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Startseite»Nachrichten»Migration seit 2000 verdreifacht: Studie zeigt, wohin besonders viele Menschen ziehen
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Migration seit 2000 verdreifacht: Studie zeigt, wohin besonders viele Menschen ziehen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 15, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Migration seit 2000 verdreifachtStudie zeigt, wohin besonders viele Menschen ziehen

Flüchtende Rohingya aus Myanmar. (Foto: Km Asad/ZUMA/dpa)

Zwei Forscher zeichnen mit einer neuartigen Methode ein genaueres Bild der weltweiten Wanderungsbewegungen. Ihre Auswertung zeigt, dass die Zahl der Menschen, die jährlich ihr Land verlassen, seit der Jahrtausendwende enorm zugenommen hat. Die Gründe dafür sind andere als oft angenommen.

Die jährlichen Migrationsströme weltweit haben sich seit dem Jahr 2000 nahezu verdreifacht. Verließen in jenem Jahr noch etwa 13 Millionen Menschen ihre Heimat, waren es im Jahr 2023 etwa 35 Millionen Menschen. Zwei Wissenschaftler haben für die im Fachmagazin „Nature“ vorgestellte Studie Künstliche Intelligenz mit Bevölkerungs- und Wirtschaftsdaten kombiniert.

Bislang basierten solche Daten den Autoren zufolge vor allem auf zwei Quellen: dem alle fünf Jahre erscheinenden Migrationsreport der Vereinten Nationen und einem alle zehn Jahre veröffentlichten Bericht der Weltbank. Dies seien lediglich Momentaufnahmen, erklärte das Duo von der London School of Economics und der Universität Hongkong.

Das nun genutzte Verfahren habe eine wesentlich höhere zeitliche Auflösung und ermögliche einen genaueren Blick auf die Entwicklung von Migration und auf ihre Ursachen wie Kriege, Wirtschaftskrisen und Epidemien. Besonders nützlich sei die Methode für den Globalen Süden, für den es wesentlich weniger erfasste Daten gebe als etwa für Europa.

Besonders starke Binnenmigration in Europa

Ein Hauptstrom zwischen verschiedenen Ländern richtet sich demnach von Südasien und den Philippinen in die Golfregion. Insgesamt zogen von 2010 bis 2023 etwa 19 Millionen Menschen aus Indien, Pakistan und Bangladesch nach Saudi-Arabien, Katar, Bahrain und in die Vereinigten Arabischen Emirate – rechnerisch also etwa 1,35 Millionen Menschen pro Jahr. Allein den Zuzug aus Bangladesch nach Saudi-Arabien seit 2010 beziffern die Autoren auf etwa 300.000 Menschen pro Jahr.

Aus Mexiko in die USA kamen seit 1990 etwa 13,6 Millionen Menschen, rechnerisch knapp 570.000 pro Jahr. Europa fällt vor allem durch die stärkste regionale Binnenmigration weltweit auf, insbesondere im Zuge der Osterweiterung der EU und des Schengenraums. So zogen seit 1990 etwa 20 Millionen Menschen von Ost- nach Westeuropa – etwa 600.000 pro Jahr. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion migrierten im Jahr 1991 mehr als 2 Millionen Menschen innerhalb Europas. Hauptziele waren damals Russland und Deutschland.

Knapp 1,8 Millionen Zuwanderer 2022 in Deutschland

Überstiegen wurde die europäische Binnenwanderung lediglich von Afrika südlich der Sahara in den frühen 1990er-Jahren, während des Bürgerkriegs in Ruanda. Auch im vergangenen Jahrzehnt erlebte diese afrikanische Region große Migrationsströme, oft infolge bewaffneter Konflikte. Die Autoren verweisen etwa auf den Bürgerkrieg im Sudan ab 2013 und auf die eskalierende Gewalt in Nigeria vor allem durch die islamistische Miliz Boko Haram nach 2009.

Interaktive Grafiken zur Studie schlüsseln die Zuwanderung für jedes Land und jedes Jahr detailliert auf. Demnach kamen etwa im Jahr 2015 gut 863.000 Menschen nach Deutschland, während rund 374.000 das Land verließen. Im Jahr 2022 – dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine – migrierten knapp 1,8 Millionen Menschen nach Deutschland, während 390.000 wegzogen. 2023 gab es demnach etwa 1,5 Millionen Zuwanderer, bei einer Abwanderung von 790.000.

Einschränkend gibt das Team zu bedenken, dass die Berechnung von Migrationsdaten äußerst komplex ist. Zudem beinhalte die verwendete Methode lediglich die Bewegungen über Ländergrenzen, nicht die teils erhebliche Binnenmigration innerhalb von Staaten.

„Unsere jährlichen Daten ergeben ein klareres Bild und zeigen, dass die Migrationsrate tatsächlich seit 2000 gestiegen ist“, bilanzierte Co-Autor Guy Abel von der Universität Hongkong. „Dieser zunehmende Trend scheint eher von langfristigen demografischen Verlagerungen und der wirtschaftlichen Entwicklung angetrieben zu sein als von plötzlichen isolierten Krisen.“

Quelle: ntv.de, Walter Willems, dpa

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