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Startseite»Nachrichten»In Erlangen startet der Comic-Salon mit Ausstellungen über Walter Moers, Simpsons und Politik
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In Erlangen startet der Comic-Salon mit Ausstellungen über Walter Moers, Simpsons und Politik

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 4, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Comic-Salon in Erlangen startetMit dem „Kleinen Arschloch“ gegen den Irrsinn der Welt

03.06.2026, 23:25 Uhr Von Markus Lippold, Erlangen
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Ein Arschloch! Na und? (Foto: Walter Moers)

Eine Branche sucht ihre Zukunft, zwischen Sparzwängen, verändertem Medienverhalten und KI. Auf dem nun beginnenden Comic-Salon in Erlangen werden Krisen thematisiert und Grenzbereiche ausgelotet. Aber zum Glück gibt es auch was zu lachen, Walter Moers sei Dank.

Der Jaja-Verlag will’s wirklich wissen. Einmal alles, sozusagen. Auf dem heute beginnenden Comic-Salon in Erlangen präsentiert er in der Ausstellung „Unruhige Zeiten“ eine Art Best-of der Apokalypse. Nach eigenen Angaben geht’s um „Verschwörungsgeschichten, häusliche Gewalt, Dogmatismus, Autokratie, Krieg, Faschismus, KI und Menschlichkeit“. Bang! Crash! Wumms!

Wenn sich wie alle zwei Jahre die deutschsprachige Szene auf dem Comic-Salon versammelt, bleibt der Irrsinn der Welt nicht außen vor. Sogar Donald Trump ist dabei, es geht ja gerade nicht ohne ihn. Unter dem Hashtag #iceoutcomics präsentieren eine Ausstellung und Vorträge den zeichnerischen Widerstand gegen Trumps Abschiebepolitik. Anderswo in der Stadt wird der Iran thematisiert, syrische Foltergefängnisse, Migration oder weltweite Angriffe auf die Demokratie. Sind die Superschurken jetzt real?

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Die Demokratie steht weltweit unter Druck. (Foto: Mana Neyestani, 2014)

„Aber hey, lasst euch nicht zu sehr beunruhigen“, heißt es vom Jaja-Verlag. „Aus unseren Geschichten und Bildern leuchten vor allem Hoffnung, Mut und viel Fröhlichkeit.“ Puh, noch mal Glück gehabt, die Heldinnen und Helden mit den Strumpfhosen sind nicht weit.

Die Auseinandersetzung mit Krisen und Konflikten war schon immer Teil des Comic-Salons. Und sie werden nicht weniger. Vielmehr wird die neunte Kunst herausgefordert. Streichungen von Kulturförderung in Deutschland betreffen etliche Künstlerinnen und Künstler. In den USA werden immer öfter Comics aus Bibliotheken verbannt. Das Medienverhalten hat sich radikal verändert. Und Künstliche Intelligenz bedroht die Aufträge unzähliger Illustratoren. Vieles davon wird in Erlangen thematisiert. Aber es geht stets auch darum, wie den Krisen begegnet werden kann, wie die Kunst auf sie reagiert.

„Adolf“ und Käpt’n Blaubär

Wie wäre es mit Satire, mit Humor und Fantasie? Eine große und sehr sehenswerte Werkschau im Erlanger Stadtmuseum würdigt noch bis 13. September den Künstler Walter Moers, der zuletzt mit fantasievollen Romanen sehr erfolgreich war, die er auf wunderbare Weise selbst illustriert. Gezeigt werden viele Originalzeichnungen, dazu Ölgemälde, Puppen und Figuren.

Wie gerne lacht man aber auch über sein „Kleines Arschloch“ oder „Adolf, die Nazi-Sau“, den er hemmungslos ins Lächerliche zieht – manche der schwarzhumorigen Comicstrips kann man sich heute nicht mehr vorstellen, was wohl für die 1990er Jahre spricht, in denen sie erschienen sind. Und steckte in den Lügengeschichten des von Moers erfundenen Käpt’n Blaubär nicht immer auch eine Menge Wahrheit?

Es wird gemunkelt, dass Moers, der nie in der Öffentlichkeit auftritt, persönlich die Ausstellung besuchen könnte. Nur weiß kaum einer, wie er aussieht. Dafür ist der „zeichnende Autor und schreibende Zeichner“, wie er vom Salon genannt wird, ein guter Ausgangspunkt, um die Grenzbereiche des Comics auszuloten, die in diesem Jahr einen roten Faden auf dem Salon bilden. Dazu passt eine bereits in Dortmund gezeigte Ausstellung über die Simpsons. Die Fernsehserie sezierte vor allem in ihrer Anfangszeit messerscharf und sarkastisch den US-amerikanischen Alltag. Gezeigt werden neben Storyboards und Trickfilmfolien auch Originalzeichnungen aus den Simpsons-Comics, die die Qualität der frühen Serienstaffeln aber nie ganz erreichten.

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Christoph Niemann spielt in seinen Werken mit Alltagsgegenständen. (Foto: Christoph Niemann, Sunday Sketch (World Cup), 2018, © Christoph Niemann, 2025)

Eine weitere große Ausstellung präsentiert den international bekannten Grafiker Christoph Niemann. In „Auf den Punkt“ werden Werke gezeigt, in denen er mit wenigen Strichen neue Perspektiven auf Alltagsgegenstände bietet. Er arbeitet multimedial, bezieht Fotografie, Video und Technik in seine Werke ein. Derweil zeigen Ausstellungen über Comics, die ohne Worte auskommen, oder über Arbeiten, die sich im Austausch mit Wissenschaftlern mit der Welt der Quanten auseinandersetzen, wie Comics inhaltliche Grenzen austesten.

Ehrenpreis für eine Britin

Ganz bei sich ist der Comic dagegen in der bis 5. Juli laufenden Werkschau über Isabel Kreitz. Die vielfach ausgezeichnete Zeichnerin ist für ihren präzisen Stil bekannt. Graphic Novels über den deutschen Spion Richard Sorge, den Serienmörder Fritz Haarmann oder den Autor eines „Durchhaltefilms“ in der Nazi-Zeit machen ihre Klasse deutlich. Gezeigt werden aber auch frühe Comic-Strips, ihre Erich-Kästner-Adaptionen und Grusel-Comics.

Die Deutsch-Iranierin Roya Soraya präsentiert eine Schau zu ihrem Buch „Wind in meinem Kopftuch“ (Carlsen) über eine Reise durch das Land, bevor es zum Kriegsschauplatz wurde. Die Zeichnerin Lisa Frühbeis und der Journalist Jonas Seufert dokumentieren in „Schattenleben – Menschen ohne Papiere erzählen“ (Reprodukt) den Alltag von Leuten ohne gültigen Aufenthaltsstatus. Und Tobi Dahmen spricht über seinen Comic „Al-Fazia'“ (Carlsen), der Lebensgeschichte eines Syrers, der die Haft in einem Foltergefängnis überlebte.

Daneben: Superhelden-Fans, Cosplayer, Comicforscher und all jene, die nur mal schauen wollen – in Lesungen, Vorträgen und Gesprächsrunden. In mehreren Hallen vor dem Erlanger Schloss und im idyllischen Schlossgarten präsentieren Verlage ihre Neuerscheinungen und laden die erwarteten 25.000 Besucher zu Signierstunden ihrer Zeichnerinnen und Zeichner. Eine Premiere feiert der gerade erst eröffnete Kultur- und Bildungscampus Kubic, in dem unter anderem das Festival „Kinder lieben Comics“ stattfindet.

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Die britische Mittelschicht ist das Lieblingssujet von Max-und-Moritz-Preisträgerin Posy Simmonds. (Foto: Posy Simmonds / Reprodukt)

Am Freitag wird zudem auf der Max-und-Moritz-Gala der wichtigste deutschsprachige Comicpreis verliehen. Für ihr Lebenswerk wird die Britin Posy Simmonds geehrt. In Comics wie „Gemma Bovary“, „Tamara Drewe“ oder „Cassandra Darke“ zerlegt sie immer wieder satirisch die britische Mittelschicht. Comic kann das und viel mehr. Die Kunstform muss sich zu den vielfältigen Krisen und Herausforderungen der Welt verhalten. Und will das offenbar auch, nicht nur auf dem Comic-Salon.

Mehr Infos zum Festival und zum Programm gibt es hier.

Quelle: ntv.de

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