Bundesfinanzminister Klingbeil fliegt zum Treffen der G20-Finanzminister in die USA. Überschattet wird diese Reise vom Iran-Krieg – aber auch der Handelskonflikt zwischen Kanada und den USA steht auf der Agenda.
Die USA haben aktuell den Vorsitz der G20. Das ist die Gruppe der größten Industrie- und Schwellenländer. Beim zweitägigen Treffen der Finanzminister in Asheville im US-Bundesstaat North Carolina soll es vor allem um die Themen Wirtschaftswachstum, sichere Handelsketten und die hohe Verschuldung vieler Staaten gehen.
Schon im Vorfeld hat die US-Seite deutlich gemacht, dass sie von den G20-Staaten erwartet, alle wirtschaftlichen Beziehungen mit Iran abzubrechen. US-Finanzminister Scott Bessent will bei dem Treffen den Druck erhöhen. Die USA führen seit einem halben Jahr Krieg gegen Iran. Die Folgen sind weltweit zu spüren, zum Beispiel an den Tanksäulen.
Zuletzt hatte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) auch die steigenden Zinsen für Staatsanleihen mit dem Krieg in Verbindung gebracht. Durch die höheren Zinsen wird es auch für Deutschland teurer, Schulden zu machen.
Klingbeil: „Beendet diesen Krieg“
Mit Blick auf das G20-Treffen sagte Klingbeil jüngst im ARD-Interview der Woche, die Botschaft an die USA sei: „Beendet diesen Krieg.“ Vor dem Abflug in die USA erneuerte Klingbeil diese Forderung: „Alle müssen ihren Beitrag leisten, dass die massiven globalen Unsicherheiten abnehmen. Deshalb drängen wir auf ein Ende des Iran-Kriegs und offene Seewege durch die Straße von Hormus.“ Zugleich forderte er erneut ein „Ende des brutalen russischen Angriffskriegs auf die Ukraine“. Russland ist Mitglied der G20.
Die globalen Unsicherheiten bezeichnete Klingbeil als „Gift für die wirtschaftliche Entwicklung weltweit“. Zugleich will der Vizekanzler vor dem Treffen aber offensichtlich auch Stärke demonstrieren und betonte, Deutschland wappne sich „viel stärker als in der Vergangenheit gegen Handelskonflikte und Wettbewerbsverzerrungen“.
Beratungen mit Indien, Großbritannien und Kanada
Die Bundesregierung suche „die Kooperation mit allen, die wie wir auf offenen und regelbasierten Handel, auf Verlässlichkeit und Zusammenarbeit setzen“, so Klingbeil. Er kündigte an, am Rande des G20-Treffens darüber unter anderem mit seinen Amtskollegen aus Indien, Großbritannien und Kanada zu beraten.
Der Handelskonflikt zwischen Kanada und den USA hatte sich zuletzt deutlich verschärft. Im Mai hatte Klingbeil bei einem Besuch in Kanada die engen Beziehungen zu dem Land betont.
Für Diskussionen vor Ort dürfte auch erneut der Umgang der USA mit Südafrika sorgen. Obwohl das Land Mitglied der G20 ist und im vergangenen Jahr den Vorsitz hatte, wird die Regierung von der Trump-Administration nicht zu den G20-Treffen eingeladen.

