Marktbericht
Die jüngste Eskalation in Nahost bleibt das beherrschende Thema an den Börsen. Anleger blicken heute aber auch in die USA: Dort werden Inflationsdaten veröffentlicht und die Berichtssaison beginnt.
Der noch zu Wochenbeginn robuste DAX ist am Morgen unter Druck geraten. Dass der Preis für die wichtige Rohölsorte Brent auf den höchsten Stand seit einem Monat gestiegen ist, belastete die Stimmung. In den ersten Handelsminuten sank der deutsche Leitindex um 0,4 Prozent auf 25.008 Punkte.
Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank befürchtet, dass ein Rutsch des DAX unter die umkämpfte 25.000-Punkte-Marke die Korrektur noch beschleunigen könnte. Bisher sieht er allerdings eine eher geordnete Entwicklung, da die Anleger „die Wechselhaftigkeit des Iran-Konflikts kennen und auch eine plötzliche Wiederaufnahme der Gespräche nicht für ausgeschlossen halten“.
Verantwortlich für die Ölpreis-Entwicklung ist die von US-Präsident Donald Trump angekündigte Wiederaufnahme der Seeblockade gegen iranische Häfen ansteuernde Schiffe. Sie soll ab heute Nachmittag US-Ostküstenzeit (22:00 Uhr deutscher Zeit) in Kraft treten. Allen anderen Ländern soll ein „fairer und offener“ Zugang zur Meerenge möglich sein, teilte er auf seiner Plattform Truth Social mit.
Trump kündigte zudem an, dass die USA fortan für die sichere Durchfahrt der Meerenge aus „Fairnessgründen“ Einnahmen in Höhe von 20 Prozent des Frachtwertes für sich beanspruchen. Dies solle die Kosten, die im Zuge der Sicherstellung der Passage anfallen, kompensieren. Der Prozess und die Umsetzung würden umgehend beginnen, schrieb er weiter. Weitere Details blieben offen, etwa wer genau für den Beitrag aufkommen soll.
Die Finanzmärkte seien zuletzt von der Einschätzung „fragiler Arbeitsbeziehungen“ zwischen den USA und Iran zu einer „heiklen Konfrontation mit wenig Aussichten auf einen Kompromiss“ umgeschwenkt, kommentierte Marktexperte Stephen Innes. Der Ölpreis beinhalte folglich eine geopolitische Risikoprämie.
So schnellte der Ölpreis denn auch auf ein Monatshoch: Am Rohstoffmarkt verteuerte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 2,6 Prozent auf 85,50 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notierte 1,6 Prozent fester bei 79,37 Dollar.
Im Fokus der Anleger stehen im Tagesverlauf die US-Verbraucherpreise. Die vom Iran-Krieg angefachte US-Inflation dürfte sich im Juni etwas abgeschwächt haben. Volkswirte rechnen mit einer Teuerungsrate von 3,8 Prozent, nach 4,2 Prozent im Mai. Sollte sich der positive Trend bestätigen, würde dies die Erwartungen an weitere Zinssenkungen der Federal Reserve im zweiten Halbjahr stärken.
Gleichzeitig sorgen die Aussagen eines US-Notenbankers für Verunsicherung: Fed-Gouverneur Christopher Waller hatte angedeutet, dass die Zinsen „in naher Zukunft“ angehoben werden könnten. „Die Aussicht auf eine straffere Geldpolitik bei einem gleichzeitigen Energiepreisschock ist selten ein gutes Umfeld für Risikoanlagen wie Aktien“, sagte Chris Weston, Analysechef bei Pepperstone.
Investoren blicken deshalb nun umso gespannter auf die erste halbjährliche Anhörung des neuen US-Notenbankchefs Kevin Warsh vor dem Kongress heute und am Mittwoch. Dabei dürfte es vor allem um die inflationären Auswirkungen des US-Iran-Krieges und den künftigen Zinskurs der Fed gehen.
All das hat der Wall Street zu Wochenbeginn zugesetzt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,3 Prozent tiefer auf 52.499 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gab 0,8 Prozent auf 7.515 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 1,6 Prozent auf 25.873 Punkte.
Heute dürften die erwarteten Quartalszahlen der Großbanken Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan und Wells Fargo für Bewegung sorgen. Sie markieren traditionell den Auftakt der US-Berichtssaison. Analysten rechnen laut LSEG für das zweite Quartal mit einem Gewinnwachstum der S&P-500-Unternehmen von 23,7 Prozent im Jahresvergleich.
Experten rechnen dank eines florierenden Handelsgeschäfts und lukrativer Börsengänge mit starken Quartalsergebnissen. Insbesondere das milliardenschwere Börsendebüt des Raumfahrtunternehmens SpaceX sowie eine Belebung bei Fusionen und Übernahmen dürften die Einnahmen der Wall-Street-Banken angetrieben haben.
Eine drastische Senkung der Jahresziele hat die Aktien von Evotec auf Talfahrt geschickt. Die Papiere des Hamburger Biotechunternehmens brachen im Frankfurter Handel um 31 Prozent ein und fielen auf den tiefsten Stand seit 2016.
Evotec rechnet im laufenden Jahr nur noch mit einem Umsatz von 570 bis 610 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Bislang waren 700 bis 780 Millionen Euro anvisiert worden. Beim bereinigten operativen Ergebnis (Ebitda) erwartet der Konzern nun einen Verlust zwischen 70 und 105 Millionen Euro, nachdem zuvor ein Gewinn von bis zu 40 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden war.
Hohe Lieferkosten kommen Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd zugute: Der Konzern hat wegen gestiegener Transportpreise und zuletzt hoher Nachfrage seine Jahresprognose erhöht. Das teilte das Hamburger Unternehmen in einer Ad-hoc-Mitteilung mit. Hapag-Lloyd erwartet nun einen Gewinn vor Zinsen und Steuern zwischen 0,1 Milliarden und 1 Milliarde Euro, nach zuvor minus -1,3 und 0,4 Milliarden Euro.
