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Startseite»Nachrichten»„Lumumba“-Anhänger fehlt: Warum die DR Kongo auf ihren Super-Fan verzichten musste
Nachrichten

„Lumumba“-Anhänger fehlt: Warum die DR Kongo auf ihren Super-Fan verzichten musste

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 17, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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17.06.2026 | 23:04 Uhr

Die DR Kongo feiert gegen Portugal einen überraschenden Erfolg mit dem Unentschieden im Auftaktspiel. Doch einer ihrer treuesten und auffälligsten Anhänger kann bei dem Spiel in Houston nicht dabei sein.

Die „Leoparden“ aus der DR Kongo überraschen Portugal und die Fußballwelt bei ihrem WM-Auftakt. Doch beim 1:1-Remis gegen einen der Mitfavoriten auf den WM-Titel fehlt ein ganz besonderer Fan: Michel Kuka Mboladinga.

Weltbekannt wurde er durch seinen ganz besonderen Auftritt beim Afrika-Cup im vergangenen Jahr: Regungslos stand er über die komplette Spielzeit mit erhobenem rechten Arm und geöffneter Handfläche auf der Tribüne. Seine Haltung erinnert an den ermordeten ersten Premierminister des Landes nach der Unabhängigkeit, Patrice Lumumba. Doch auf die Unterstützung ihres wohl berühmten Anhängers müssen die „Leoparden“ bei ihrem erfolgreichen WM-Auftakt gegen Portugal verzichten.

Kongos Traum-Kopfball bringt Portugal ins Wanken

„Ich stehe regungslos da, weil ich glaube, dass das der Mannschaft emotionale Ausdauer verleiht“, sagte er dem „Wall Street Journal“ in der vergangenen Woche. „So wie Lumumba sein Leben für unser Land geopfert hat, ist mein Opfer ein kleiner Preis, den ich gerne zahle, weil mir diese Mannschaft so sehr am Herzen liegt.“

Mboladinga unterstützt die Nationalmannschaft seit mehr als zehn Jahren und sollte als Teil der Delegation mit der Mannschaft das Turnier bestreiten – auf besonderen Wunsch der Mannschaft. Doch die Ebola-Epidemie im Heimatland machte es für den Super-Fan unmöglich, dem 1:1 gegen Portugal beizuwohnen.

Weitere News

Spieler müssen in Ebola-Quarantäne

Personen aus der DR Kongo dürfen nämlich nur dann in die USA einreisen, wenn sie sich zuvor 21 Tage lang in einer „Bubble“ außerhalb des Kongo aufgehalten haben, um sicherzustellen, dass sie das tödliche Virus nicht in die Vereinigten Staaten einschleppen. Mboladinga stieß jedoch zu spät zum Team, welches sich in Belgien auf die WM vorbereitete und konnte somit noch nicht die Reise über den Atlantik antreten.

Schwacher Ronaldo verzweifelt an Kongo-Abwehr

Video poster

„Sie lieben ihn sehr“, sagte Véron Mosengo-Omba, der Präsident des kongolesischen Fußballverbands, über das Verhältnis der Spieler zu ihrem besonderen Anhänger. „Mboladinga ist ein nationales Symbol für Durchhaltevermögen und Stolz.“

Lumumba hatte eine bedeutende Rolle bei der Unabhängigkeit des Landes von der belgischen Kolonialherrschaft gespielt und wurde anschließend der erste Premierminister des Landes. Die politischen Einstellungen und Handlungen Lumumbas waren der früheren Kolonialmacht jedoch ein Dorn im Auge. Belgien unterstützte einen Militärputsch gegen Lumumba. Dieser wurde nach nur wenigen Monaten Regierungszeit festgenommen und in der Provinz Katanga erschossen.

Super-Fan kommt zum nächsten Spiel

Die Leiche Lumumbas wurde Berichten zufolge anschließend mit Sägen zerteilt und in Säure aufgelöst. Von der Symbolfigur des afrikanischen Unabhängigkeitskampfes sollte nichts übrig bleiben. Heute existieren offenbar nur noch zwei Zähne des Ermordeten, die ein Vertreter der Kolonialpolizei nach der Erschießung als Trophäe an sich nahm.

Weihnachtsmärkte sollen „Lumumba“ verbannen

Video poster

Die Aufarbeitung der Ermordung des Premierministers in Belgien ist bis heute nicht abgeschlossen. Ein Ausschuss des belgischen Parlaments kam 2001 zu dem Ergebnis, dass das Land eine „moralische Verantwortung“ für das Verbrechen trage. Aber keine rechtliche. Die Nachfahren Lumumbas kämpfen seit Jahren für eine juristische Verfolgung der Verantwortlichen.

Mit dem früheren belgischen Spitzenpolitiker Étienne Davignon hätte sich nun eigentlich ein 93-Jähriger für die Beteiligung an dem Verbrechen verantworten sollen. Ein belgisches Strafgericht entschied im März, dass der ehemalige EU-Kommissar unter anderem wegen bestimmter Formen der Beteiligung an Kriegsverbrechen und unrechtmäßiger Freiheitsberaubung vor das Strafgericht treten soll. Doch Davignon starb im vergangenen Monat noch vor Prozessbeginn.

Für die Menschen in der DR Kongo bleibt Lumumba auch über 60 Jahre nach der Ermordung eine Figur der Hoffnung – auch bei dieser Weltmeisterschaft. Nach dem erfolgreichen Auftakt kann die DR Kongo mit einem möglichen Sieg in den weiteren Gruppenspielen auch in Richtung K.-o.-Phase schielen. Ab der nächsten Partie ist auch ihr Super-Fan wieder an Bord: Für das Spiel gegen Usbekistan in Atlanta hat er sich bereits angekündigt.

Verwendete Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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