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Startseite»Politik»Können europäische Banken mit den US-Geldhäusern konkurrieren?
Politik

Können europäische Banken mit den US-Geldhäusern konkurrieren?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 5, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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hintergrund

Stand: 05.05.2026 • 12:52 Uhr

Die UniCredit macht der Commerzbank Übernahme-Avancen. Finanzwissenschaftler würden dies mit Blick auf den europäischen Bankenmarkt begrüßen. Doch ist die schiere Größe einer Bank entscheidend – und wenn ja, für wen?

Bianca von der Au

Schaut man sich Europas Geldhäuser im Vergleich mit den USA an, sehen sie klein aus. Egal ob Nettogewinn, Profitabilität oder Marktkapitalisierung, also Börsenwert: Überall schneiden die US-Banken schon seit Jahren besser ab als die europäischen Institute. Auch wenn die zehn größten Geldhäuser Europas – nach Berechnungen der Beratungsfirma EY – zuletzt aufgeholt haben, etwa beim Nettogewinn: Die amerikanischen Banken verdienen immer noch mehr.

Ein europäischer Champion muss also her – der Meinung sind viele Finanzwissenschaftler, darunter auch Florian Heider vom Leibniz-Institut SAFE an der Goethe Universität Frankfurt. „Das stärkste Argument dafür hat der Markt geliefert. Die Commerzbank hat an Wert gewonnen, seitdem bekannt wurde, dass die UniCredit sie übernehmen will. der Markt sieht diese Übernahme positiv, weil damit eine europäische Bank geschaffen wird.“

JP Morgan Chase allein hängt jede europäische Bank ab

Nimmt man allein die Marktkapitalisierung zum Maßstab, dann hängt die US-Großbank JP Morgan Chase mit fast 700 Milliarden Euro Börsenwert jedes europäische Geldhaus um ein Vielfaches ab. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank bringt aktuell rund 50 Milliarden Euro an Börsenwert auf die Waagschale.

Den US-Banken trauten Investoren mehr Wachstum zu, so Heider im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Daher brauche es europäische Banken-Champions, etwa um Milliardenfinanzierungen oder komplexe Fusionen und Übernahmen von Großunternehmen zu stemmen, sagt Heider. „Weil die kleinen europäischen Banken nicht das nötige Eigenkapital haben, um größere Transaktionen zu finanzieren.“

Europäische Banken zu klein?

Eine Lücke, die einige US-Banken auf dem europäischen Markt schon erkannt haben und nutzen wollen. Auch UniCredit-Chef Orcel argumentierte kürzlich in diese Richtung, als er im Interview mit der Börsen-Zeitung monierte, dass europäische Banken die Entwicklung von KI und anderen Technologien nicht mit vergleichbaren Summen finanzieren könnten wie die US-Banken. Es fehle schlicht die bilanzielle Schlagkraft.

Übernahme könnte deutschen Bankenmarkt schwächen

Für Branchenkenner wie Dieter Hein von Fairresearch könnte eine Übernahme der Commerzbank durch die mehr als doppelt so große UniCredit vor allem eins bedeuten: Stellenabbau in Deutschland. „Denn die UniCredit würde massiv Geschäft abbauen von der Commerzbank, das für sie nicht so profitabel ist, und dadurch würde ein starker Player in Deutschland fehlen auf dem Bankenmarkt. Und der Einfluss der Bundesregierung auf eine italienische Großbank wäre denkbar gering.“

Größe allein nicht entscheidend

Dass Größe allein für eine Bank nicht ausschlaggebend sei, betonte der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, vor wenigen Tagen gegenüber der ARD-Finanzredaktion: „Wir haben gesagt, dass die Deutsche Bank mit ihrem Netzwerk eine der wenigen europäischen Banken ist, die im Privatkundengeschäft, Firmenkunden, Assetmanagement und Investmentbanking ist. Wir sind die europäische Alternative, und wir wollen der europäische Champion sein.“

Nach einer möglichen Übernahme der Commerzbank durch die UniCredit könnte die nach Börsenwert drittgrößte Bank Europas entstehen – weit vor der Deutschen Bank.

„Too big to fail“?

Skeptiker der Idee eines europäischen Banken-Champions hingegen sehen die Gefahr des „too big to fail“. Denn wie die Finanzkrise 2008 gezeigt hat, kann schiere Größe zum Systemrisiko werden: Größere Banken, die gerettet werden müssen, um keine schweren Verwerfungen auf den Märkten zu erzeugen, bedeuten größere Rettungspakete auf Kosten der Steuerzahler.

Die meisten Experten sind sich zudem einig: Bevor es einen echten europäischen Champion geben könnte, müsste die Bankenunion geschaffen werden. Und da gibt es massive Widerstände aus den einzelnen Ländern, denn noch wichtiger als ein sogenannter „europäischer Champion“ erscheint aus nationaler Sicht eine starke Bank im Heimatmarkt.

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