Immer noch Menschen vermisstZahl der Toten nach russischem Angriff steigt und steigt
Am Montag fliegt Russland während einer humanitären Hilfsaktion einen Bombenangriff auf eine Gemeinde in der Region Saporischschja. Dutzende Menschen kommen nach ukrainischen Angaben ums Leben, weitere Menschen werden weiterhin vermisst. Die Identifizierung der Leichen stellt eine Herausforderung dar.
Die Zahl der Toten nach einem russischen Bombenangriff auf Komyschuwacha am Montag ist auf 53 gestiegen. Das teilte der Gouverneur der Region Saporischschja, Mychajlo Semikin, auf Telegram mit. 33 Menschen wurden nach Angaben der Regionalpolizei in Saporischschja am Donnerstagvormittag noch vermisst und könnten noch unter den Trümmern begraben sein. Der ukrainische Katastrophenschutz erklärte, die Arbeiten würden trotz der ständigen Gefahr russischen Beschusses fortgesetzt.
In Komyschuwacha hatten sich am Montag Menschen an einer Schule versammelt, um humanitäre Hilfe zu empfangen. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj warfen die russischen Streitkräfte neun Bomben auf das kleine Dorf rund 30 Kilometer nordwestlich der Regionalhauptstadt Saporischschja ab. Der Angriff am Montag ist einer der folgenschwersten für die Zivilbevölkerung seit Kriegsbeginn.
Selenskyj beklagte eine mangelnde internationale Reaktion auf den verheerenden Angriff. „Das Böse geht immer noch weiter, wenn es unbeantwortet bleibt“, mahnte er in sozialen Netzwerken. „Wir zählen auf eine Antwort – die Ukraine braucht jetzt sofort Unterstützung bei der Luftabwehr. Ich bin den Partnern dankbar, die solche Schritte unternehmen“.
Einem Bericht der ukrainischen Zeitung „Ukrainska Pravda“ zufolge setzt das „Zentrum für die Suche nach Vermissten“ die mühselige Identifizierung der Leichen fort. Viele Personen seien nur noch anhand von DNA-Proben identifizierbar. Daher würden Proben von Angehörigen genommen, um anschließend DNA-Profile erstellen und forensische Untersuchungen durchführen zu können.
Opfer und Stromausfälle nach nächtlichen Angriffen
Auch in der vergangenen Nacht überzog Russland sein Nachbarland mit Luftangriffen. Der ukrainischen Luftwaffe zufolge setzte das russische Militär insgesamt 227 Kampfdrohnen ein, darunter 86 besonders schnell fliegende und nur schwer abfangbare düsengetriebene Drohnen. 196 Drohnen seien abgeschossen oder durch elektronische Luftabwehr zum Absturz gebracht worden. Einschläge habe es an 14 Orten in der Ukraine gegeben, Trümmerteile abgeschossener Drohnen seien an 8 Stellen niedergegangen, berichtete die Luftwaffe am Morgen. Um 8 Uhr (Ortszeit) befanden sich demnach noch etwa 15 Drohnen im Luftraum.
In der Hauptstadtregion wurden nach Behördenangaben drei Menschen verletzt. „Zwei von ihnen erlitten eine akute Stressreaktion, ein weiterer Mann eine Schädel-Hirn-Verletzung sowie Schürfwunden an den Gliedmaßen“, schrieb Gouverneur Tymur Tkatschenko auf Telegram. Ein Krankenhausaufenthalt sei nicht erforderlich gewesen. In der Region Riwne im Nordwesten der Ukraine wird ein Todesopfer gemeldet.
In sieben Regionen führte die Angriffswelle laut den Behörden zu Stromausfällen. Die betroffenen Regionen seien Winnyzja, Dnipropetrowsk, Schytomyr, Saporischschja, Kiew, Charkiw und Tschernihiw. „Die Lage ist in der Hauptstadtregion nach wie vor am schwierigsten“, sagte der stellvertretende Energieminister der Ukraine, Artem Nekrassow. Die Versorgungsunternehmen müssten aufgrund schwerer Schäden immer noch Netzbeschränkungen verhängen.
