Laut Behörden haben in den vergangenen Tagen etwa 60.000 Menschen Ceuta erreicht. Ministerpräsident Sánchez sprach von einem „Angriff“. Gleichzeitig sagte er der Exklave Unterstützung zu.
Eine große Anzahl von Migranten hat in den vergangenen Tagen die spanische Exklave Ceuta erreicht. Laut dem Regionalpräsidenten, Juan Jesus Vivas, sind etwa 60.000 Menschen von Marokko nach Ceuta gelangt. Das entspreche 70 Prozent der Bevölkerung der Exklave, sagte er weiter. „Diese Zahl zeigt, dass es unmöglich ist, einen solchen Druck aufzufangen.“ Bei dem Versuch, nach Ceuta zu gelangen, seien mindestens 34 Menschen ums Leben gekommen.
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez bezeichnete den Andrang Zehntausender Migranten als „Angriff“ und „Verletzung der territorialen Integrität Spaniens“. Bei einem Besuch in Ceuta betonte er: „Ganz Spanien steht an eurer Seite. Wir übernehmen die Verantwortung für diese Situation.“
Die meisten der Migranten trafen zwischen Mittwoch und Donnerstag ein. Die meisten gelangten schwimmend zur Exklave. Es seien aber auch Menschen über die Grenzzäune geklettert.
„Absoluter Ausnahmezustand“
Was die Migrationsbewegung ausgelöst hat, ist nicht ganz klar. Offenbar hätten sich Gerüchte verbreitet, erklärt ARD-Korrespondent Stefan Ehlert aus Marokkos Hauptstadt Rabat bei tagesschau24. Diese hätten sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Den Gerüchten zufolge werde man nicht direkt abgeschoben, wenn man Ceuta schwimmend erreicht.
Bis zu vier Stunden kann es dauern, von der marokkanischen Küste aus nach Ceuta zu schwimmen. Und noch immer machen sich Ehlert zufolge Menschen auf den Weg zu der spanischen Exklave. Motivation für die Menschen seien nach deren Aussage unter anderem bessere Arbeits- und Lebensbedingungen, so Ehlert. Doch die Hintergründe seien sehr unterschiedlich.
Die Lage vor Ort ist offenbar schwierig. Viele der Migranten hätten die Nacht im Freien verbracht, ohne zu wissen, wo es Sanitäranlagen, Wasser oder Lebensmittel für sie geben könnte, sagt Ehlert. „Die ganze Infrastruktur reicht natürlich nicht aus.“ Weiter berichtet er: „Die Bilder, die wir sehen, deuten darauf hin, dass sich Ceuta in einem absoluten Ausnahmezustand befindet.“
Spanien ergreift Maßnahmen
Spanien hat unterdessen Maßnahmen ergriffen. Zusätzliche Soldaten und Polizisten sollen den Grenzübertritt erschweren. Zudem sollen am Grenzdamm zwischen der Küste Marokkos und dem Strand von Tarajal in Ceuta Schwimmbojen installiert werden, um eine „physische Sperre“ zu schaffen, erklärte Sánchez.
Es sollen auch Verfahren beschleunigt werden, um die Rückführung irregulär Eingereister zu erleichtern. „Die Ausreise vieler Migranten findet bereits statt“, betonte der Regierungschef.
Die Exklaven Ceuta und Melilla
Das nordafrikanische Ceuta, auf einer Halbinsel an der Meerenge von Gibraltar gelegen, wurde 1415 von den Portugiesen erobert. Die Spanier übernahmen 1580 mit der Annexion Portugals die Herrschaft über die Stadt. Ceuta blieb spanisch, als Portugal 1640 die Unabhängigkeit zurückerlangte. Gleiches gilt für Melilla im Nordosten Marokkos. Seit 1956 ist Marokko von Frankreich und Spanien unabhängig, doch die Exklaven blieben spanisch.
Beide Küstenstädte haben seit 1995 ein Autonomiestatut und sind auch Militärstützpunkte. Ihr jeweils kleines Territorium wird vom Mittelmeer und von Marokko eingeschlossen. Ceuta misst rund 18,5 Quadratkilometer und hat etwa 84.000 Einwohner.
In der Nähe beider Gebiete warten oft Tausende Menschen – vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara – auf eine Gelegenheit, in das zur EU, aber nicht zum Schengenraum, gehörende Gebiet zu kommen.
