Marktbericht
Die Ölpreise geben nach, Iran und die USA verhandeln über ein Friedensabkommen – trotzdem fehlt dem DAX der Zug nach oben. Die Anleger bleiben zurückhaltend, vor allem die Situation im Libanon nährt die Skepsis.
Der DAX startete zwar über 25.000 Punkten, konnte das Niveau aber nicht verteidigen. Aktuell liegt er 0,1 Prozent im Minus auf 24.970 Zählern. Am vergangenen Freitag war der DAX mit einem Minus von 0,2 Prozent auf 24.985 Punkten aus dem Handel gegangen. Zeitweise hatte er mit einem Anstieg auf 25.173 Punkten sogar erneut einen Vorstoß in Richtung Rekordhoch unternommen.
Noch immer hängen die Aktienmärkte an den Fort- oder Rückschritten der Friedensgespräche zwischen Iran und den USA. Jetzt haben sich die Parteien sich auf einen Fahrplan für ein Abkommen geeinigt. Aber die Situation bleibt angespannt. Das Thema Libanon hänge als Damoklesschwert über den Verhandlungen, kommentiert Christian Henke, Marktbeobachter beim Broker IG.
„Die Märkte stehen vor einem Hitzetest aus Geopolitik, Geldpolitik und KI-Fantasie. Während die geopolitische Akte geöffnet bleibt und die Notenbanken den Anlegern weiterhin keine klare Orientierung bieten, rückt zunehmend die Frage in den Fokus, wie lange die KI-Euphorie die hohen Bewertungen noch rechtfertigen kann“, stellt Timo Emden von Emden Research fest.
Vor allem starke Kursgewinne bei Technologieaktien hatten zuletzt in Japan und den USA für Rekordstände gesorgt. Der erfolgreiche Börsengang des Raumfahrtkonzerns SpaceX hatte die KI-Euphorie weiter geschürt. In Japan übersprang der Nikkei heute deshalb auch die Marke von 72.000 Punkten. Vor einem Jahr hatte der japanische Leitindex noch bei rund 40.000 Punkten notiert, ein Plus von fast 90 Prozent.
An der Wall Street wurde am vergangenen Freitag nicht gehandelt. Die Anleger erhoffen sich deshalb heute frische Impulse von den US-Börsen. Aktuell ist allerdings noch keine klare Tendenz erkennbar.
Vor allem die Ölpreise bleiben der entscheidende Faktor für die Richtung am Aktienmarkt. Sowohl die Preise der Rohöl-Sorte Brent als auch US-Öl der Sorte WTI notierten heute schwächer und bleiben deutlich unter 80 US-Dollar.
Aber bisher läuft der so wichtige Schiffsverkehr in der Straße von Hormus insgesamt nur verhalten an. Chefvolkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank befürchtet, dass sich die Lage erst mittelfristig entspannen wird. „Man darf nicht übermütig werden, es dürfte bis Mitte nächsten Jahres dauern, bis der Ölpreis wieder sein Vorkriegsniveau von knapp 70 Dollar erreicht“, glaubt der Experte. Seeminen müssten erst geräumt, die Produktion wieder hochgefahren und Lager wieder aufgefüllt werden.
Wie sehr auch Unternehmen, die in traditionellen Branchen tätig sind, von der KI-Fantasie profitieren können, zeigt Hochtief: Unter den 40 führenden börsennotierten Unternehmen in Deutschland wird es nämlich heute Veränderungen geben. Die VW-Beteiligungsgesellschaft Porsche SE wird den DAX verlassen. Ersetzt wird der VW-Großaktionär durch den Baukonzern.
Hochtief profitiert ebenfalls vom Megathema KI: Großaufträge für den Bau von milliardenschweren Rechenzentren haben den Kurs steil ansteigen lassen. Binnen eines Jahres hat sich der Börsenwert verdreifacht. Aktuell liegt er bei rund 40 Milliarden Euro.
