„Man verändert sich ständig“Sally Field sucht auch mit 80 die schauspielerische Herausforderung
Für ihre Rollen in TV und Film wird Sally Field mit Preisen überhäuft – darunter auch zwei Oscars. Dabei wird der Karrierestart der Schauspielerin von schweren persönlichen Erfahrungen überschattet. Mit nun 80 Jahren blickt sie dankbar auf ihre Reise zurück.
Am 6. November feiert Schauspielerin Sally Field ihren 80 Geburtstag – und kann auf eine lange und bewegte Karriere zurückblicken. So wurde sie nicht nur zwei Mal mit dem Oscar als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet, sondern arbeitete auch mit so ziemlich jedem, der in Hollywood Rang und Namen hat.
Angefangen hat für Field allerdings alles beim Fernsehen. Im Alter von 17 Jahren erhielt sie die Hauptrolle in der Sitcom „Gidget“. Die Serie endete nach nur einer Staffel, doch die Nachwuchsschauspielerin hatte da bereits den nächsten TV-Job ergattert: Drei Staffeln lang spielte Field in „The Flying Nun“ mit. Aber durch die Rollen, die ihr im TV angeboten wurden, fühlte sie sich bald zu sehr auf das Image des „Mädchens von nebenan“ reduziert.
Zu dieser Zeit hatte Field bereits schreckliche Erfahrungen machen müssen. Ihre Mutter heiratete 1952, zwei Jahre nach ihrer Scheidung von Fields‘ leiblichem Vater, den Schauspieler Jock Mahoney. In ihren 2018 veröffentlichten Memoiren schrieb Field, Mahoney habe sie von ihrer Kindheit bis zu ihrem 14. Lebensjahr sexuell missbraucht. „Es war ein Gefühl, als wäre ich in einen bodenlosen Abgrund aus Scham gestürzt“, beschrieb die Schauspielerin den Missbrauch später.
Außerdem berichtete sie in einem Video, das sie auf Instagram veröffentlichte, dass sie mit 17 Jahren in Mexiko eine illegale Abtreibung vornehmen ließ und dabei vom Behandelnden sexuell belästigt wurde.
2010 kehrte Field für einen Besuch an die Birmingham High School in Van Nuys zurück, an der sie 1964 ihren Abschluss gemacht hatte. Bei der Eröffnung eines neuen Kulturzentrums, das ihr zu Ehren benannt wurde, würdigte die Schauspielerin die Theaterabteilung an der Schule und erklärte, diese habe ihr in ihrer Jugend „ganz einfach das Leben gerettet“, weil sie dort „ganz und gar“ sie selbst sein konnte.
Field nahm im Anschluss Schauspielunterricht im berühmten Actors Studio bei Lee Strasberg, der ihr Mentor wurde. Sie habe sich zu dieser Zeit „absolut lebendig“ gefühlt, erzählte sie Jahre später. Bis zu seinem Tod im Jahr 1982 arbeitete sie mit Strasberg zusammen.
Sally Fields Ausbildung trug bald Früchte. 1977 wurde sie für ihre Leistung in dem Fernsehfilm „Sybil“ mit einem Emmy ausgezeichnet. Anschließend drehte sie mit Burt Reynolds „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ – ein Film, der an den US-Kinokassen zum zweiterfolgreichsten des Jahres avancierte.
Drama oder Comedy? Field kann beides
Ihren Durchbruch als dramatische Schauspielerin schaffte Field kurz darauf mit „Norma Rae – Eine Frau steht ihren Mann“. In dem Film verkörperte sie eine Gewerkschaftsorganisatorin und wurde dafür in Cannes ausgezeichnet. 1980 gewann sie für diese Rolle auch ihren ersten Oscar als beste Hauptdarstellerin. 1985 erhielt sie für „Ein Platz im Herzen“ erneut den Oscar als beste Hauptdarstellerin und zugleich ihren zweiten Golden Globe.
Im Laufe ihrer Karriere stand Sally Field mit zahlreichen großen Namen Hollywoods vor der Kamera. 1981 drehte sie mit Paul Newman „Die Sensationsreporterin“. Zu ihren bekanntesten Filmen zählt außerdem „Magnolien aus Stahl“ aus dem Jahr 1989. Später bewies sie auch ihr Talent für Komödien, etwa in „Lieblingsfeinde – Eine Seifenoper“ (1991) und an der Seite von Robin Williams und Pierce Brosnan in „Mrs. Doubtfire“, der zum Kultfilm avancierte.
Nach der Jahrtausendwende war Field zunehmend im Fernsehen zu sehen. Für ihre Rolle in „Emergency Room“ erhielt sie einen weiteren Emmy, anschließend spielte sie fünf Staffeln lang in „Brothers & Sisters“ mit. Im Gespräch mit dem „Time“-Magazin wurde sie gefragt, ob es im Fernsehen oder Theater bessere Rollen für sie gebe als im Film. Darauf antwortete sie: „Für mich war das auf jeden Fall so. Bei einer langfristigen Karriere geht es vor allem darum, zu lernen, wie man sie meistert, ohne starr zu sein. Frag dich immer wieder: Was bringt mich wirklich zum Strahlen? Für mich ist es, die richtige Arbeit zu finden.“
Dennoch blieb Field dem Kino treu: 2012 war sie in Steven Spielbergs „Lincoln“ zu sehen sowie als Tante May in „The Amazing Spider-Man“. Zuletzt übernahm sie die Hauptrolle in dem Netflix-Film „Das Glück hat acht Arme“, der in diesem Jahr auf dem Streamingdienst debütierte.
Burt Reynolds war „in keiner Weise gut“ für sie
Privat machte Sally Field Schlagzeilen durch ihre Beziehung mit ihrem Schauspielkollegen Burt Reynolds. Nachdem sie von 1968 bis 1975 mit Steven Craig verheiratet war, mit dem sie zwei Söhne hat, verliebte sie sich am Set von „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ in Reynolds. Von 1976 bis 1980 waren die beiden Hollywood-Stars ein Paar.
2015 blickte Reynolds in einem Interview mit der „Vanity Fair“ emotional auf die Trennung zurück. Er nannte Field „die Liebe meines Lebens“ und gestand, dass ihn das Ende der Beziehung weiterhin schmerze. „Selbst jetzt fällt es mir noch schwer. Ich weiß nicht, warum ich so dumm war“, sagte er dem Magazin. „Männer sind eben so, weißt du. Man findet die perfekte Person und tut dann alles, um es zu vermasseln.“
Field teilte diese Gefühle jedoch nicht. „Er war niemand, mit dem ich zusammen sein konnte. Er war in keiner Weise gut für mich“, erzählte sie dem Branchenblatt „Variety“. Reynolds habe sich offenbar zusammengereimt, dass sie ihm wichtiger gewesen sei, als er ursprünglich gedacht hatte: „Aber das war ich nicht. Er wollte einfach nur das haben, was er nicht hatte.“
Vier Jahre nach der Trennung von Reynolds heiratete Field Alan Greisman. 1987 wurde ihr Sohn Sam geboren, sieben Jahre später ließ sich das Paar scheiden.
Anlässlich ihres 80. Geburtstags sagte Sally Field dem Magazin „Parade“: „Man verändert sich ständig. Deshalb frage ich mich: Was bietet mir das 80. Lebensjahr? Was kann ich tun, was ich noch nie zuvor getan habe? Was wird es für mich als 80-jährige Schauspielerin geben, was ich als 50-jährige Schauspielerin – oder als 40-, 30-, 20- oder 17-Jährige – nicht hatte? Es ist also immer eine Reise. Aber ich bin dankbar, dass ich sie erleben darf.“
