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Politik

Kommentar: Hitze kostet und Hitze tötet

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 29, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Kommentar

Stand: 29.06.2026 • 15:09 Uhr

Das Schweigen der Bundesregierung zur Hitzewelle sei mehr als nur ein Empathieproblem, meint Georg Schwarte. Die Politik müsse nun endlich handeln.

Georg Schwarte

Hitze ist eine Naturkatastrophe und längst kein toller Sommer mehr. Aber sie ist eine Katastrophe mit dem Unterschied, dass bei Hochwasser jeder Politiker seine Gummistiefel rauskramt und betroffen in Kameras und Mikrophone spricht. Bei Hitze aber der angeblich wieder ins seriöse Fach gewechselte Markus Söder ein Bild von sich im Freibad postet und sagt: „Bei Hitze hilft Schwimmengehen.“ Ernsthaft?

Hitzetote sieht keiner. Die alten Menschen, die an Kreislaufversagen sterben, vertrocknen, weil das Durstempfinden schwindet und nur die Hitze bleibt und der Nachbar nicht klingelt. Vielleicht müssten die Hitzetoten vor Rathäusern und Staatskanzleien aufgebahrt werden, um klarzumachen: Es geht hier nicht um wilde „Klimahysterie der Systempresse“. Das sind übrigens angeblich wir und so ist das gerade wieder im Internet zu lesen.

Hitze als „Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern“?

Hitze tötet. Die Durchschnittstemperatur in Deutschland ist gestiegen. Die Zahl der Hitzetage steigt Jahr um Jahr. Hitzerekorde, vorgetragen im Stil von „wer bietet mehr?“ sollten uns nicht länger staunen, sondern handeln lassen.

Warum verbringt eine Salatgurke im Supermarkt Tage wie die letzten bestens klimatisiert? Herzpatienten oder Demenzkranke aber müssen in der Geriatrie auf kalte Waschlappen setzen? Warum sitzen Schülerinnen und Schüler im Keller ihrer nicht klimatisierten Schule?

Man müsste. Man sollte. Man könnte. Alles x-fach gesagt. „Klimaanpassung“. Kein Modewort. Steht übrigens auch im Koalitionsvertrag. Da wollen sie Klimaanpassung als „Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern prüfen“. Dann prüft mal schön.

Niemand übrigens macht Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) für die Hitze verantwortlich. Aber seine Reaktion darauf macht wütend. Alles Ländersache? Kommunen müssten handeln? Die haben schließlich 100 Milliarden Euro vom Sondervermögen bekommen? Der Bund fein raus?

Schweigen der Politik: Mehr als nur ein Empathieproblem

Im Gegenteil: Das laute Schweigen der Bundespolitik, beim Kanzler angefangen, ist mehr als nur ein klitzekleines Empathieproblem. Und dass eine Deutsche Bahn, die ihre Kunden anfleht, nicht mehr Bahn zu fahren, ein Demokratieproblem werden könnte, sagt sogar der Bundesverkehrsminister.

Autobahnen, die aufplatzen, Straßenbahnen, die flüssiger Asphalt stoppt. Altenheime, die evakuiert werden. Was braucht es noch? Ist das nur Wetter oder schon Klimawandel? Die Frage ist lange beantwortet und trotzdem meiden jetzt alle das Wort Klimaschutz. Das Wort scheint verbrannt, wie demnächst wieder die Wälder.

Und der CDU-Wirtschaftsflügel? Der bringt es tatsächlich fertig, mitten in der größten Hitzewelle zu fordern, die Klimaschutzziele zu verschieben. Um die Wirtschaft nicht zu belasten. Das muss man sich erst einmal leisten können. Wir alle sollten es uns nicht leisten. Klimaschutz rettet langfristig Menschenleben. Klimaanpassung rettet sie jetzt. Und ja: Hitze kostet und Hitze tötet.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin wieder und nicht die der Redaktion.

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