Die ukrainischen Angriffe auf Russlands Energieversorgung zeigen immer deutlicher Wirkung. Nun riefen die von Russland eingesetzten Krim-Behörden den Notstand aus. Für Putin könnte das zum Imageschaden werden.
Er ist der Statthalter von Kreml-Chef Wladimir Putin auf der Krim: Sergej Aksjonow. Am späten Freitagvormittag wandte er sich an die Menschen auf der Schwarzmeer-Halbinsel und teilte ihnen mit: „Heute, um 13:00 Uhr, wird in der Republik Krim der Notstand ausgerufen.“
Aus Sicht der Ukraine und ihrer Verbündeten hat Putins Statthalter auf der Krim keine Legitimation, genauso wenig wie der Gouverneur der Hafenstadt Sewastopol, Michail Raswoschajew. Der erklärte, warum der regionale Notstand verhängt wurde:
„Die Lage hinsichtlich der Energieversorgung der Krimhalbinsel bleibt weiterhin schwierig. Wir führen Reparaturarbeiten durch. Wir hoffen, dass die Energieversorgung in Sewastopol in den nächsten 24 Stunden vollständig wiederhergestellt sein wird.“
Viele Reisende gestrandet
Strommangel herrscht auf der Krim, aber auch Mangel an Benzin und Diesel. Kein Treibstoff – das, so heißt es in russischen Medien, habe dazu geführt, dass Tausende Menschen aus Russland auf der Krim vorläufig gestrandet sind. Urlauber, die ihre Sommerferien auf der Halbinsel verbringen wollten.
Derzeit seien auf der Krim zwischen 150.000 und 200.000 Touristen, teilte Sergej Romashkin, Vizepräsident des Verbandes der Reiseveranstalter Russlands, mit.
Putin gleich mehrfach in Bedrängnis bringen
Die russischen Staatsmedien melden, dass der regionale Notstand verhängt wurde, aber: kein Wort über den Grund. Der ist nicht von der sogenannten speziellen Militäroperation zu trennen, also von Russlands Krieg gegen die Ukraine.
Seit Monaten schon nimmt das ukrainische Militär russische Ölproduktionsstätten ins Visier; Raffinerien, Pipelines, Pump- und Verladestationen. Überall im Land herrscht deshalb mittlerweile Kraftstoffmangel. Aber: In ihrem Verteidigungskrieg attackiert die Ukraine auch immer wieder die Krim.
Das Kalkül von Kiews Strategen ist möglicherweise: Die Krim ist für Putin von höchster symbolischer Bedeutung, auf verschiedenen Ebenen: historisch, religiös, strategisch, wirtschaftlich, touristisch.
Dass nun gerade auf der Krim mit ihrer Symbolkraft der Notstand verhängt wurde, kratzt an der Herrschaft Putins. Oder mit anderen Worten: Wenn ihm die Krim vollends entglitte, verlöre Putin – zumindest an Ansehen bei den Menschen in seinem Land.
Aufruf, Ruhe zu bewahren
Auf Social Media beklagen sich nun Bürger, noch mit aller Vorsicht und ohne die Staatsführung anzugreifen, es gebe „kein Benzin, es gibt riesige Staus auf der Brücke, Züge fahren nicht. Ich denke, es ist kein Geheimnis, dass es auf der Krim gerade nicht so gut läuft.“
In einem anderen Beitrag heißt es: „Manche Menschen sind aufs Pferd umgestiegen oder fahren Fahrrad. Kein Benzin, kein Strom, kein Wasser. So eine unglaubliche Welt im Jahr 2026.“
Putins Statthalter Aksjonow dürfte auch solche Äußerungen gemeint haben, als er jetzt den regionalen Notstand ausrief: „Deshalb bitte ich alle, Ruhe zu bewahren und nur vertrauenswürdigen Informationsquellen zu glauben. Zusammen schaffen wir das!“
Und in seinem Telegram-Kanal versuchte Aksjonow, weiter zu beschwichtigen: Der Notstand, so schrieb er, „bedeutet keinerlei Einschränkungen für die Bürger. Ebenso sieht der Notstandsmodus keine Einschränkungen der Bewegungsfreiheit vor und bedeutet nicht die Einführung einer Ausgangssperre. Alle Gespräche darüber sind Fakes.“

