Eritrea ist recht abgeschottet von der Außenwelt – internationale Embargos behindern die Wirtschaft. Eine italienische Textilfabrik aber lässt in der Hauptstadt Asmara Kleidung für den europäischen Markt produzieren.
In der Fabrikhalle in Asmara werden gerade blau-rot karierte Schlafanzüge für den italienischen Markt gefertigt. Es ist hell und luftig. Die Nähmaschinen sind modern. Und das ausgerechnet in Eritrea, einem der abgeschottetsten Länder der Welt.
Internationale Embargos gegen das autoritäre Regime erschweren die Wirtschaft. Das Textilunternehmen Dolce Vita ist eines der wenigen Privatunternehmen im Land. 700 Angestellte arbeiten hier, die meisten davon sind Frauen.
Genet Berhane arbeitet an der Bügelstation. Sie hat vier Kinder, ihr Mann leistet seinen verpflichtenden Nationalen Dienst ab. Ihr Job ist für sie weit mehr als nur eine Einkommensquelle: „Es freut mich, dass unsere Produkte nach Europa verschifft werden. Es zeigt, dass wir etwas Sinnvolles leisten. Das erfüllt mich mit Stolz.“
Export nach Europa
Sie nähen für führende italienische Labels, exportieren aber auch nach Kroatien. Das Preisschild für die Schlafanzüge wird hier auch schon befestigt: Für 16,99 Euro kommen sie in die Geschäfte.
Die Näherinnen haben einen Acht-Stunden-Tag und eine halben Stunde Pause. Mit umgerechnet bis zu 180 Euro pro Monat verdienen sie mehr als das Durchschnittseinkommen in Eritrea.
Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Italien. Firmenchef Pietro Zambaiti ist von seinem Investment überzeugt: „Eritrea nimmt eine wichtige Position ein. Die Menschen sind großartig. Ich glaube, es gibt eine gute Chance für das Land wirtschaftlich mitzuspielen. Dazu muss aber Europa seine Sichtweise auf das Land verändern und besser verstehen, was Eritrea zu bieten hat.“
Betreuung von Kindern der Fabrikmitarbeitenden
Im Kindergarten tollen 200 Kleine mit Bobbycars über den Außenbereich. Der Nachwuchs wird ganztags betreut – kostenlos, wie auch die drei Mahlzeiten pro Tag. Bei Dolce Vita gibt es betriebliche Sozialleistungen, von denen mancher Arbeitnehmer in Europa nur träumen kann. Vor dem Essen wird gebetet. Die Kinder lernen das ABC und Rechnen.
Die Näherinnen bekommen Zuschüsse zu Arztrechnungen, Boni für gute Leistungen. Auch wer einen Monat lang pünktlich zur Arbeit kommt, erhält umgerechnet gut zehn Euro zusätzlich.
Während der Arbeit in der Fabrik werden die Kinder der Angestellten in der betriebseigenen Kindertagesstätte betreut. Die Verpflegung ist kostenlos.
Firmenchef glaubt an ethische Grundsätze
Die junge Mutter Yodia Mussie hat früher als Kellnerin und Hausmädchen gearbeitet. Dies ist ihr erster Job in einer Fabrik. Für die Babys gibt es kostenlos Windeln. Deshalb kann sie ihre vier Monate alte Tochter mit zur Arbeit bringen. Dank der betriebseigenen Kindertagesstätte kann sie auch die Stillzeiten einhalten. Sie ist glücklich, hier gelandet zu sein. Nirgendwo sonst wäre Baby Hosana, während die Mutter arbeitet, so gut betreut worden. Das ist auch dem Firmenchef wichtig.
Zambaiti glaubt an ethische Grundsätze: „Was ist besser? Made in Italy von Chinesen in Prato? Manchmal ohne ethische Regeln. Gerade gestern gab es wieder ein großes Unternehmen, das wegen dieser Art von unfairer Produktion untersucht wurde. Ist es da nicht besser nach Afrika zu gehen und es von Italien aus auf faire und ethnische Weise zu machen?“
Inklusiver Arbeitsplatz
Auch Inklusion wird hier gelebt. Seit gut einem Jahr arbeitet Yonas Tekleweini bei Dolce Vita. Er hat das Downsyndrom. Er liebt seinen Job, die Hemden zuzuknöpfen. „Das ist die schönste Aktivität meines Tages“, sagt er. „Ich habe zu meinen Kollegen eine gute Beziehung. Wir arbeiten sehr eng zusammen und tauschen Ideen aus.“ Und fast wie bestellt kommt ein Kollege, der auch das Downsyndrom hat, und umarmt ihn. Immer wieder erzählen die Angestellten, das Unternehmen sei für sie wie eine Familie.
Regierung begrüßt Exporte nach Europa
Eritrea ist recht abgeschottet von der Außenwelt. Nicht zuletzt internationale Embargos behindern die Wirtschaft. Die Regierung freut sich, dass durch den Export der Textilien das Land international bekannter wird. Das kann man auf der Internetseite des Informationsministeriums nachlesen.
Und es gibt erste Anzeichen von diplomatischem Tauwetter mit Europa und den USA. Das könnte zu einer wirtschaftlichen Modernisierung und der Öffnung neuer Märkte führen.

