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Startseite»Politik»Kubicki ist FDP-Chef: Alles andere als ein strahlender Sieger
Politik

Kubicki ist FDP-Chef: Alles andere als ein strahlender Sieger

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 30, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 30.05.2026 • 20:54 Uhr

Das „alte Schlachtross“ Wolfgang Kubicki soll die FDP in die Zukunft führen. Beim Parteitag wählten ihn aber weniger als 60 Prozent. Ein Grund: die überraschende Kandidatur einer alten Kontrahentin. Jetzt braucht Kubicki schnelle Erfolge.

Lissy Kaufmann

Parteitage können zäh sein, weil erwartbar – wenn eh klar ist, wer neuer Parteichef wird. Und im Falle der FDP war das klar: Wolfgang Kubicki wird es. Bis am frühen Nachmittag überraschend doch eine Gegenkandidatin auf den Plan tritt: Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Sie 68 Jahre alt, Kubicki 74 – beide sind Urgesteine der FDP, „alte Schlachtrösser“, wie Kubicki sagt.

Plötzlich also gibt es doch noch Wettbewerb in der Partei, die wie keine zweite für Wettbewerb steht. Plötzlich ist der Saal im Berliner Estrel Hotel brechend voll, Gespräche werden eingestellt. Alle Augen sind auf die Bühne gerichtet. Alle hören zu, als Strack-Zimmermann ihre Kandidatur begründet:

Wer schweigt, wenn aus eigener Sicht die Weichen falsch gestellt werden, hat nicht den Mut zur Freiheit gewählt. Er hat die Bequemlichkeit der Stimme gewählt, und die können wir uns in dieser Partei am wenigsten leisten.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann

Viele in der Partei sind verärgert

Die Weichen werden aus Sicht von Strack-Zimmermann falsch gestellt von Kubicki: zu viel Populismus, zu viel Ruck nach rechts, zu viel Spekulation darüber, wie es die FDP denn mit der AfD hält. Kubicki hält wenig von einer Brandmauer, das hat er in den vergangenen Wochen deutlich gemacht. Er findet, man müsse auch mit der AfD reden. Der von ihm auserkorene Generalsekretär Martin Hagen aus Bayern sprach zuletzt gar von der Brandmauer als „Popanz“.

All das ärgert viele in der Partei. Das wird auch in den Redebeiträgen am Vormittag immer wieder deutlich. Auch bei Strack-Zimmermann klingt Wut durch, als sie auf die Brandmauer-Debatte zu sprechen kommt: „Glaubt jemand wirklich, alleine damit Wähler von der AfD zurückzuholen?“ Strack-Zimmermann, Abgeordnete im EU-Parlament, glaubt an ein anderes Szenario: „Was wir bekommen, ist Applaus und Schulterklopfen von reaktionären Stammtischen, die uns nie und nimmer wählen, wenn es darauf ankommt.“

Applaus bekommt auch Strack-Zimmermann. Nur ganz wenige in der Partei, so hört man, haben von ihrer kurzfristigen Kandidatur gewusst. Mindestens 33 müssen es aber gewesen sein – sie unterzeichneten den Kandidatenvorschlag.

Im Osten hoffen die Delegierten auf den Kubicki-Effekt

Doch wie Kubicki hat auch Strack-Zimmermann Gegner in der Partei. Und die sind laut. Immer wieder sind auch Buhrufe zu hören. An einigen Delegiertentischen bleiben die Arme demonstrativ verschränkt während ihrer Rede. Nicht nur, aber vor allem bei einigen Ostverbänden.

Bei den Delegierten aus Sachsen-Anhalt etwa, wo noch in diesem Jahr gewählt wird. In Sachsen-Anhalt sitzt die FDP derzeit noch in der Regierung, ab September laut Umfragen nicht mal mehr im Parlament. Kubicki aber ist für viele jetzt ein Hoffnungsschimmer: Dank seiner direkten Art und seiner bissigen Sprüche hoffen manche, die Fünf-Prozent Hürde doch noch zu knacken.

Auch andere in der FDP setzen Hoffnungen in Kubicki. Er soll die Partei retten, die seit Monaten im Umfragetief hängt und die im politischen Berlin nichts mehr zu sagen hat.

An diesem Nachmittag aber wollen die Liberalen zeigen, dass sie noch quicklebendig sind, streitlustig und mit Kampfgeist ausgestattet. Kubicki muss plötzlich um seinen sicher geglaubten Chefposten kämpfen.

Nicht mal 60 Prozent stimmen für Kubicki

„Auch wenn wir in der Vergangenheit nicht alles richtig gemacht haben, die FDP war, ist und bleibt die Partei der Bürgerrechte“, ruft er in den Saal. Kubicki sieht sich selbst als Bürgerrechtler und als Kämpfer für Meinungsfreiheit, als Sozialliberalen. Die Debatte darüber, wie man mit der AfD umgehen soll, hat ihn aber zuletzt innerhalb der Partei nach rechts rücken lassen. Doch er stellt klar: „Es wird mit Liberalen nie eine Zusammenarbeit mit dieser Partei geben, niemals.“

Selten war eine Abstimmung bei der FDP so spannend und knapp: 59,72 Prozent stimmen für Kubicki – weniger als die 70 Prozent plus, die ihm im Vorfeld viele in der Partei zugetraut hätten. Aber genug Stimmen, um Chef zu werden. Chef einer Partei, die an diesem Tag zeigen will, dass sie noch da ist und sich noch lange nicht abgeschrieben hat.

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Dr. Heinrich Krämer
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