Marktbericht
Die neue Eskalation im Iran-Krieg hat den Preis für das Nordseeöl Brent erstmals seit Mai über die Marke von 100 Dollar pro Barrel getrieben. Das belastet am Morgen weltweit die Aktienmärkte.
Der DAX steht unter Druck: Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex zur Stunde mit einem Minus von 0,2 Prozent bei 24.714 Punkten.
Der DAX hat bereits gestern seine bisher in dieser Woche verbuchten Gewinne eingebüßt. Weiter steigende Ölpreise setzten dem Aktienmarkt besonders zu. Damit fiel er wieder unter die viel beachtete Marke von 25.000 Punkten und büßte am Ende 1,6 Prozent auf 24.763 Zähler ein.
Auslöser für den Rücksetzer sind die Ölpreise: Über Nacht war die Nordseesorte Brent um sieben Prozent auf ein Zwei-Monats-Hoch von 102 Dollar gestiegen. Aktuell kostet ein Fass 100,50 Dollar. Das US-Öl WTI notiert bei 91,82 Dollar.
Hintergrund sind Angriffe der mit dem Iran verbündeten Huthi-Miliz auf saudi-arabische Tanker im Roten Meer. Gleichzeitig ist der Tankerverkehr durch die strategisch wichtige Straße von Hormus am Donnerstag fast zum Erliegen gekommen. Dies geht aus Daten des Analysehauses Kpler hervor. Demnach hat lediglich ein einziger Tanker die Meerenge passiert, der niedrigste Stand seit dem 7. Mai.
Damit ist nun neben der vom Iran weitgehend geschlossenen Straße von Hormus eine zweite wichtige Schifffahrtsroute für die weltweite Ölversorgung im Nahen Osten stark eingeschränkt. „Zwei der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt sind im selben Monat bedroht, und die Märkte fangen gerade erst an zu begreifen, was das bedeutet“, sagte Nigel Green, Chef der Finanzberatung deVere Group.
Der rasant steigende Ölpreis schürt wenige Tage vor der nächsten Zinssitzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) neue Inflationssorgen und treibt die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit Anfang 2025. Händlern zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen in der kommenden Woche unverändert lässt, derzeit bei rund 64 Prozent.
Der Anstieg des Ölpreises auf über 100 Dollar belastet am Morgen die Aktienmärkte in Asien. Der breit gefasste MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans fiel um ein Prozent. Der japanische Nikkei-Index gab um 3,0 Prozent nach, und der südkoreanische Kospi verlor 3,7 Prozent.
Europas größter Softwarehersteller SAP hat im zweiten Quartal deutlich mehr verdient: Der Gesamtumsatz legte im zweiten Quartal im Jahresvergleich um neun Prozent auf 9,88 Milliarden Euro zu, der Cloudumsatz zog unerwartet kräftig um 22 Prozent an.
Allerdings senkt SAP seinen Ausblick für das operative Ergebnis 2026. Beim um Sondereffekte bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern geht SAP währungsbereinigt noch von einem Wachstum zwischen 13 und 17 Prozent aus. Das Management begründete die gesenkte Prognose mit den nun abgeschlossenen Zukäufen von Dremio und Prior Labs. Beim Wachstum des Cloud-Vertragsbestands für die kommenden zwölf Monate konnte SAP aber stärker zulegen als gedacht. Die in New York gehandelten Aktienhinterlegungsscheine zogen nachbörslich um sechs Prozent an.
Das Geschäft des Chipkonzerns Intel profitiert nach einer langen Durststrecke von der boomenden Halbleiter-Nachfrage beim Ausbau von KI-Rechenzentren. Im vergangenen Quartal sprang der Umsatz des Chip-Pioniers im Jahresvergleich auf 16,1 Milliarden Dollar, der bereinigte Gewinn pro Aktie auf 42 US-Cent. Auch Intels Ausblick auf das laufende Quartal lag deutlich über den Markterwartungen. Die Aktie stieg im nachbörslichen US-Handel um rund zwölf Prozent.
Sorgen über hohe Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) sowie neu entfachte Inflationsängste durch den steigenden Ölpreis hielten auch die Anleger in den USA in Atem. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am Donnerstag ein Prozent tiefer auf 51.712 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gab 1,2 Prozent auf 7.408 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 2,2 Prozent auf 25.138 Punkte.
Bei den Einzelwerten standen die ersten Bilanzen der sogenannten „Magnificent Seven“-Tech-Giganten im Fokus, die am Mittwoch nach Börsenschluss veröffentlicht worden waren. Die Aktien der Google-Mutter Alphabet und von Tesla rutschten wegen höherer Ausgaben ab. „Die Zahlen sind insgesamt großartig, aber bei vielen Unternehmen gab es Details, die die Aktie fallen ließen“, sagte Matt Miskin, Anlagestratege bei Manulife John Hancock Investments. Jeder noch so kleine Makel werde derzeit mit Verkäufen abgestraft.
Gegen den Trend legten die Aktien von Lockheed Martin zu, nachdem der Rüstungskonzern seine Umsatz- und Gewinnprognosen für 2026 angehoben hatte. Wegen der hohen Nachfrage nach Waffen und Munition infolge globaler Konflikte rechnet Lockheed nun für 2026 mit einem Umsatz zwischen 79,75 und 81,75 Milliarden Dollar, nach zuvor 77,5 bis 80 Milliarden Dollar.
Der Münchner Versicherungsriese Allianz übernimmt die singapurische Versicherungs-Tochter der britisch-asiatischen Bank HSBC, HSBC Life, für 2,09 Milliarden Dollar. HSBC hatte die Tochter zum Verkauf gestellt, die Allianz setzte sich Berichten zufolge in einem Bieterverfahren gegen die japanischen Versicherer Daiichi Life und Sumitomo durch.
