27.07.2026 | 20:43 Uhr
LeBron James wühlt auch im Alter von 41 Jahren die NBA auf. Mit seiner letzten Entscheidung überrascht er viele Fans und Experten. Sein Schritt könnte historisch enden.
Seit 2003 dominiert LeBron James die Schlagzeilen der NBA. Das hat sich auch 2026 nicht geändert. Die Nachricht vom Wechsel nach Philadelphia sendete Schockwellen durch die NBA. Dass der inzwischen 41 Jahre alte Superstar nach seinem Abschied von den Los Angeles Lakers an die Ostküste wechselt, hatte sich nicht angedeutet, nicht aufgedrängt.
Eines ist klar: Geld spielt bei diesem finalen Wechsel von James keine Rolle. Das betonte er in einem Beitrag auf X. „Wofür spiele ich eigentlich noch?“, fragte er selbst und gab zugleich die Antwort. „Ich bin immer noch bereit, Opfer zu bringen. Ich bin immer noch bereit, hart zu arbeiten. Ich bin immer noch bereit, mich durchzubeißen. Ich will immer noch antreten, gewinnen und die Chance haben, eine weitere Meisterschaft zu gewinnen.“
In Philadelphia kommt das prächtig an. James sei „einer der größten Spieler in der Geschichte der NBA und einer der besten Athleten aller Zeiten“, adelte Teambesitzer Josh Harris den prominenten Zugang. 76ers-Präsident Mike Gansey frohlockte: „Es gibt keine Worte, um den Einfluss zu beschreiben, den er auf unsere Organisation haben wird.“
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In Philadelphia erhält James neben seiner angestammten Rückennummer 23 einen Zweijahresvertrag mit einem Gehalt von acht Millionen Dollar, das sogenannte Veteranen-Minimum. Ein Witz im Vergleich zu den Summen, die er im Verlaufe seiner Karriere bei den Cleveland Cavaliers, Miami Heat und zuletzt den Lakers verdient hat. Darauf ist er aus finanzieller Sicht nicht mehr angewiesen. Ohnehin hat James ausgesorgt, er gilt auch dank lukrativer Werbedeals als Sport-Milliardär. Er ist seine eigene Marke.
Man kann ihm also abnehmen, wenn er sagt: Ihm geht es ums Sportliche. Trotzdem waren die Philadelphia 76ers eine überraschende Wahl. Oder zumindest nicht die naheliegendste.
Doch keine erneute Heimkehr
Denn im Rennen waren auch die Cavaliers. Im Bundestaat Ohio wuchs James auf, spielte in der Highschool, dort begann seine NBA-Karriere. Über den Umweg Miami kehrte er später zurück, holte den ersehnten Titel endlich nach Cleveland. Es wäre ein zweites Homecoming, geworden.
Ähnlich verhält es sich mit den Miami Heat. Dort spielte James zwischen 2011 und 2014, holte an der Seite von Dwyane Wade und Chris Bosh zwei Titel. Coach Erik Spoelstra kennt er noch von früher, neben Bam Adebayo ist zuletzt auch Superstar Giannis Antetokoumnpo nach Florida gewechselt. Niedrige Steuern und warmes Klima wären weitere valide Argumente gewesen.
Auch die Golden State Warrios hatten sich aufgedrängt. Dort hätte er mit seinen alten Kumpels Steph Curry und Draymond Green unter Coach Steve Kerr auflaufen können – und zudem im sonnigen Kalifornien bleiben können. Gegen all das entschied sich James. Denn er sieht nach eigenen Angaben in Philadelphia das größte Potenzial, um den letzten finalen Paukenschlag einzuläuten. Das betonen auch Quellen aus dem James-Lager gegenüber „The Atheltic“. So gesehen war es eine sportlich-nüchterne Entscheidung.
Auch die Sixers wussten bis kurz vor Schluss nichts von ihrem Glück. James machte in den drei Wochen seiner Free-Agency-Zeit mit sich selbst die Entscheidung aus. In den vergangenen Wochen galten eigentlich die Heat als Favorit, spätestens nachdem kurzzeitig ein Youtube-Link für eine geplante Pressekonferenz zur Vorstellung auftauchte. Alles Humbug. Nachts um 1 Uhr am vergangenen Freitag soll er sich endgültig entschieden haben. Alles auf Philadelphia!
Die erste Fünf der 76ers ist auf dem Papier sagenhaft gut. Der immer noch aufstrebende Guard Tyrese Maxey, Supertalent VJ Edgecombe, der ewige Center-Hoffnungsträger Joel Embiid, der jüngst aus Boston verpflichtete Jaylen Brown – und eben James selbst. Diese erste Fünf wird allen anderen NBA-Teams riesiges Kopfzerbrechen bereiten. Philadelphia ist sofort zu einem NBA-Superteam aufgestiegen. Das klare Ziel: Jetzt gewinnen. Alles andere als die Meisterschaft dürfte dort als Misserfolg gewertet werden.
Gerade der Trade von Brown aus Boston nach Philadelphia Anfang des Monats soll James bewegt haben, Philly als Wechseldestination auszuwählen. So berichten es US-Medien. Das entscheidende Puzzlestück. Als er dann noch das Go seiner Familie bekam, schlug das Pendel für Philly aus.
Fans warten seit 1983 auf Titel
In seinem Statement lobte James auch die Fans in der Stadt der brüderlichen Liebe. „Ich freue mich riesig darauf, eine neue Fangemeinde zu begeistern und diese unglaubliche Reise ein letztes Mal zu beginnen“, erklärte der Superstar. In der Tat ist Philadelphia für seine Fanbase berühmt-berüchtigt. Die Fans neigen zur frenetischen Ekstase, aber auch zu Hohn, Spott und Depression. Dazwischen gibt es meist recht wenig.
Ein paar Meter weiter im Süden Philadelphias, beim Football-Team der Eagles, beschmissen Fans einst sogar Santa Claus. Eine legendäre Geschichte. Aber, wenn sie angezündet werden, sind sie da, machen die Arena zum Hexenkessel. Das haben sie schon oft bewiesen. James setzt darauf. Bei seinem letzten Auftritt als Lakers-Spieler in Philly lobte er die Anhänger der 76ers ausdrücklich. Eine weitere Herausforderung: Die Medien in und um Philadelphia gelten mit als die härtesten des Landes. Wenn es zu Dramen rund um die Kabine kommt, wird es ziemlich sicher auch öffentlich werden.
Die Anhänger der 76ers warten seit 43 Jahren, seit 1983, auf den Titel. Der Hunger auf eine Wiederholung des Erfolgs ist gigantisch. 2001 standen sie letztmals in den NBA-Finals, damals noch mit dem ikonischen Super-Dribbler Allen Iverson, scheiterten aber an den Lakers. Seither war Philadelphia immer wieder fürs Scheitern, oft kurz vor dem Ziel, bekannt. Eine lange Leidenszeit soll nun der König der vergangenen NBA-Jahrzehnte beenden. Wenn einer den Fluch durchbrechen kann, dann er.

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Aber das neue Team birgt auch Gefahren. Ob das Team hinter den Starting-Five-Giganten tief genug besetzt ist, um gerade in den Playoffs mitzuhalten, ist noch nicht abzusehen. Genauso, ob all die Stars auf dem Parkett wirklich miteinander harmonieren und den Ball teilen. Center Joel Embiid ist notorisch verletzt, gerade wenn es im Frühjahr in die Playoffs geht. Und James wird im Dezember 42. Auch wenn er als einer der wenigen Sportler Gevatter Zeit lange trotzen kann, gehen an ihm die Jahre nicht spurlos vorbei. In der vergangenen Saison quälten ihn lange Zeit Rückenprobleme, er wirkte anfangs eingerostet.
Rivalen sind stark
Auch die Konkurrenz bleibt stark. Die New York Knicks halten großteils ihren Champion-Kader zusammen, die San Antonio Spurs und Oklahoma City Thunder sind über den Sommer nicht schwächer geworden. Es dürfte spätestens in den Playoffs zu großen Clashs kommen. Den Ligaverantwortlichen wird das gefallen.
Und LeBron James nimmt dafür in Kauf, vom Westen nochmal an die Ostküste zu ziehen. Medien spekulieren, dass er in New York City leben und per Helikopter einfliegen könnte. Solange der Erfolg stimmt, werden sie ihm das wohl verzeihen.
Dem großen Ziel soll alles untergeordnet werden. James geht in seine 24. Saison, das ist schon ein Rekord. Er führt die ewige Scorerliste an, hat alles gewonnen. Nun kann er nochmal Geschichte schreiben. Noch nie gelang es einem Spieler, mit vier unterschiedlichen Teams Meister zu werden.
Für den finalen Akt, das finale Kapitel seiner Karriere setzt er nun nochmal alles auf eine Karte. Er geht nicht den bequemen Weg. Das ist riskant und mutig. Falls er in Philadelphia den fünften Titel holt, wird er in einer anderen Frage nochmal kräftig Argumente sammeln: Die nach dem besten Spieler aller Zeiten.
Verwendete Quelle: ntv.de
