-Kloster in Bonn-Ramersdorf. „Wir bekommen täglich Eis, kalte Getränke und Wassermelonen“, sagt Elisabeth Farcas. „Man darf sich nicht hängen lassen. Wir sind hier gut versorgt.“

Cocktails, Melonen und gezieltes Lüften

Eine Klimaanlage gibt es im ganzen Haus nicht. Umso genauer achten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darauf, das Haus möglichst kühl zu halten. Sabine Rottländer ist die Leiterin im Altenheim Herz-Jesu-Kloster. „Wir sind mittlerweile gut aufgestellt. Die Kollegen hier wissen, dass wir die Rollladen schließen und in der Nacht die Fenster öffnen“, sagt Sabine Rottländer.

Die Türen halten sie geschlossen, denn die Luft sei gerade nicht frisch und zu warm für die Bewohner. Hinweisschilder im ganzen Haus geben Tipps: Ausreichend trinken, Bewegung minimieren, Sonne meiden.

„Die Kollegen aus der Küche überschlagen sich gerade mit Ideen: Sie bereiten Cocktails vor, sie schneiden immer wieder Melonen auf. Wir haben jede Menge Eis und es gibt zusätzliche Getränkerunden“, sagt Heimleiterin Rottländer.

Hitzepaten für Senioren Zuhause

In Bielefeld hat die Stadt mit ihrem Hitzeaktionsplan Patenschaften entwickelt für ältere Menschen, die in ihren eigenen Wohnungen leben, sogenannte „Hitzepatenschaften“. 50 Menschen haben eine Schulung dazu bereits absolviert. Petra Tödheide zum Beispiel ist Hitzepatin für die 88-jährige Irmgard Quistorf. Zurzeit ruft Tödheide täglich an und erinnert sie daran, genug Wasser zu trinken. Regelmäßig schaut sie auch persönlich vorbei.

„Wenn ich hier bin, schaue ich, ob genug zu trinken da ist oder, ob ich etwas besorgen kann“, sagt Petra Tödheide. „Ältere Menschen haben oft kein Durstbedürfnis mehr. Da müssen wir aufpassen. Ich finde es wichtig. Das liegt mir am Herzen.“ Heute hat Tödheide einen Fächer mitgebracht, den sie als kleines Geschenk überreicht. Sie trinken gemeinsam ein Glas Wasser im Wohnzimmer.

„Wenn die ganzen Steine aufgeheizt sind, das ist das eine Katastrophe“, sagt Irmgard Quistorf. „Ich komme ganz gut zurecht. Ich gehe nicht vor die Tür und halte mich zurück“, sagt die 88-Jährige und lächelt. Der Kontakt zu den Hitzepaten soll sicherstellen, dass ältere Menschen die Hitze nicht unterschätzen und an heißen Tagen nicht einsam sind.

Klimaanlage soll Abhilfe schaffen

Nach den Nächten mit hohen Temperaturen wird die Hitze für viele ältere Menschen zur Belastung, genau wie für das Pflegepersonal. Daniel Wörmann leitet das Seniorenheim St. Barbara in Duisburg. „Wenn die Hitze im Gebäude ist, wird es bei 39 Grad einfach extrem. Aus meiner Sicht hilft dann auch einfach nichts anderes mehr als eine Klimaanlage“, sagt Daniel Wörmann. Genau die soll deshalb bald kommen.

In Teilen des Gebäudes sollen Klimaanlagen installiert werden. Ermöglicht hat das der Förderverein. „In den Aufenthaltsräumen können wir so in den oberen Geschossen eine Kühlung sicherstellen. So hat jeder einen Raum, wo er sich abkühlen kann und findet dort eine Kälteinsel. Wir fangen dort an, wo es am wärmsten ist“, sagt Daniel Wörmann.

Das große Sommerfest des Seniorenheims am Wochenende haben sie leider absagen müssen. „Das wird zu heiß. Das ist für die Bewohner und auch die Angehörigen zu viel. Wir gehen rein in das Gebäude und feiern in abgespeckter Version mit viel Eis.“

Trinken, aber nicht zu viel und leichte Kost

Wolfrid Schröer ist Chefarzt der Klinik für Geriatrie der Sana Kliniken in Duisburg. Er empfiehlt älteren Menschen auf Ernährung und Flüssigkeitszufuhr zu achten. „Im Vorfeld sollte mit dem Hausarzt möglichst geklärt werden, wieviel Flüssigkeit individuell vorgegeben wird“, sagt der Mediziner. „Menschen, die beispielsweise eine ausgeprägte Herzschwäche haben, dürfen nicht unbegrenzt Flüssigkeit zu sich nehmen.“

Beim Essen sollten ältere Menschen bei den Temperaturen auf leichte Kost setzen. „Bei älteren Menschen ist häufig ein verminderter Appetit zu beobachten, der sich bei hohen Temperaturen nochmals verstärkt. Früchte wie Melonen oder Kompott erfrischen. Das Essen, aufgeteilt in drei bis fünf kleine Mahlzeiten aufgeteilt, kann unterstützen.“ So kann man die sommerlich hohen Temperaturen besser aushalten.

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Dr. Heinrich Krämer
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